VonElke Robertschließen
Mit dem letzten unsichtbaren Vorhang am Samstag endete die zehnte Vorstellung des Henkerstochter-Festpiels. Rund 7000 Karten wurden verkauft, inklusive Generalprobe sahen 8000 Zuschauer das Stück. Die Bilanz fällt auf allen Seiten positiv aus – auch die Zusammenarbeit Theaterverein Treibhaus und Schongauer Sommer soll fortgeführt werden.
Schongau – Die Kirchturmkuppel ist nur noch ein mageres Holzgerippe, der Malenstein sieht ohne seine Runen-Plane ebenso nackt aus. Kuppel und Fels kommen in den Holzschredder und werden im Altenstadter Heizkraftwerk wiederverwertet. „Wir haben noch große Kulissenteile von der Henkerstochter 2016 eingelagert und nie wieder gebraucht“, so Max Diegruber vom Technik-Team. „Jetzt haben wir entschieden: Das Aufheben ist zu teuer und zu aufwendig, und am Ende wollen sie es doch wieder neu.“ Lediglich das Holzkreuz der so wunderbaren Anfangsszene von „Die Henkerstochter und das Spiel des Todes“ ist noch fest am Boden verankert. Um den rund eine Tonne schweren Betonsockel abzutransportieren, braucht Diegruber auch ganz schweres Gerät.
Zehn Aufführungen und Probenmarathon
Nach zehn Aufführungen und einem wahren Probenmarathon blicken die Mitglieder des Theatervereins Treibhaus und des Vereins Schongauer Sommer auf ereignisreiche Tage zurück. „Es ist absolut unglaublich, echt cool, dass das so gut angekommen ist“, ist Maximilian Geiger überwältigt vom Erfolg. Er konnte sich als Autor, Regisseur, Darsteller und Bühnenbildner gleich auf mehreren Ebenen einen verdienten Applaus abholen. Sein persönlicher Lob geht vor allem in Richtung der Darsteller: „Ich hätte keine bessere Truppe haben können“, so Geiger. „Im Vergleich zu 2016 haben die Darsteller einen deutlichen Sprung gemacht, sind noch mal viel routinierter und erfahrener geworden – das hat man gemerkt.“
Rund 135 Darsteller, Statisten, Sänger und Musiker
Neun Hauptdarsteller, 75 Schauspieler und Statisten, 20 Sänger und 30 Musiker – begeistert war Geiger vor allem von Hansi Daxer. „Das war der Hammer mit diesem Dirigenten – er hat für die Henkerstochter extra alles andere sausen lassen.“ Für das Festspiel hatte sich diesmal eigens ein Chor und ein Orchester zusammengefunden, zusammengetrommelt von der Koordinatorin Carolin Nuscheler aus Altenstadt.
Eine kurze Pause hat sich Geiger nun verdient, dann geht es an die Auswertung der Fragebögen, die Rückläufer aus einer Umfrage bei allen Zuschauern. Auch ein „Nach-Treffen“ mit allen Mitwirkenden ist geplant. „Die Schauspieler bekommen auf der Bühne Applaus, aber da sind viele, denen noch gedankt werden muss, die sonst nicht zu sehen sind, wie etwa die Kostümdamen.“
Geigers Dank geht auch an Kostümdamen und Manfred Wodarczyk
Geigers spezieller Dank geht an Manfred Wodarczyk vom Schongauer Sommer, mit dem der Theaterverein Treibhaus das Festspiel in Kooperation hochgezogen hatte. Dieser gibt das Lob zurück, auch wenn die Organisatoren zu Beginn des Festspiels nicht so gewürdigt worden seien, wie er kritisch anmerkt. Aber das ist bestimmt bald vergessen: Geht es nach Wodarczyk, könne man gerne weitere Kooperationen anvisieren. „Das Theater Treibhaus hat einen tollen Namen, es ist ein tolles Team mit tollen Darstellern, wir wollen im Herbst mal zusammensitzen.“
Wodarczyk hat auch schon ein paar Ideen im Hinterkopf. Für 2022 könnte er sich zum Beispiel „eine Hexe“ vorstellen, der Hamburger Verlag, der die Rechte an der Rosendorfer-Hexe hat, habe sich bereits mit ihm in Verbindung gesetzt. Allerdings wünscht sich Wodarczyk eine etwas andere Umsetzung des Stücks, möchte eher die Person der Agnes Weiß herausstellen, die Hexenprozesse in den Hintergrund rücken. Auch andere regionale Stoffe wie die Moorleiche Rosalinde könne er sich gut vorstellen, aber das ist alles Zukunftsmusik, offizielle Gespräche gab es diesbezüglich noch keine.
Festspiel für Schongau ein Gewinn
Für Schongau sei das Festspiel ein Gewinn, ist Wodarczyk überzeugt, und zwar sowohl für die Stadt als auch für den Tourismus. Bis aus Amerika, Australien, Südfrankreich und England seien Besucher da gewesen, beide Vereinsseiten seien im Internet gut besucht gewesen. Nur der ein oder andere Schongauer hatte wohl das Nachsehen, weil er zu lange zögerte, sich eine Karte zu kaufen, schmunzelt Wodarczyk.
Und was hat Maximilian Geiger vor? „Ich warte erst einmal den 8. Band der Henkerstochter ab, den Oliver Pötzsch gerade schreibt, mal sehen, wie viel von Schongau darin vorkommt.“ Auch ein eigenes Stück zu inszenieren, kann er sich vorstellen, aber das sei „ein großer Wunsch, und kein Plan“.
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