VonElke Robertschließen
Eine Lösung wegen der 25 fehlenden Kitaplätze in Schongau scheint gefunden. In den Kindergärten Regenbogen und Luftballon sollen Notgruppen eingerichtet werden.
Schongau – Die Situation an den Schongauer Kindergärten ist heuer extrem schwierig. Dass gleich 25 Kinder mehr angemeldet wurden, als Plätze zur Verfügung stehen, darüber wurde der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung bereits am 4. Juni informiert (wir berichteten). Bereits damals wurde versprochen, dass seitens der Stadt alle Hebel in Bewegung gesetzt würden, um gemeinsam mit dem Landratsamt eine Lösung zu finden, damit alle 164 in Schongau angemeldeten Kinder für einen Kindergarten oder die Krippe einen Platz bekommen.
Hände nicht in den Schoß gelegt
„Wir haben nicht die Hände in den Schoß gelegt“, machte Geschäftsleiterin Bettina Schade deutlich und präsentierte im Stadtrat auch gleich eine praktikable Lösung: Die Fachaufsicht für Kindertageseinrichtungen des Landkreises hat neben der befristeten Betriebserlaubnis für eine Krippengruppe im Mehrzweckraum des Kindergartens Regenbogen eine zweite befristete Betriebserlaubnis erteilt. Eingerichtet wird eine zusätzliche Kindergartengruppe in den Räumen an der Benefiziumstraße, eine Außenstelle des Kindergartens Luftballon. Der Kindergarten an der Benefiziumstraße war geschlossen worden, weil er alt und sanierungsbedürftig ist, die Kinder zogen im Herbst 2017 – teilweise unter Elternprotest – in das neue „Haus für Kinder“ um. Rund 30 000 Euro muss die Stadt jetzt investieren, hauptsächlich für einen Schlaf- und Wickelbereich in der Krippe. Außerdem wird ein pädagogisches Konzept erstellt und Personal gesucht. Vier zusätzliche Erzieher bzw. Kinderpfleger sollen für Entlastung sorgen. Schade: „Wir werden unser Bestes geben, diese Stellen auch besetzen zu können, es gibt keine Denkverbote an dieser Stelle.“
Auskunft auf CSU-Antrag
Auf Antrag der CSU-Fraktion gab es in der jüngsten Stadtratssitzung einen Überblick über die Ist-Situation in den Schongauer Einrichtungen und einen Blick in die Zukunft. „Wir beschäftigen uns schon seit geraumer Zeit mit dem Thema“, betonte Bürgermeister Falk Sluyterman. Bereits 2014 hatte der Stadtrat eine Untersuchung zur Wirtschaftlichkeit von Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen am Kindergarten Regenbogen an der Bahnhofstraße vorgestellt. Nachdem 2016 das Haus für Kinder beschlossen wurde, wurde zeitgleich beschlossen, eine Gruppe des damals dreigruppigen Kindergartens Regenbogen aufzulösen und die Räume zu sanieren, was mittlerweile auch zum Großteil geschehen ist. Nur die angedachte Fassadensanierung werde nun erst einmal zurückgestellt.
Übergangsgruppen sind befristet
Die Übergangsgruppen sind auf zwei Jahre befristet. „Eine Notlösung kann keine Dauerlösung sein“, so der Hinweis Kornelia Funkes (CSU). Man brauche verlässliche Zahlen. Funke: „Wir wollen für alle Kinder die gleichen Voraussetzungen.“ Sie schlug wie Fraktionskollege Helmut Hunger eine Bedarfsanalyse vor. Diese werde vom Landratsamt erstellt, die Ergebnisse sollen in Kürze präsentiert werden, so Schade. „Wir sollten die Erwartungen an so eine Bedarfsanalyse nicht zu hoch hängen, da reicht eine Entscheidung in der Politik, und dann stimmt sie schon nicht mehr“, mahnte Gregor Schuppe (ALS). Ähnlicher Meinung war auch Bürgermeister Falk Sluyterman: „Eine Bedarfsstudie ist ein bisschen wie in die Glaskugel schauen.“
SPD-Sprecherin Ilona Böse zeigte sich froh darüber, dass die Stadt einen räumlichen Puffer bieten könne, ärgerte sich jedoch: „Der Staat hat uns das Ei gelegt mit der Möglichkeit, die Kinder für ein Jahr von der Schule zurückstellen zu können, und wir müssen das jetzt ausbaden.“ Sie sei froh, dass man dennoch reagieren könne. Was das Personal angehe, hätten aber alle Gemeinden das gleiche Problem. „Für die Zukunft sollten wir uns überlegen, welches pädagogische Angebot wir machen, um als Stadt auch attraktiv zu bleiben“, so Böses Wunsch. Marianne Porsche-Rohrer (CSU) schlug einen Kneipp-Kindergarten vor, Bettina Buresch (ALS) wünschte sich einen Waldkindergarten. Aus Sicherheitsgründen war Sluyterman von diesem Vorschlag gar nicht begeistert („die Unwetter werden immer mehr“) und verwies auf die interkommunale Zusammenarbeit. In Peiting gebe es ja einen Waldkindergarten.
Einstimmig beschloss der Stadtrat alle Schritte für die Interimsgruppe. Für weitere Entscheidungen wolle man zunächst die Zahlen des Landratsamtes abwarten.
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