VonJörg von Rohlandschließen
Der Schwabbrucker Samuel Graf tauscht für dreieinhalb Monate seinen Arbeitsplatz bei Hochland gegen einen Knochenjob in der Schweiz. Der Milchtechnologe ist seit ein paar Tagen auf einer Käsealm für die tägliche Produktion verantwortlich. Der 21-Jährige verwirklicht sich damit einen Traum, sagt er.
Schwabbruck – Samuel Graf öffnet den Kühlschrank im Keller seines Elternhauses und präsentiert die neueste Produktion. Zwei wagenradgroße Laiber Tilsiter holt er heraus. Der 21-Jährige hatte sie im April mit frischer Milch vom Bauern aus Huttenried angerührt. Jetzt ist der Schnittkäse fertig gereift, der 21-Jährige schneidet ihn an. Er schmeckt köstlich. „So muss er sein“, sagt der Schwabbrucker und kaut zufrieden auf dem Stück.
Dass der junge Mann aus Schwabbruck auch seine Freizeit dem Käse widmet, ist ein untrügliches Zeichen dafür, wie glücklich der 21-Jährige mit seiner Berufswahl ist. Graf schwärmt in höchsten Tönen von seinem Arbeitgeber in Schongau. Als Schüler schwebte ihm eigentlich ein Metallbauberuf vor, seine Mutter überredete ihn aber zu dem Praktikum bei Hochland. Von dem war Samuel dann so begeistert, dass er nach der Mittleren Reife bei dem Käsehersteller in die Lehre ging. Nach seiner Ausbildung wurde er als Milchtechnologe (ehemals Käser genannt) übernommen. Die Vielseitigkeit und die Eigenverantwortung bei dem Großunternehmen gefallen ihm sehr, sagt er.
Der Chef war anfangs nicht begeistert
Am Ziel seiner Berufskarriere sieht sich der Schwabbrucker derweil noch lange nicht. „Ich will den Meister machen, aber das hat noch Zeit“, sagt er. Die Zeit wird der Schwabbrucker jetzt auch nutzen, um eine ganz neue Erfahrung zu machen. Von einem Mitschüler aus der Molkereischule in Kempten hatte er von der Möglichkeit gehört, eine Saison lang auf einer Käsealm zu arbeiten. Der Mitschüler war in Liechtenstein untergekommen, Samuel Graf bekam ein Angebot aus der Schweiz. Im September fasste der 21-Jährige den Entschluss, es anzunehmen. Sein Chef bei Hochland „war am Anfang nicht sehr begeistert“, erinnert sich Graf. Letztlich genehmigter er ihm aber den unbezahlten Urlaub. Der Weg auf die Alm war frei.
Tief in den Schweizer Alpen auf der Musenalm (1700 Meter) hat der junge Mann jetzt reichlich Arbeit. Eigentlich wollte er nur als Zusenn anpacken, berichtet Graf. „Aber die meinten, das bekomme ich schon hin“, sagt der 21-Jährige, der nun als Haupt-Senn für die Käseproduktion verantwortlich sein wird. Rund 20 Laiber werden pro Tag hergestellt, vor allem sind das Emmentaler und Schnittkäse. Dazu kommen noch Butter und Weichkäse. Langweilig wird es Graf dabei bestimmt nicht: Der Arbeitstag beginnt für ihn um 5 Uhr morgens, die Füße hochlegen kann er frühestens um 18 Uhr. „Und im Regelfall wird sieben Tage die Woche gearbeitet“, weiß Samuel.
Auf der Alm sind sie zu viert
Und trotzdem freute sich der 21-Jährige vor seiner Abreise riesig auf alles, was er von den Sennern lernen wird. „Ich bin wahnsinnig froh, dass ich der einzige Neue auf der Alm bin“, blickte er voraus. Mit Graf sind sie auf der Alm zu viert: Der Besitzer und seine Frau sowie eine Zusennerin, die dem Schwabbrucker zuarbeitet und ihn auch vertritt. Neben der Käseherstellung haben die Senner in der Almsaison, die von Juni bis September dauert, auch noch etliche andere Aufgaben zu bewältigen. Die Kühe müssen versorgt und gemolken werden. Und um den Stall mit den Ferkeln muss sich auch noch jemand kümmern. Die Schweine bekommen auf der Alm die bei der Käseherstellung anfallende Molke zu fressen und werden so gemästet. „Das ist eine Win-Win-Situation“, beschreibt es der Schwabbrucker. Aus den Ferkeln werden ausgewachsene Säue, die bis zu 120 Kilogramm auf die Waage bringen. „Am Ende der Saison kommen sie dann zum Schlachter.“
Abschied mit zwei Laibern Tilsiter
Am 3. Juni hatte für den Schwabbrucker nun das Abenteuer in der Schweiz begonnen, „und das Mutterherz blutet schon ein bisschen“, so Doris Graf. „Aber das Vierteljahr ist ja schnell vorbei.“ Auch Samuels Freundin, die derzeit noch für die Mittlere Reife büffelt, muss sich für eine Zeit lang von ihrem Freund verabschieden, bevor sie ihn in der Schweiz besucht. Der SpVgg Schwabbruck-Schwabsoien fehlt obendrein der rechte Verteidiger. Der hat sich von allen gebührend verabschiedet. Mit den zwei Laibern Tilsitern, die genüsslich verspeist wurden.
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