VonJörg von Rohlandschließen
Eine „höhere betriebliche Qualität“ will die Bayerische Regiobahn (BRB) ab 2022 ihren Fahrgästen auch auf der Strecke Weilheim-Schongau bieten. Ermöglichen sollen das insgesamt 41 sogenannte Coradia Lint Regionalzüge, die der BRB-Mutterkonzern Transdev bei dem Hersteller Alstom geordert hat.
Schongau – Die Züge, die im Dienst der BRB auf den Strecken von Augsburg nach Weilheim, Schongau, Ingolstadt, Eichstätt und Langenneufnach eingesetzt werden, haben einen Wert von rund 150 Millionen Euro.
Nach Angaben von BRB-Sprecher Christopher Raabe werden die Fahrzeuge nach der neuesten sogenannten TSI PR Norm gefertigt. „Sie bieten mobilitätseingeschränkten Fahrgästen die allergrößten Vorzüge hinsichtlich Qualität und Funktionalität“, erklärt der Sprecher. Als Beispiele nennt er geräumige Toiletten, viel Platz für Rollstuhlfahrer und deren Begleiter sowie ein Türsignal im Zug beim Öffnen und Schließen der Türen.
Die Passagiere müssen weder Kälte noch Hitze fürchten: Die Anlagen zur Klimatisierung der Züge werden ebenfalls auf dem neuesten Stand sein, heißt es.
Neue Dieselmotoren umweltfreundlicher
Am Dieselantrieb ändert sich derweil nichts, „jedoch verfügen die neuen Fahrzeuge über umweltfreundlichere Motoren, die AdBlue verwenden“, erläutert der BRB-Sprecher. Die Motoren würden so insgesamt umweltfreundlicher, der Stickoxidausstoßes gehe um bis zu 90 Prozent zurück. Und das bei steigender Höchstgeschwindigkeit. Zurzeit bringen es die BRB-Züge auf maximal 120 Stundenkilometer, in Zukunft sind sie mit bis 140 Sachen unterwegs. Auf der kurvenreichen Pfaffenwinkelbahn mit mehreren unbeschrankten Bahnübergängen dürfte das aber ohnehin kein Thema sein.
Nur noch 125 statt 140 Plätze
Ein kleines Manko der neuen Züge ist das Platzangebot. Laut BRB sind es in Zukunft nur 125 statt heute 140 Plätze. „Allerdings erfüllen wir hiermit natürlich die Anforderungen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft und Vorgaben der Eisenbahnsicherheit“, betont Raabe. Sitzplätze in den Einstiegsbereichen sowie im Durchgangsbereich bei den Toiletten sind demnach nicht mehr erlaubt.
Einher „mit der etwas geringeren Anzahl an Sitzplätzen“ geht laut Raabe jedoch eine Steigerung des Komfortniveaus. „Die Fahrgäste werden sich über mehr Beinfreiheit freuen“, meint er. An den vis-à-vis-Plätzen wird es obendrein Steckdosen geben. Zudem werden mehr Gepäckablagen geboten – sowohl über den Sitzen als auch in Form von „Gepäckracks“.
Schwarzfahrer haben es in Zukunft schwerer
Schwarzfahrer werden es in Zukunft schwer haben, sich aus der Affäre zu ziehen. Wie berichtet, werden die neuen Fahrzeuge keine „fahrenden“ Automaten mehr an Bord haben. Mit dem Angebot habe man „gemischte Erfahrungen“ gemacht, drückt es Raabe vorsichtig aus. Die Anzahl von „Graufahrern“ an Bord, also Fahrgästen, die sich erst spontan ein Ticket kaufen, wenn sie den Kundenbetreuer erblicken, „war und ist zu hoch“, macht der Sprecher klar. Deswegen habe sich die BRB entschieden, diesen Service nicht mehr anzubieten.
Die stationären Automaten bieten Raabe zufolge ohnehin viele Vorteile gegenüber den fahrenden im Zug: Eine Kartenzahlung werde ermöglicht, der Verkauf eines umfassenderen Sortiments wie weitere Verkehrsverbünde und Fernverkehr sei in der Planung, blickt der Sprecher voraus.
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