VonAndreas Mayrschließen
Seit vielen Jahren forsten Studenten der Bundeswehruniversität Neubiberg den Schutzwald in Ettal auf. Ein wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz.
Ettal/Neubiberg – Eigentlich ist es ein Wunder, dass noch nie etwas passiert ist, dort oben in den steilsten Wäldern des Landkreises. Im Estergebirge mussten die Soldaten die Setzlinge einmal mit Seilen herablassen, weil das Gelände zu steil war, um die Pflanzenkisten mit 20, 30 oder 40 Kilogramm hinab zu tragen. Auch bei Dauerregen haben sich ihre Stiefel schon durch den Matsch gegraben. Aber jedes Mal, sagt Frank Faßbender, sind alle heil im Tal angekommen. Seit 29 Jahren kommen die Soldaten der Bundeswehr-Universität Neubiberg in den Landkreis und forsten den Schutzwald auf. In diesem Jahr kraxelten sie durch den Ettaler Klosterwald, Höhe zwischen 1100 und 1300 Metern.
Hochwasserschutz überall ein Thema
Frank Faßbender nimmt einen gerne mit in die Höhen des Ammergebirges. Hinauf in das Reich von Anton Burkhart, dem Toni, wie ihn alle nennen. Er ist Förster der Privatwaldgemeinschaft Oberammergau und des Ettaler Klosterwalds, übersieht grob 2000 Wald. Er sagt: Hochwasserschutz ist mittlerweile für jeden Ort in Deutschland ein Thema. Ignorieren kann niemand mehr den Klimawandel. Toni Burkhart hat für Skeptiker ein paar Anekdoten parat. Mittlerweile baut man Abwasserrohre fast doppelt so dick, weil die alten mit der Menge nicht mehr fertig werden. Außerdem hagele es viel häufiger als früher. In seiner Kindheit, erinnert er sich, habe es vielleicht alle zwei Jahre einmal gescheppert. „Letzte Woche alleine zweimal. Da muss sich etwas verändert haben.“ Um die Gegend um Oberammergau und Ettal wenigstens etwas zu schützen, arbeitet er mit der Bundeswehruniversität zusammen.
Unternehmen gleicht negative CO2-Bilanz aus
Die Bruderschaft besteht seit 1993, damals initiiert von Professor Koch, dem Zuständigen für Umwelttechnik, der ein Projekt für seine Studenten suchte. Sie übernehmen seitdem die Organisation und Planung. Die Setzlinge spendiert die Firma GE Healthcare. Bei 5000 Pflanzen mit einem Preis von je fünf bis acht Euro fällt ein ordentlicher Batzen an. „Das kann man den Studenten nicht zumuten“, sagt Frank Faßbender. Das Unternehmen, das Einweg-Verpackungen verwendet, gleicht damit seine negative CO2-Bilanz aus. „Bezahlt damit praktisch seinen Ablassbrief“, scherzt Faßbender, der Professor für Kraftfahrzeug-Technik in Neubiberg. 15 Jahre leitet er nun schon die Projektgruppe. Seinen Kindern hat er früher eine Schulbefreiung besorgt, weil sie mithelfen wollten. Heute nimmt sich sein Sohn, der bei der Marine in Flensburg stationiert ist, extra eine Woche frei zum Helfen. So machen es viele Alumni. Die Aktion schweißt zusammen, auch weil die Aufforstung zum Schutz vor Hochwasser, Erosion und Lawinen außerhalb der Studienzeit stattfindet. Trotzdem schwänzt keiner. „Alle opfern diese Woche“, lobt Frank Faßbender seine 26 Freiwilligen.
80 Prozent der Setzlinge gehen auf
Er hat daheim noch die alten Luftbilder vom Wank, geschossen aus dem Helikopter. Wenn er heute beim Kartenanbieter Google Earth die Satellitenbilder betrachtet, sieht man den Fortschritt. Etwa 80 Prozent der Setzlinge gehen auf. Funktioniert nur, weil sie mit den Jägern eng zusammen arbeiten und die richtigen Bäume ansetzen. Im Klosterwald zu Ettal setzen die Soldaten auf Mischholz, Tanne, Lerche, Buche, Ahorn, Eberesche und ein bisschen Fichte. Allesamt aus heimischen Baumschulen. Einmal hat sie ein heimischer Betrieb im Stich gelassen. Sie wichen auf norddeutsche Bäume aus, von denen kaum eine überlebte, weil sie das strenge Klima nicht gewohnt waren. „Wir wollen mehr Mischung, stabilere Wälder“, betont Anton Burkhart.
Bundeswehr auch nächstes Jahr wieder dabei
Donnerstag, am Abschlusstag, pflanzten die Studenten mit den Sponsoren die letzten 1200 Pflanzen. Danach feierten sie auf dem Laber. Toni Burkhart ist es wichtig, dass die Gäste in ihrer Woche das Ammertal kennenlernen. Er hat sie mitgenommen zur Passion, sie schlafen im Kloster. „Sie schauen rechts und links über den Teller. Das tut denen gut“, sagt auch Frank Faßbender. Nächstes Jahr kommen sie wieder. Auf den runden Geburtstag freuen sich alle. Wo gepflanzt wird, entscheidet Toni Burkhart. Am Laber, auf dem Wank oder der Großen Laine waren sie schon. „Es geht nach Dringlichkeit“, betont Burkhart. Die Bundeswehr wird helfen, egal wo. Burkhart: „Für uns ist das eine unheimlich schöne Zusammenarbeit.“
