Fälle auch in den Nachbarlandkreisen

Merkwürdige Taten: Die Rasenmäher-Diebe gehen um

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Schmerzlicher Verlust für die Gemeinde Jachenau: Ein Rasenmäher dieses Modells wurde vom Gelände des Wertstoffhofs gestohlen. Er kostete 16 500 Euro.
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Mit so einer Tat hatte in der Jachenau wohl niemand gerechnet: Unbekannte haben einen teuren Traktor-Rasenmäher vom Gelände des Wertstoffhofs gestohlen. Die Tat ist kein Einzelfall. Aus den Nachbarlandkreisen wurden diesen Sommer schon ähnliche Fälle gemeldet.

Jachenau – Bürgermeister Georg Riesch kann den Schlag immer noch nicht recht fassen. Für seine kleine Gemeinde war die Anschaffung des Traktors 2014 eine erhebliche Investition. „Er hat damals 16 500 Euro gekostet“, sagt der Rathaus-Chef. „Besonders tragisch“ am Verlust sei, dass auch viel ehrenamtliches Engagement drinsteckt. „Der Fußballverein hat sich finanziell beteiligt, das war eine gute Sache.“

Der Traktor sei dazu benutzt worden, den Fußballplatz sowie größere gemeindliche Flächen zu mähen, wie im Kurpark sowie an Kindergarten und Schule. Jetzt müsse die Gemeinde versuchen, sich für den Rest des Sommers auf andere Art zu behelfen. „Dann werden wir den Winter über schauen, ob der Traktor doch noch aufzufinden ist. Wenn nicht, müssen wir über eine Ersatzbeschaffung nachdenken.“ Dafür, dass der Gemeinde der Schaden ersetzt wird, stünden die Chancen schlecht. „Er war nicht diebstahlversichert.“

Täter waren wohl mit örtlichen Gegebenheiten vertraut

Riesch ist sich sicher, dass es die Täter ganz gezielt auf das teure Gerät abgesehen hatten und die Örtlichkeit vorab genau auskundschafteten. Um den Wertstoffhof – gegenüber dem Fußballplatz – steht laut Riesch ein zwei bis zweieinhalb Meter hoher Maschendrahtzaun, die Eingangstür war mit einem Vorhängeschloss gesichert, das die Diebe aufbrachen. Ein weiteres Schloss knackten sie an dem Schuppen, in dem der Rasenmäher untergebracht war. Noch etwas deutet laut Riesch darauf hin, dass die Täter mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut waren. Sie bedienten sich an einem Bretterlager, um eine kleine Rampe zu bauen, über die sie den Traktor offenbar auf einen Anhänger verluden. Dass diese Bretter auf dem Wertstoffhof herumlagen, war auch das erste, was den Mitarbeitern am Donnerstag auffiel.

Ebenfalls in der Nacht zum Donnerstag wurde auf dem Gelände des SV Warngau eingebrochen. Der Fall weist einige Parallelen zu dem in der Jachenau auf. Auch hier konnten die Täter in einem abgelegenen, dunklen Terrain agieren und hatten es auf Rasenmäher abgesehen – in diesem Fall einen kleinen und großen Aufsitz-Rasenmäher. Es gibt jedoch auch gravierende Unterschiede: In Warngau nahmen die Diebe zusätzlich einen Vereinsbus, ein 200-Liter-Diesel-Fass, ein Kinderspielhaus aus Kunststoff und zehn Kästen Bier mit. Philipp Hörfurter von der zuständigen Polizeiinspektion Holzkirchen will daher nicht automatisch einen Zusammenhang herstellen. „Das mit dem Bier schreit jetzt nicht gerade nach Profis“, sagt er. „Wir ermitteln in alle Richtungen – von der osteuropäischen Diebesbande bis zum Jugendstreich.“

Beim SV Warngau wurde in der gleichen Nacht eingebrochen

Schon etwas früher in diesem Sommer waren Rasenmäher-Diebe im Bereich Starnberger See und Ammersee aktiv. In der Nacht zum 21. Juni wurde aus einer Lagerhalle des SV Wielenbach bei Weilheim ein Profi-Aufsitzrasenmäher im Wert von 20 000 Euro gestohlen. Im Juli traf es die Sportfreunde Breitbrunn (Gemeinde Herrsching), wo aus einer Holzhütte auf dem Vereinsgelände ein Aufsitzrasenmäher im Wert von 4000 Euro verschwand. Das nächste Opfer war der FC Dettenschwang in der Gemeinde Dießen am Ammersee, wo aus dem Vereinsheim ebenfalls ein Aufsitzrasenmäher sowie ein Handrasenmäher und ein Freischneider vermisst werden.

Dort sprach Albert Huber, Chef der zuständigen Polizei Herrsching, von einem „Phänomen aus diesem Jahr“. Ihm zufolge hat eine Serie solcher Taten, hinter der er „organisierte Kriminalität“ vermutet, im Landsberger Bereich begonnen. Üblicherweise würden die Täter immer wieder das Gebiet wechseln. Die Warnung des Jachenauer Bürgermeisters für die hiesige Region scheint also berechtigt: „Alle sollten vorsichtig sein.“

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