VonChristian Masengarbschließen
Der ehemalige Betreiber der Seniorenresidenz Schliersee ignoriert Anfragen des Landratsamts zur Geflüchteten-Unterbringung im Gebäude. Dieses steht weiter leer.
Schliersee – Während das Landratsamt wegen des Wohnungsmangels weiter schwer Unterkünfte für Geflüchtete im Landkreis findet (siehe Landkreis), steht das Schlierseer Anwesen, das diese Probleme wohl mindern könnte, auf absehbare Zeit weiter leer.
Obwohl die Gemeinde Schliersee das Gebäude der ehemaligen Seniorenresidenz dem Landratsamt bereits im Mai zur Unterbringung Geflüchteter angeboten hat (wir berichteten), ließ der ehemalige Betreiber der Seniorenresidenz, das italienische Unternehmen Sereni Orrizonti, seitdem alle Anfragen der Behörde unbeantwortet, sagt eine Sprecherin auf Nachfrage. Statt in einem der wenigen leer stehenden größeren Gebäude im Landkreis Menschen unterzubringen, die dringend eine Bleibe brauchen, steht das Anwesen in Bestlage weiter leer und nützt niemandem. Die Sprecherin: „Ein Bezug des Gebäudes durch Geflüchtete ist derzeit nicht in Aussicht.“
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Seniorenresidenz Schliersee: Weiter Leerstand in Bestlage
Auch wenn Sereni Orrizonti in der Vergangenheit regelmäßig durch schleppende Kommunikation aufgefallen war, überrascht die Verzögerung. Nachdem die Behörden die Seniorenresidenz Ende September 2021 wegen schwerer Pflegemängel zur Schließung gezwungen hatten, hatte Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) lange mit dem Eigentümer des Gebäudes – einer schwedischen Holding – dem französischen Pächter und Sereni Orrizonti nach Lösungen für eine Weiternutzung gesucht. Im Mai dieses Jahres hatten alle der Unterbringung von Geflüchteten zugestimmt. Da wegen noch auf Jahre laufender Verträge Eigentümer und Hauptpächter ohnehin ihr Geld bekommen, hat Sereni Orrizonti die stärkste Motivation, das Gebäude zumindest zeitweise neu zu nutzen. Trotzdem scheitert die Nutzung weiter an den Italienern.
Wegen dieser Kommunikationslücke bleibt auch offen, ob sich die Seniorenresidenz überhaupt zur Unterbringung Geflüchteter eignet. Ohne Besichtigung kann das Landratsamt diese Frage nicht beantworten. Ebenfalls unklar ist, wie viele Geflüchtete dort wie lange eine Heimat finden könnten.
Langfristige Zukunft
„Überhaupt nichts Neues“ gebe es zur langfristigen Zukunft des Seniorenresidenz-Gebäudes zu berichten, berichtet der Schlierseer Bürgermeister. Die Gemeinde hat sich bereits mehrfach für eine Umnutzung bereit erklärt; seit gut einem Jahr steht Schnitzenbaumer in Kontakt zum Eigentümer. Doch noch sei „nichts Entscheidendes vorwärtsgegangen“, berichtet der Bürgermeister. Die schwedische Holding, der die Anlage gehört, zeige keinen Druck, eine Entscheidung zu treffen. Hierfür dürften die wegen des bestehenden Pachtverhältnisses weiter fließenden Einnahmen verantwortlich sein.
Da vor einer Umnutzung aber auch bauliche Fragen geklärt werden müssen – besonders Stellplätze –, muss der Eigentümer, sollte er an einer nahtlosen Weiternutzung interessiert seit, auf die Gemeinde zukommen, bevor die Mietverträge in gut fünf Jahren auslaufen.
Ermittlungen
Die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg und die Staatsanwaltschaft München II ermitteln weiter gegen den ehemaligen Seniorenresidenz-Betreiber. In beiden Fällen zeichnet sich kein schnelles Ende ab.
Während die Münchner Staatsanwälte, die 17 Todesfälle und den Verdacht auf Körperverletzung bei 88 Bewohnern überprüfen, schon seit Anfang des Jahres von möglicherweise jahrelangen Ermittlungen sprechen, glauben nun auch ihre wegen Abrechnungsbetrugs ermittelnden Nürnberger Kollegen an ein Untersuchungsende frühestens im kommenden Jahr. Der Ermittlungsleiter wäre „sehr überrascht“, sollte er heuer noch Ergebnisse vorstellen können, berichtet ein Sprecher auf Nachfrage.
