- VonChristof Schnürerschließen
Bastian Eiter (50) hat ein wenig Bedenkzeit benötigt. Doch jetzt ist es offiziell: Der Wallgauer Bürgermeister strebt bei den Kommunalwahlen 2026 eine zweite Amtszeit an. Dabei wird es der Titelverteidiger mit mindestens einem Gegenkandidaten zu tun bekommen.
Wallgau – „Die positiven Erfahrungen überwiegen.“ Zu diesem Ergebnis ist Bastian Eiter während seiner Weihnachtsklausur gekommen. Mit Familie und Freunden hat der Wallgauer Bürgermeister die zurückliegenden fünf Jahre in aller Offenheit Revue passieren lassen. Nach Heiligdreikönig stand für ihn die Entscheidung fest: Bastian Eiter strebt bei den Kommunalwahlen im März 2026 eine zweite Amtszeit an. Wobei ihm trotz einer längeren Bedenkzeit eines besonders wichtig ist: „Die Tendenz ging immer zum Ja.“
Womit wahrscheinlich nicht viele gerechnet haben: Der Amtsinhaber bekommt es mit Florian Holzer (42) von der CSU mit einem echten Herausforderer zu tun. Vielleicht folgt ja noch Nummer drei? Wer weiß das schon. Der Titelverteidiger jedenfalls hat gute Argumente im Wahlkampf. Denn nach Jahren der Stagnation in Zeiten seines Vorgängers Hansjörg Zahler (CSU) darf der akribische Arbeiter Eiter durchaus Erfolge für sich verbuchen – sei es der Ankauf dringend benötigter neuer Gewerbeflächen oder der bevorstehende Bau einer – im Dorf beispiellosen – Kleinsporthalle.
Ebenso steht außer Zweifel, dass die Gemeinderatsitzungen – zumindest die öffentlichen – stets von Konsens und guter Atmosphäre geprägt waren. Verbale Störfeuer – Fehlanzeige! Anders als sein Vorgänger ist Bastian Eiter nicht der Mann geschliffener Worte, sondern der Tat. Genau deshalb hat der Wählerverein im November 2019 den gebürtigen Seeshaupter, der bekennender Sozialdemokrat ist, aufs Schild gehoben. Der heutige Vize-Bürgermeister Bernhard Wilde sagte seinerzeit den Satz: „Wir brauchen einen, der offene Punkte anpackt und der keine Visionen spinnt.“ Das hat Eiter in den zurückliegenden fünf Jahren mehrfach bewiesen – und das kann von keinem politischen Kontrahenten bestritten werden. „Aber das braucht viel Energie.“ Und einen langen Atem. Das haben ihn gerade die Verhandlungen bei staatlichen Zuschuss-Stellen immer wieder aufs Neue gelehrt.
Mit jedem Weggang geht auch Wissen verloren.
Am Donnerstagabend teilte der studierte Bauingenieur (FH) Eiter seinen Mitstreitern vom Wählerverein in geschlossener Runde seine Entscheidung mit. Diese Gruppierung, die sich in den 1990ern aus der Jungen Union formiert hatte, hat beim nächsten Urnengang viel zu verlieren. Denn aktuell stellen Eiter und Co. nicht nur den Rathauschef. Inklusive der Bürgermeister-Stimme verfügen sie über 7 von 13 Mandaten.
Ein Ergebnis, das 2020 auch der ausgezehrten CSU ohne Speerspitze – Hansjörg Zahler wollte nicht mehr – geschuldet war. Mit schwächelnden Schwarzen dürfte in einem Jahr wohl nicht mehr zu rechnen sein, dafür wird allein schon der ambitionierte Spitzenkandidat Florian Holzer sorgen. Im Gegensatz zu dem zugezogenen Eiter darf sich der „Café-Martl“ als waschechter Wallgauer bezeichnen. Das war 1990 auch CSU-Mann Hans Neuner. Doch der „Wogner-Hans“ musste sich seinerzeit dem gebürtigen Murnauer Rudi Hirtreiter geschlagen geben. Soll heißen: Der Wille des Wallgauer Souveräns ist unergründlich. Eine Prognose verbietet sich daher.
Fakt ist: Bastian Eiter hatte bei seinem Amtsantritt nicht nur viel Unerledigtes vorgefunden. Er musste auch mit den Folgen der Corona-Pandemie kämpfen und obendrein einen enormen personellen Aderlass kompensieren: Zur Erinnerung: In der Ära Eiter verließen mit Alfred Mayr und Peter Märkl (beide Ruhestand) sowie Florian Neuner gleich drei versierte Verwaltungskräfte das Rathausschiff. „Mit jedem Weggang geht auch Wissen verloren“, verdeutlicht Eiter. Egal ob nun er oder Florian Holzer im März 2026 triumphiert: Einer der beiden – oder der große Unbekannte – müssen in der kommenden Amtszeit auch den altersbedingten Rückzug von Geschäftsleiter und Kämmerer Hans Zahler verkraften.