VonAndreas Högerschließen
Mitten in Otterfing entsteht ein Wohnprojekt für Senioren – womöglich in Verbindung mit Mietwohnungen für junge Familien. Die Gemeinde will verträgliche Mieten garantieren.
Otterfing – Jetzt wird’s doch die Thomawiese: Über zehn Jahre lang suchte die Gemeinde nach einem Standort für ein Senioren-Wohnprojekt. Auch die Thomawiese, eine gemeindeeigene Grünfläche zwischen Matheisweg und Jahnsteig, war schon einmal im Gespräch gewesen. Jetzt ist es offiziell: Auf Antrag der CSU-Fraktion beschloss der Gemeinderat einstimmig, Teile der Thomawiese für ein Senioren-Wohnprojekt zur Verfügung zu stellen.
Namens der CSU-Fraktion brachte Susanne Weitl den Antrag ein. Ziel sei es, älteren Bürgern ein selbstbestimmtes Leben in einer häuslichen Gemeinschaft zu ermöglichen. Die Gemeinde sei gefordert, nach Projektpartnern zu suchen, etwa Genossenschaften oder Stiftungen. „Die sollen das Haus planen, errichten, finanzieren, für den Unterhalt sorgen und sozialverträglich vermieten“, erklärte Weitl. Die Gemeinde stellt das Grundstück in Erbpacht zur Verfügung; als Gegenleistung bekommt sie das möglichst vollständige Belegungsrecht für die barrierefreien Wohnungen.
Finanziell, so Weitl, dürfe das Projekt die Gemeindekasse nicht aktiv belasten. Angesichts prall gefüllter Fördertöpfe für kommunalen Wohnungsbau soll die Verwaltung aber abklopfen, ob die Gemeinde nicht doch selbst als Bauherr auftreten kann; Bedingung sei, dass die Gemeinde kein eigenes Geld in die Hand nehmen muss.
Aufgrund ihrer zentralen Lage sei die Thomawiese ideal geeignet für so eine „fortschrittliche Wohnform“, heißt es im CSU-Antrag. Schon beim Kauf der großen Freifläche Ende der 90er Jahre sei geplant gewesen, sie auch für soziale und gemeinnützige Zwecke zu nutzen. Das Standort-Argument überzeugte SPD-Fraktionssprecher Andreas Eichhorn: „Die Thomawiese ist ein Filetstück, das Zentrum ist fußläufig gut zu erreichen.“ Auch Roberto Sottanelli (SPD) sagte dem Vorhaben vollständige Unterstützung zu. „Wir haben lange genug umeinander getan.“
Michael Falkenhahn (SPD) gefiel, dass laut CSU-Antrag als mögliche Planungserweiterung geprüft werden soll, ob sich ans Seniorenprojekt ein Mietwohnprojekt für Familien andocken lässt: „Auch die brauchen dringend bezahlbaren Wohnraum.“ Thomas Hogger (Grüne) warnte jedoch davor, private Investoren ins Boot zu holen, „denen nach 20 Jahren das Belegungsrecht zufällt“.
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Begleitet wird das Projekt, so ist es im Beschluss fixiert, vom AK Soziales in Person des Vorsitzenden Manfried Doll und vom Seniorenbeauftragten Joachim Tübcke. Beide kämpfen seit vielen Jahren um ein solches Wohnmodell. Schon 2012 ließ die Gemeinde Entwürfe für „Senioren-Hausgemeinschaften“ erstellen. 2016 folgte der Beschluss, das Projekt am St.-Georg-Platz zu realisieren, wo aber die Fläche zu klein war, um ein wirtschaftlich tragbares Wohnprojekt zu betreiben.
Dann rückte die Penny-Wiese in den Fokus. Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) fand einen Investor, der dort nicht nur ein Senioren-Wohnprojekt, sondern auch gleich einen Supermarkt gebaut hätte. Der Gemeinderat ging darauf nicht ein, auch dieser Standort wurde im Frühjahr 2017 ad acta gelegt. Doll und Tübcke hakten nach, der Druck aus der Bevölkerung wuchs.
So fiel der Blick wieder auf die Thomawiese, auf der es schon 2012 erste Entwürfe für ein Senioren-Wohnprojekt gab. Allerdings weckte der wertvolle Baugrund immer auch andere Begehrlichkeiten. 2005 verkaufte die Gemeinde dort etliche Baugrundstücke, um ihre vom Schulhausbau gebeutelten Finanzen zu sanieren.
Der Entschluss, die Thomawiese teilweise für sozialen Wohnraum zu öffnen, könnte die Zukunft der ganzen Fläche neu justieren. „Warum nicht die ganze Wiese überplanen?“, fragte Stefan Burgmayr (FW), „vielleicht ist auch ein Einheimischenmodell möglich?“ Überplanen ja, aber nicht zupflastern, betonte Falkenhahn.
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