VonChristoph Petersschließen
Eltern können sich freuen: Ab dem 1. April müssen sie deutlich weniger für die Betreuung ihres Nachwuchses im Kindergarten zahlen. Während es für Eltern günstiger wird, rechnen die Gemeinden mit steigenden Personalkosten.
Peiting/Schongau – 100 Euro beträgt der Zuschuss, den der Freistaat künftig monatlich auch für Kinder im ersten und zweiten Kindergartenjahr gewährt. Bislang galt die Regelung nur für das dritte Kindergartenjahr.
Mit der Verabschiedung des Doppelhaushaltes durch den Bayerischen Landtag sei auch die weitgehende Beitragsfreiheit bei der Kinderbetreuung beschlossen, teilt Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Landtag, in einer Pressemitteilung mit. Bereits im Dezember hatte sich das Kabinett auf diesen Schritt geeinigt und war damit einer Kernforderung der Freien Wähler gefolgt. Die Einführung soll zum 1. April stattfinden. „Damit das reibungslos funktioniert, werden Kommunen und Träger der Kindertageseinrichtungen über die Gesetzesänderung informiert“, so Streibl.
Auf das offizielle Schreiben der Regierung wartet man in Peiting und Schongau noch. Dass es zu Problemen bei der Umsetzung kommt, damit rechnen trotz des sportlichen Zeitplans weder Peitings Kämmerer Christian Hollrieder noch Schongaus Geschäftsleiterin Bettina Schade. Schließlich laufe die Abwicklung des Zuschusses zwischen Kommunen und Freistaat analog zur bereits bestehenden Regelung für das dritte Kindergartenjahr, so Hollrieder.
Aufwand kommt auf die Gemeinden dennoch zu. Denn um die Eltern über ihre künftigen Kosten zu informieren, müssen ab April neue Gebührenscheide verschickt werden. Aus Verwaltungssicht wäre es deshalb einfacher gewesen, wenn man für die Änderung das neue Kindergartenjahr im September abgewartet hätte, sagt Hollrieder. „Aber wir müssen es nehmen, wie es kommt. Für die Eltern ist es eine super Sache.“
Und auch die Gemeinden profitieren finanziell zu einem gewissen Teil. Denn der Freistaat gewährt den Zuschuss laut Hollrieder unabhängig davon, ob er die tatsächlichen Betreuungskosten übersteigt. Zahlen beispielsweise Eltern für ihr Kind nur 92 Euro, wie es in Peiting bei einer Betreuungszeit von vier Stunden der Fall ist, verbleiben die restlichen acht Euro bei der Gemeinde. In den meisten Fällen freilich dürften die Elternbeiträge darüber liegen.
Allerdings: An anderer Stelle könnten die Kosten für die Gemeinden in Zukunft steigen. Sowohl in Peiting als auch in Schongau rechnet man zwar nicht damit, dass mehr Kindergartenplätze benötigt werden. Eltern allerdings könnten die Ersparnis dazu nutzen, ihr Kind künftig länger betreuen zu lassen. Das wiederum würde zu einem höheren Bedarf an Personal führen, um die längeren Buchungszeiten abdecken zu können, sagt Schade. Hier müsse man die Entwicklung abwarten.
Größer dürften die Auswirkungen sein, sollte wie geplant ab 2020 auch der Krippenbesuch mit 100 Euro monatlich bezuschusst werden, vermutet Hollrieder. Da die Kosten für die Betreuung in dem Fall viel höher liegen, könnte der Zuschuss die Nachfrage nach Krippenplätzen bei jenen befeuern, die sonst aus finanziellen Gründen von einer Buchung absehen würden.
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