Ein Neubau für die Fachoberschule in Starnberg wird in sechs, eher in sieben Jahren eröffnet werden können. Diesen Termin nannte das Landratsamt im Kreisausschuss, als auf Antrag der Grünen der Stand dargelegt wurde. Bis dahin müssen sich die derzeit rund 400 Schüler mit Provisorien begnügen.
Starnberg – Dass der Neubau der Fachoberschule (FOS) in Starnberg eine zähe Angelegenheit ist, ist schon länger bekannt. Vor zwei Jahren gab es einmal eine Zeitangabe „in frühestens fünf Jahren“, also 2023, eher 2024. Inzwischen ist der Stand 2026, eher 2027 – also in der übernächsten Wahlperiode von Landrat und Kreistag. Ernüchtert, aber nicht unbedingt überrascht reagierte der Kreisausschuss diese Woche auf die neuen Termine.
Grünen-Kreisrätin Martina Neubauer hatte nach einem Besuch der Schule beantragt, den Sachstand darzulegen. Dem kam Kreiskämmerer Stefan Pilgram ausführlich nach – auch wenn er wenig wirklich Neues zu berichten hatte. Der Stand derzeit: rund 400 Schüler, zwei Interimsstandorte (keine Interims-FOS, wie er betonte) und ein Zahlenproblem. Für den dritten Fachbereich neben Sozialwesen sowie Wirtschaft und Verwaltung, die internationale Wirtschaft, hat der Kreis im Herbst 2019 noch Räume gefunden und lässt derzeit an der Moosstraße neben einem der beiden Interimsstandorte weitere Räume ausbauen. Nach Ostern sollen sie nutzbar sein. Ab Herbst 2020 rechnet Pilgram mit 18 Klassen, was 15 Klassenräume bedeutet. „Wir würden uns wünschen, wir könnten mehr Räume anbieten“, sagte Pilgram unter Hinweis, dass Chemie im Gymnasium unterrichtet werden muss und Kunst in den Klassenzimmern.
Bei den Schülerzahlen hat der Coronavirus die Planungen in Verzug gebracht. Da die FOS derzeit nach zwei Fällen bereits geschlossen ist und ab Montag wie alle Schulen bis fast Ende April schließt, wird es so schnell keine Anmeldezahlen fürs nächste Schuljahr geben. Die Einschreibung ist dieser Tage verschoben worden.
Provisorium im Gewerbegebiet?
Hoffnungen setzt Pilgram auf die Fertigstellung des Landratsamtsanbaus Ende 2021. Dann werden derzeit von Ämtern belegte Räume im Gewerbegebiet frei und könnten der FOS zur Verfügung gestellt werden. Diese „Durststrecke“ müsse man eben überbrücken, sagte er. Die Vorgaben für Schulen hält der Kreis in den Provisorien aber ein.
Alle Raumfragen beseitigen soll der Neubau auf dem ehemaligen Starnberger Bauhof am Seilerweg unweit des Bahnhof Nord. Aber nicht sehr bald. Julian Huß, im Landratsamt neuerdings für Schulbauvorhaben verantwortlich, berichtete zwar von Fortschritten, konnte den Kreisräten jedoch keine Hoffnungen auf einen schnellen Bau machen. Derzeit bereite man den Architektenwettbewerb vor, was sich aber verzögert habe – der mit der Vorbereitung beauftragte Architekt hatte die Grippe. Demnächst soll es eine Besprechung der Preisrichter geben, damit in Abstimmung mit der Stadt Starnberg der Auslobungstext festgelegt werden kann. Voraussichtlich im Juni soll der Wettbewerb starten, der etwa ein Jahr in Anspruch nimmt – Eingabe, Bewertung, Verhandlungen mit dem Sieger. Danach kommt ein weiteres Jahr für das so genannte VgV-Verfahren, an dem alle Fachplaner beteiligt sind.
Zwei Jahre von der Genehmigung bis zur Vergabe
Für die Entwurfsplanung sind neun Monate angesetzt, danach zwei Jahre für Genehmigungsplanung, Ausführungsplanung, Ausschreibung und Vergabe. Der Bau selbst wird auf ebenfalls zwei Jahre geschätzt. „Mit sieben Jahren ist zu rechnen“, sagte Huß – und einigen Kreisräten runzelten die Stirn. Vielleicht, sagte Albert Luppart (Freie Wähler), war es ja doch das falsche Grundstück.
Seinerzeit hatten einige eine Fläche an der Gautinger Straße favorisiert, die jedoch wegen baurechtlicher Unklarheiten verworfen worden war. Neubauer ließ sich bestätigen, dass die langen Verhandlungen mit der Stadt wegen des Grundstückskaufs eine Ursache der Verzögerungen sind. Der Verkauf durch die Stadt hatte seinerzeit zu einem massiven Konflikt zwischen dem Stadtrat und Bürgermeisterin Eva John geführt, der einige Fraktionen eine Verzögerungstaktik vorgeworfen hatten, was John stets zurückwies.
Warum FOS statt BOS?
Die Entscheidung ist zwar schon lange her, doch machte Pilgram nochmals deutlich, warum nur noch von einer FOS und nicht mehr von einer Berufsoberschule (BOS) die Rede ist. Der Bedarf sei in Starnberg nicht gegeben, deswegen sei eine BOS auch fürs Kultusministerium kein Thema mehr.
Ein Thema für den Landkreis sind jedoch Mehlschwalben. Die haben sich ein Heim gebaut in den alten Gebäuden am Seilerweg – und die dürfen deswegen nicht abgerissen werden. Der Kreis braucht dafür eine naturschutzrechtliche Gestattung, die Mehlschwalben umsiedeln zu dürfen. Wohin? Vermutlich auf dem Grundstück an andere Stelle. Das prüft derzeit ein Fachbüro. Für die Schulbauer ist das Thema eilig, für die Naturschützer nicht.