Weltkriegsüberreste im Mühlkanal

Kampfmittelbeseitigung bleibt am Steuerzahler hängen

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Der Rückbau der zweiten Brückenhälfte hat begonnen. In der 28. Kalenderwoche werden die zersägten Einzelteile des Bauwerks ausgehoben, auch dann kommt es über dem Mühlkanal wieder zu Behinderungen.
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Der Steuerzahler muss für die aufwändige Kampfmittelbeseitigung im Schongauer Mühlkanal aufkommen, über den eine neue Brücke gebaut wird. Und das, obwohl ihn eine Spezialfirma vor Beginn der Arbeiten für kampfmittelfrei erklärt hatte.

Schongau – In knapp einem Monat wird die direkte Verbindung von Peiting nach Schongau mindestens für zwei Nächte wieder komplett gekappt. Vom 15. auf den 16. und vom 16. auf den 17. Juli muss nach Angaben von Projektleiter Christoph Prause die Flusssohle des Mühlkanals wieder nach Kampfmitteln „sondiert“ werden. Die Brücken über dem Kanal sind in der Zeit voll gesperrt, der Verkehr wird umgeleitet. Wie im Sommer 2018 schon auf der anderen Seite geschehen, wird ein gepanzerter Langstilbagger Schlamm aus dem Kanal heben. Der Aushub wird anschließend von Spezialisten auf Kampfmittel untersucht. Danach werden mit Steinen gefüllte Drahtgitterkörbe in den Kanal gehoben, die verhindern sollen, dass weitere Weltkriegsüberreste in die Arbeitsbereiche nachrutschen.

Wie berichtet, war zu Beginn der Arbeiten über und im Mühlkanal niemand davon ausgegangen, dass der Kanal von Munition, Handgranaten und Tellerminen befreit werden muss. Schließlich hatte das Staatliche Bauamt eine Spezialfirma damit beauftragt, im Kanal nach Kampfmitteln zu suchen, bevor die Behelfsbrücke errichtet und mit dem Abbruch des Bestandsbauwerks begonnen wurde. 60 000 Euro hatte das Staatliche Bauamt für die Suche bezahlt und danach die Bestätigung, dass der Bereich des Kanals „kampfmittelfrei“ sei, berichtete Prause 2018.

Als die Arbeiten losgingen, staunte der Projektleiter nicht schlecht

Als die Arbeiten dann los gingen, staunte der Projektleiter nicht schlecht: Taucher, die eine Kernbohrung an einem Pfeiler vornehmen wollten, entdeckten jede Menge Weltkriegsüberreste, zu denen auch eine Tellermine zählte, die spektakulär gesprengt werden musste.

„Das darf nicht passieren“, empörte sich Prause damals über die Spezialfirma und ließ von den Juristen des Amts prüfen, ob das Unternehmen in Regress genommen werden kann. Jetzt steht fest: Es wäre „vergebene Liebesmühe“, Rechtsanwälte oder gar Gerichte damit zu beschäftigen, bedauert der Projektleiter. Die Arbeiten seien dokumentiert, „die Kampfmittelfreiheit immer eine Momentaufnahme“.

Auch für die erste Panne muss der Steuerzahler blechen

Wie viel die zweimalige Kampfmittelbeseitigung letztlich kostet, will Prause demnächst zusammenrechnen. Es ist dann die zweite Panne, für die der Steuerzahler aufkommt. Wie berichtet, musste auch bei der Zufahrt zur Behelfsbrücke gehörig nachgebessert werden, weil sie zu eng angelegt worden war. Lastwagen und Busse kamen nicht um die Kurve.

Im März 2018 wurde die Behelfsbrücke zur Lachnummer, als die langen Busse aufgrund der engen Kurve nicht drauf kamen. 

Ende Juli 2018 wurde ein Tellermine gesprengt, tags darauf suchten Taucher nach einer Handgranate. 

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