Die „Segeljungs“ aus Bad Tölz stechen wieder in See

Zu dritt noch mal über den Atlantik

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Die Segeljungs aus Bad Tölz
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Zum zweiten Mal wollen die „Segeljungs“ aus Bad Tölz den Atlantik überqueren. Diesmal soll es Richtung Amerika gehen, allerdings mit einem Mann weniger.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Eine Atlantik-Überquerung haben die „Segeljungs“ bereits absolviert. In Kürze soll es nun ein zweites Mal über den Ozean in Richtung Amerika gehen. Die jungen Männer aus dem Tölzer Land, die seit Herbst 2018 ihr großes Vorhaben einer dreijährigen Weltumsegelung umsetzen, werden dann allerdings nur noch zu dritt sein und nicht mehr zu viert wie bisher: In einem YouTube-Video, das die „Segeljungs“ vor wenigen Tagen online gestellt haben, erklärte Michael Bischof aus Sachsenkam, dass er die große Reise aus privaten Gründen abbrechen musste.

„Segeljungs“ nur noch zu dritt

Die drei verbliebenen Weltumsegler, Tim Hund (21) aus Gaißach sowie Vincent Goymann (19) und Tom Schwarz (20) aus Königsdorf, halten sich aktuell im südspanischen Almerimar auf.

Wie berichtet hatten sie das ursprüngliche Boot, die „Eira“ nach erheblichen Problemen mit dem Motor in Panama zurückgelassen und waren auf die modernere „Arrya“ umgestiegen, die ihnen ein Fan äußerst günstig zum Verkauf anbot. Die Vier flogen im Sommer von Panama aus zurück, schauten in der Heimat vorbei und brachten in Marseille die frisch erworbene „Arrya“ auf Vordermann. Mit ihr stachen sie dann in Richtung Mallorca in See, zehn Tage später ging es nach Almerimar, wie Tim Hund dem Tölzer Kurier am Telefon berichtet.

Zwischendurch stand noch – wieder per Flugzeug – ein Abstecher zur Hamburger Bootsmesse auf dem Programm. „Dort haben wir einen Vortrag gehalten und am Stand eines Segelherstellers unsere T-Shirts verkauft“, berichtet Tim Hund. Die Messe bot auch die Gelegenheit, einige der 15 000 bis 20 000 Menschen persönlich zu treffen, die regelmäßig auf YouTube die mittlerweile 71 Videos der „Segeljungs“ anschauen. „Das ging vom alten Segler, der selbst einmal den Traum hatte, um die Welt zu segeln, bis zu jungen Leuten, die die Videos gern anschauen, weil es die aus ihrem Alltag rausholt“, berichtet der Gaißacher. „Einige sind sogar extra dafür aus München angereist.“

Videokamera mit vielen Bildern gestohlen 

Ausgerechnet die Bootsmesse ist nun eine der wenigen Stationen, über die sich die Anhänger der „Segeljungs“ nicht in Bild und Ton informieren können. Denn den jungen Männern wurde die Videokamera mitsamt dem Hamburger Bildmaterial auf der SD-Karte gestohlen. „Das ist wirklich ärgerlich“, kommentiert Tim Hund.

Nunmehr zu dritt trifft die Seglergruppe nun letzte Vorbereitungen, um über den Atlantik zu fahren. Prinzipiell sei die „Arrya“ bereits „atlantiktauglich“, sagt Hund. Nun werde aber noch einiges hergerichtet, „was es komfortabler macht“, etwa der Autopilot repariert und die Batterien ausgetauscht.

In den kommenden Tagen nun will das Trio über Zwischenstationen in Gibraltar, Madeira und vielleicht Marokko zunächst in Richtung der Kanarischen Inseln aufbrechen. Von dort werden die „Segeljungs“ das Unternehmen Atlantik-Überquerung in Angriff nehmen. Mit der „Eira“ hatten sie dafür zuletzt 22 Tage benötigt, mit der „Arrya“ wird es nach Hunds Schätzung 16 Tage dauern.

Heiligabend mitten auf dem Atlantik 

Auch das Weihnachtsfest werden die jungen Männer somit voraussichtlich „mitten auf dem Atlantik“ verbringen, sagt der 21-Jährige. Wie so ein Fest der Liebe auf hoher See aussehen könnte, darüber hätten sie sich noch keine Gedanken gemacht. „Wir können uns dafür ja eine Gans einfrieren“, scherzt der Gaißacher. Ansonsten freut er sich auf die Tage auf dem Ozean. „Es ist eine Zeit, in der man oft gezwungen ist, mal gar nichts zu tun“, sagt er. „Man kann die Seele baumeln lassen, über so manches nachdenken und ist weit weg von allem Stress.“ Risiken gebe es freilich auch, doch die seien kalkulierbar.

Dass die „Segeljungs“ mit dem neuen Schiff ihre Weltumseglung quasi von vorne beginnen müssen, bringe ihren Zeitplan übrigens gar nicht so stark durcheinander. Sie müssten sich für jede Strecke ohnehin an bestimmte „Sturmzeitfenster“ halten, um jeweils günstige Bedingungen abzuwarten. Von der Karibik aus könne man nun ohne weiteren Aufenthalt direkt weitersegeln.

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