VonChristian Fellnerschließen
GaPa Tourismus wirbt vor dem EM-Basecamp in Edinburgh und Glasgow an Flughäfen und Bushaltestellen. Ob das viele schottische Fans in die Marktgemeinde lockt, ist noch nicht abzusehen.
Garmisch-Partenkirchen – Wie begeistert man schottische Fußballfans für einen Trip nach Garmisch-Partenkirchen während der Europameisterschaft im Juni und Juli? Eine Frage, die sich die Touristiker am Fuße der Alpspitze schnell gestellt haben, nachdem bekannt wurde, dass die schottische Fußball-Nationalmannschaft während der EM in Garmisch-Partenkirchen wohnt. Hieß es doch, bis zu 100 000 Anhänger würden die „Tartan Terrier“, so der Spitzname der schottischen Nationalelf, zu einem Großereignis in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem europäischen Festland begleiten.
Von diesem Kuchen würde sich gerne auch die Marktgemeinde ein Stück abschneiden. Also startete GaPa Tourismus eine Werbe-Kampagne auf der Insel. Auf Plakaten im Großformat prosten sich unter dem Motto „Scotland meets Bavaria“ sich ein Werdenfelser und ein heimischer Schotte (Andrew Syme) mit einer Maß Bier zu. Fraglich ist derzeit nur, wie viel Erfolg der Aktion beschieden ist, denn in Zahlen ist er bisher schwer messbar (wir berichteten).
Garmisch-Partenkirchen wirbt in Glasgow und Edinburgh um schottische Gäste zur EM: Erfolg der Kampagne noch nicht abzusehen
Walter Rutz sieht das Engagement grundsätzlich als wertvoll an. „Der britische Markt ist für uns ja sowieso interessant, wir haben jetzt schon viele Gäste von den Inseln“, sagt der Geschäftsführer der Tourismus-GmbH. Insofern legt er sein Augenmerk nicht nur auf die EM. „Für uns ist das eine weitere Werbemöglichkeit.“ Gemeinsam mit der Deutschen Zentrale für Tourismus wurde die Kampagne erstellt. Rutz kennt die Köpfe dort seit langer Zeit. „Wir haben bei der Passion viel zusammengearbeitet.“
Mit den Plakaten wird Garmisch-Partenkirchen an den beiden zentralen Flughäfen in Glasgow und Edinburgh vertreten sein, in den Metropolen zudem an vielen Bushaltestellen. Zielgruppe sind laut Experten rund 600 000 fußballbegeisterte Schotten, die Werbeaktion dient aber eben auch als Urlaubsinspiration an sich. Neben der herkömmlichen Methode setzt GaPa Tourismus zudem auf modernere Medien. „Wir schalten auch Social-Media-Anzeigen“, verrät Camila Teichmann, die Expertin für Destinationsentwicklung.
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Hotels in Garmisch-Partenkirchen betonen: Ansturm schottischer Fans bleibt bisher aus
Inwieweit das alles ankommt, lässt sich vier Wochen vor Beginn der EM schwer abschätzen. „Wir tun uns sehr hart, denn die Daten aus den Unterkünften bekommen wir ja immer erst, wenn die Gäste schon wieder weg sind“, sagt Teichmann. Klar ist aber: Bei der Tourist-Info laufen die Telefone bisher nicht heiß mit Anfragen aus Schottland. „Die Menschen buchen aber auch nicht bei uns, sondern direkt in den Unterkünften.“ Selbst Medienkontakte sind bisher rar. „Wir haben drei, vier Anfragen aus Schottland bekommen, auch das ZDF war dabei“, sagt Elisabeth Brück, die Pressesprecherin bei GaPa Tourismus. Mehr nicht. Es bleibt also viel Raum für Spekulation.
Daniel Schimmer geht es da nicht besser. Der Kreischef des Hotel- und Gaststättenverbands kann zwar in erster Linie für das eigene Haus, den Garmischer Hof, sprechen, aber auch aus Kontakten mit Kollegen ist ihm ein großer Ansturm bisher nicht bekannt. Das bestätigt Nico Stelkens, der Direktor des Aja-Hotels im Ort. Sein Haus hatte sich offiziell als Fan-Ressort angeboten, dafür Kontingente freigehalten. „Aber es war keine Nachfrage da“, betont Stelkens. Daher entschied sich die Aja-Gruppe, aus dem Deal wieder auszusteigen.
Bürgermeisterin Koch mahnt zur Geduld: Die schottischen Fans werden schon kommen
Für Schimmer nicht überraschend. Denn im Juni herrscht bereits mächtig touristischer Betrieb in Garmisch-Partenkirchen und in der Region. „Selbst wenn es einen Ansturm gebe, sind wir in dieser Zeit schon sehr voll.“ Heißt im Umkehrschluss: So einfach wäre es speziell in den Hotels gar nicht, noch freie Kapazitäten zu finden. „Der Verkauf für Juni ist zumindest bei uns richtig gut.“ Eine Anfrage der bayerischen Polizei hatte er tatsächlich, die für den Schutz der schottischen Gäste zuständig sein wird. Er musste sie abweisen.
Schimmer befürchtet, dass die Hoffnung auf eine Fan-Invasion wohl eine solche bleibt. „Ich denke, dass es viel weniger werden als die Zahlen, die zu Beginn im Umlauf waren.“ Dazu weiß Tourismusdirektor Rutz, dass offenbar auch in Schottland darauf hingearbeitet wird, den eigenen Anhang eher vom Basecamp fernzuhalten, damit das Team die größtmögliche Ruhe in den Turnierwochen genießen kann.
Was auch immer im Juni im Ort passiert, Schimmer findet das zusätzliche Engagement von GaPa Tourismus mit Blick auf Wanderungen und Führungen sehr positiv. „Ein paar mehr Angebote in englischer Sprache schaden uns als Ort sowieso nicht.“ Und Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) mahnt zur Geduld: „Die Fans werden schon kommen, und zur Not eben als Tagesgäste aus München. Ich sehe das nicht so negativ.“
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