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Luitgard Dirrigl und Magdalena Baumann sind mutig: Sie tauschen für eine Woche ihren Arbeitsplatz in Bad Tölz mit einem in Edinburgh in Schottland. Das Fernsehen begleitet sie dabei.
Bad Tölz – Ihren Arbeitsplatz in Bad Tölz hat Luitgard Dirrigl für eine Woche gegen eine Stelle im schottischen Edinburgh eingetauscht. Die 67-jährige Schneiderin aus Hausham, die im Geschäft „Hut und Tracht“ an der Marktstraße arbeitet, nimmt zusammen mit ihrer Kollegin Magdalena Baumann (22) an der Fernsehsendung „Mein Job, Dein Job“ teil.
Die beiden Frauen – übrigens die jüngste und älteste Schneiderin im Team – reisten am Montagabend ab. Dass es nach Schottland gehen würde, wussten sie bis kurz vor Abflug nicht. Im Gegenzug nimmt ihr Chef Bernhard Redel ab diesem Mittwoch in der Zentrale seines Trachtenhauses in Feldkirchen-Westerham (Kreis Rosenheim) nun zwei Kollegen aus Schottland auf.
„Es wurde gesagt, es werden zwei Schneiderinnen gebraucht“, sagt Dirrigl. „Ich habe vielleicht eine halbe Stunde nachgedacht, dann aber gleich Ja gesagt.“ So etwas habe sie als Dienstälteste im Geschäft noch nie erleben können, „und das werde ich auch nicht mehr erleben“, sagt sie lachend. „Die Chance nehme ich wahr.“
Für das TV-Format „Mein Job, Dein Job“ schickte das Bayerische Fernsehen in der Vergangenheit schon niederbayerische Lehrerinnen nach Namibia, schwäbische Töpfer nach Peru und oberbayerische Würstelverkäufer in die USA, um auf unterhaltsame Art Unterschiede in der jeweiligen Arbeitswelt zu illustrieren. „Jetzt ist der BR auf uns zugekommen, ob wir uns vorstellen können mitzumachen“, berichtet Firmenchef Bernhard Redel, der neben dem Westerhamer Trachtenhaus „Da Rädl“ je eine Filiale „Hut und Tracht“ in Bad Tölz und Holzkirchen betreibt. Anfangs habe er sich schon überlegt, ob sein Unternehmen zwei Schneiderinnen entbehren könne und ob sich der Aufwand lohnt. „Aber jetzt sind wir gerne dabei.“ Die Teilnahme an der TV-Show sei schließlich zum einen eine gute Werbung, zum anderen ein Abenteuer, für das man im Leben nur einmal eine Chance bekomme. Dass das Trachtengeschäft unter zwei möglichen Kandidaten ausgewählt wurde, erfuhr Redel erst vor zwei Wochen.
Die Herausforderung sei schon groß, sagt Luitgard Dirrigl, die normalerweise in Bad Tölz im Verkauf tätig ist und kurzfristige letzte Änderungen an Dirndln einarbeitet. Ihre Kollegin Baumann aus Bad Aibling arbeitet in der eigenen Fertigung von Redel in Westerham.
Ein Filmteam begleitete die beiden Frauen am Montagvormittag im Geschäft in Feldkirchen-Westerham und zeigte die Vorbereitungen. „Wir wussten ja beim Packen nicht, wohin. Also habe ich alles eingepackt, für warmes und kaltes Klima.“ Ein wenig nervös sei sie schon, so die 67-Jährige. „Und meiner Kollegin geht es genauso.“ Lange im Flugzeug sei sie noch nie gesessen. Zum Zeitpunkt des Telefonats wusste sie nicht, wohin es gehen würde: „Es ist egal wohin, wir machen immer eine Gaudi. Jetzt sitzen wir drin in dem Boot.“
Sie erwartet, dass sie an ihrem Zielort ähnliche Aufgaben bekommen wird wie in ihrer Heimat. „Ich habe mir frühere Sendungen angesehen. Es kann schon sein, dass wir auch ein bisschen was anderes machen müssen.“ Auf jeden Fall sei die Vorgabe gewesen, dass sie und Baumann im Dirndl antreten.
Während sich die Frauen nun in Edinburgh bewähren müssen, hat sich Bernhard Redel für die Austauschkräfte, die er bekommt, Aufgaben ausgedacht. „Einer von beiden wird einen Rock fertigen – von der Stoffauswahl bis zum fertigen Rock“, sagt er. „Der oder die andere bekommt ein Dirndlgwand, das noch angepasst werden muss.“ Eine Meisterin aus seinem Team wird die Gäste unterstützen. Redel ist schon gespannt, wie sich sie „Gastarbeiter“ schlagen. „Das sind ganz bestimmt gute Handwerker. Aber ich weiß nicht, ob sie dieselbe Art von Nähmaschinen gewöhnt sind. Auf alle Fälle kommt es bei uns auf große Präzision an, alles muss perfekt sitzen.“
Zum Abschluss will Redel den Besuchern dann noch ein Stück bayerische Lebensart vermitteln: bei einem Ausflug auf die Speckalm am Sudelfeld. „Da feiern wir dann zusammen einen schönen Hüttenabend.“ Der Unternehmer selbst spielt Tuba, einer seiner Angestellten die Ziach. Schon der Weg zur Alm wird ein Abenteuer: „Wir werden mit der Schneeraupe hochfahren, denn um diese Zeit geht ja kein Lift mehr“, kündigt der Gastgeber an, der seine Kurzzeitmitarbeiter bei sich zu Hause einquartiert.
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Rainer Lengl aus Gaißach ist eigentlich schon seit acht Jahren im Ruhestand – doch für seinen Beruf ist er noch viel im Einsatz. Der 75-jährige Holztechniker ist für den „Senior Experten Service“ (SES) weltweit unterwegs.
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