VonAndreas Daschnerschließen
Thomas Steinhardtschließen
In Osteuropa geht die Afrikanische Schweinepest (ASP) um. Bayern und damit auch der Landkreis Fürstenfeldbruck rüsten sich für den Fall, dass die Tierseuche herüberschwappt. Unter anderem werden Verwahrboxen für tote Tiere in Olching und Jesenwang aufgestellt.
Jesenwang/Fürstenfeldbruck – Für den Menschen ist die ASP ungefährlich. Für die Schweine jedoch ist sie hochansteckend mit oft tödlichem Verlauf. Das Risiko, dass die Schweinepest auch nach Bayern schwappt, wird mittlerweile als hoch eingestuft, erklärte Hans Werner Merk vom Kreis-Veterinäramt am Donnerstag auf Nachfrage. Es besteht die Gefahr, dass das Virus auch auf Hausschweine übergreift und diese dann gekeult werden müssten.
Ein Rahmenplan des Umweltministeriums enthalte Anleitungen für Behörden, wie der Gefahr zu begegnen ist, erklärte Merk. Es geht unter anderem um Prävention, Früherkennung und Information. Die Verwahrstellen seien nur ein Punkt. Merk: „Wir bereiten uns vor, weil es sehr schnell gehen könnte.“ So würden im Hintergrund auch bereits Schilder gedruckt, um im Notfall sofort Warnungen aussprechen zu können.
Welchen Sinn nun aber haben die Verwahrstellen? Falls verendete Wildschweine im Wald gefunden werden, sollen sie dort in Containern beziehungsweise Boxen abgelegt und weiter zur Entsorgung gebracht werden – wobei am Anfang eines denkbaren Seuchenausbruchs die Behörde betroffene Tiere von der Fundstelle selbst abholen würde. Die Verwahrstellen seien bei Ausbruch erst der zweite Schritt, sagte Merk. Sie müssen umzäunt sein. Vorteil: An der Bauschuttdeponie in Jesenwang gibt es bereits einen Zaun, ebenso an der Müllverbrennungsanlage in Olching-Geiselbullach.
Der Notfallplan sorgt nun aber für Verunsicherung bei Jägern. Das wurde jetzt im Gemeinderat in Jesenwang deutlich, wo das Thema zur Sprache kam – wegen des Baurechts. Denn die Deponie liegt im Außenbereich und deshalb sei eine Genehmigung nötig, hieß es. „Warum muss die Verwahrstelle ausgerechnet nach Jesenwang mitten in unsere Jagd?“, schimpfte in der Sitzung der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft, Anton Herele. Er befürchtet, dass ASP-infizierte Schweine von weiter weg nach Jesenwang transportiert würden und damit auch die hiesigen Bauern betroffen sein könnten.
Stefan Klaus von der Jagdgenossenschaft ergänzte: „Wir haben in Hattenhofen und Malching zwei große Schweinemäster, die dann alle ihre Tiere keulen müssten.“ Überhaupt findet Klaus den Informationsfluss durch das Veterinäramt „unverschämt“. Und auch Herele beklagte, dass nicht mit den Jägern über die Pläne gesprochen wurde.
Bürgermeister Erwin Fraunhofer (CSU) versuchte, die Wogen zu glätten. Zum einen seien das keine riesigen Verwahrstellen, sondern lediglich Container für ein oder maximal zwei Tiere. Zum anderen würden betroffene Wildschweine ohnehin gleich an weiterführende Stellen außerhalb des Landkreises gebracht. Verdachtsfälle dürften auch nicht einfach nach Jesenwang gebracht, sondern müssten zuvor beim Veterinäramt angemeldet werden. Laut Herele sei aber nicht gleich erkennbar, dass ein Schwein infiziert ist.
Der Gemeinderat vertagte das Thema. Er möchte für die nächste öffentliche Sitzung am 17. Oktober einen Vertreter des Amts einladen. „Dann können wir immer noch schauen, ob wir den Bauantrag genehmigen oder ablehnen“, sagte Fraunhofer.
Veterinär unterstreicht Zeitdruck
Hans Werner Merk vom Veterinäramt tritt den Sorgen entgegen. Die 15-Kilometer-Schutz-Zone – sie würde um den Fundort eines befallenen Tieres herum errichtet; aus ihr dürften keine Hausschweine verbracht werden – würde bei den Maßnahmen und dem Standort der Verwahrstellen nicht überschritten. Im Bedarfsfall solle in Fürstenfeldbruck außerdem auf kreiseigenem Areal eine dritte Box aufgestellt werden. Betroffene Tiere würden sicher transportiert. In Jesenwang gebe es außerdem überhaupt keine Schweinehalter, so der Chef des Veterinäramts, der betont, alle Halter angeschrieben zu haben.
„Das Problem ist, dass die Maßnahmen im Ernstfall sehr schnell loslaufen müssten. Daher bereiten wir uns vor.“ Jetzt sei freilich noch Zeit zum Reden. „Wenn wirklich gehandelt werden muss, wird nicht mehr diskutiert.“
Der Rahmenplan
ist auf der Internet-Seite des bayerischen Umweltministeriums (Such-Stichwort ASP) abrufbar.
Die Seuche
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine Tierseuche, von der Haus- und Wildschweine betroffen sind. In den afrikanischen Ursprungsländern übertragen Lederzecken das Virus der ASP. Diese spielen in Mitteleuropa nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts keine Rolle. Wie das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit mitteilt, erfolgt eine Übertragung hier durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, die Aufnahme von Speiseabfällen oder Schweinefleischerzeugnissen oder anderen indirekte Übertragungswegen wie Fahrzeuge, kontaminierte Ausrüstungsgegenstände, landwirtschaftliche Geräte und Kleidung. Der Kontakt mit Blut ist der effizienteste Übertragungsweg. Nach einer Infektion entwickeln die Tiere sehr schwere, aber unspezifische Allgemeinsymptome. Die ASP ist für den Menschen ungefährlich

