VonFelicitas Bognerschließen
Die Tölzer Berufsoberschulen initiierten erneut eine große DKMS-Typisierungsaktion. Bisher konnten durch ihren Einsatz 13 Menschenleben gerettet werden. Ein Spender berichtete über seine Erfahrung.
Bad Tölz – Als Stammzellspender kann man Leben retten. Dass das nicht nur eine Floskel ist, haben Schüler der Beruflichen Oberschule Bad Tölz bereits unter Beweis gestellt. Bei zwei an der Schule durchgeführten Typisierungsaktionen für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) konnten 13 der Registrierten mit einer Stammzellenspende bereits ein Menschenleben retten. Nun organisierte die FOS/BOS – initiiert von Lehrer Holger Macht und der Schülersprecherin Magdalena Sterzer – zum dritten Mal eine Typisierungsaktion. Dafür erhielt die Schule von der DKMS ein Siegel, welches Schulleiter Andreas Stefan entgegennahm.
Aus den vergangenen zwei Typisierungsaktionen 13 Spender hervorgegangen
Holger Macht ist bereits seit 1991 in der Sammeldatei registriert. Dem Beratungslehrer sei es ein „Herzensanliegen“, sich an der Schule für das Thema stark zu machen. Nicht ohne Erfolg: Bei den Vorträgen gab es mehr Interessierte als Plätze in der Aula. Die DKMS-Helferin Melanie Reisach klärte mit dem Tölzer Spender Nathanael Achenbach über Leukämie und den Ablauf einer Spende auf. „Die Nachfrage ist sehr groß, wir haben heuer diejenigen Schüler bevorzugt, die nächstes Jahr nicht mehr an der Schule sind“, sagt Macht.
Kampf gegen Blutkrebs: FOS/BOS Bad Tölz bekommt DKMS-Siegel
Nach den Vorträgen bestand die Möglichkeit, sich als Stammzellenspender digital zu registrieren. Melanie Reisach brachte das nötige Equipment – die Testsets – mit. So rieben an diesem Vormittag weit über 100 Schüler mit den Wattestäbchen an ihrer Mundschleimhaut, um Menschen mit der Diagnose Leukämie zu helfen. So auch Siwar Ichalaf. „Ich war mir erst unsicher, was alles auf mich zukommen könnte, sollte ich als Spender in Frage kommen“, sagt der 18-Jährige. Die Wahrscheinlichkeit liegt laut Angaben der DKMS bei etwas über einem Prozent. „Durch den Vortrag und den Erfahrungsbericht des Spenders bin ich nun überzeugt und hab’ keine Vorbehalte“, sagt Ichalaf und steckt die Wattestäbchen in die Plastiktüte.
Nicht jeder kann Spender werden - Gesundheitlicher Zustand ausschlaggebend
Nach dem Vortrag kommen viele persönliche Fragen auf. „Kann ich Spenderin werden, obwohl ich Zöliakie habe?“, wollte eine Schülerin in Bezug auf ihre durch Glutenunverträglichkeit verursachte Krankheit wissen. „Für solche Fälle habe ich eine Liste dabei. Hier ist beschrieben, unter welchen gesundheitlichen Voraussetzungen eine Spende ausfällt“, erklärt Reisach und blättert nach der Autoimmunerkrankung. Dass sie sich ehrenamtlich für die DKMS einsetzt, sieht die Lehramtsstudentin als „wichtigen Bildungsauftrag“. Außerdem habe sie bereits im Bekanntenkreis mitbekommen, wie erbarmungslos Blutkrebs zuschlagen kann. „Eine Bekannte ist im Grundschulalter an Leukämie gestorben.“ Die Berührung mit solchen Schicksalen sensibilisiere stark. „Die meisten Freiwilligen sind in irgendeiner Weise von dem Thema betroffen.“
Vor sechs Jahren wurde bei Nathanael Achenbach eine Knochenmarkentnahme durchgeführt. „Vier Jahre nach meiner Registrierung wurde ich von der DKMS kontaktiert, dass ich als möglicher Spender in Frage komme“, berichtet er. Es folgten Blutentnahmen und diverse Untersuchungen. „Ein paar Wochen später stand fest, dass ich genetisch mit jemandem zusammenpasse, der einen Spender sucht.“ Knapp fünf Monate nach der ersten Kontaktaufnahme fand der Eingriff statt. Achenbach gehört zu den 90 Prozent der Fälle, bei denen die periphere Stammzellentnahme zum Einsatz kam. Bei dieser Methode werden die Stammzellen über ein spezielles Verfahren (Apherese) aus dem Blut gewonnen. Zuvor erhielt er fünf Tage ein Medikament, das für eine erhöhte Produktion von Stammzellen und deren Ausschwemmung in die Blutbahn sorgte. „In der Zeit hatte ich grippeähnliche Symptome, die vergingen aber schnell.“ Ansonsten habe die Entnahme bei ihm keine körperlichen Beschwerden verursacht, so der Polizist. Die andere Variante – welche in zehnProzent aller Fälle angewandt wird – geschehe über eine Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm. Das ist nur unter Narkose möglich, so Reisach im Vortrag.
„Manche gewinnen zumindest ein paar Monate oder Jahre.“
Achenbach ist froh, den Schritt gegangen zu sein. „Es war eine prägende und emotionale Lebenserfahrung.“ Leider sei der Patient, der seine Spende erhalten hat – ein 72-Jähriger aus England – ein halbes Jahr später an einem Infekt verstorben. „Wir hatten noch anonymen Briefkontakt, was viel wert war. Es ist spannend zu erfahren, wer sein genetischer Zwilling ist.“ Einige Jahre nach einer Spende besteht laut Reisach die Möglichkeit, zu einem Treffen zwischen Spender und Empfänger – sofern beide ihre Anonymität aufgeben möchten.
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Klar sei allerdings auch, dass nicht jeder Leukämie-Kranke durch eine Spende gerettet werden kann. „Manche gewinnen aber zumindest ein paar Monate oder Jahre.“ Es gab beispielsweise einen Mann, der durch die Spende noch so lange leben konnte, dass er die Geburt seiner Tochter miterlebt hat. „Auch das ist unwahrscheinlich viel wert“, betont Reisach. „Man kann also auch Hoffnung und Zeit spenden.“
Infos
Im Internet: www.dkms.de
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