VonVolker Ufertingerschließen
Unglaublich, aber wahr: Der Weidacher Gitarrenbauer Joe Striebel (45) hat aus dem Maibaum des Jahres 2008 eine Gitarre gemacht. Das dürfte eine Weltneuheit sein. Das Liebhaberstück wird am Samstag versteigert - zugunsten der Weidacher Burschen.
Wolfratshausen – Johannes (genannt Joe) Striebel hat im Laufe seines Lebens schon viele Gitarren gebaut – große und kleine, Westerngitarren und Jazzgitarren. Doch die, die er kürzlich in seiner Werkstatt an der Weidacher Hauptstraße gefertigt hat, ist ein absolutes Unikat. Sie ist klein, handlich und aus dem Holz, das vom Maibaum 2008 übrig geblieben ist. Eine Maibaumgitarre: Hat die Welt je von so etwas gehört? „Für mich ist es jedenfalls die erste“, sagt Striebel mit einem Lächeln.
Das Ganze kam so: Als der Maibaum – eine Fichte aus Höhenrain – nach ein paar Jahren abgebaut, zerlegt und die Einzelteile versteigert wurden, kaufte Striebel ein Stück. Schließlich ist der Meister im Zupfinstrumentenbau immer auf der Suche nach geeignetem Holz. Leichtsinnigerweise machte er einen Scherz und sagte: „Wer weiß, vielleicht mache ich da eine Gitarre draus.“ Die Burschen nahmen ihn gleich beim Wort. Jetzt ist er seinem Versprechen nachgekommen und hat in knapp zwei Wochen die Gitarre gebaut und dem Burschenverein kostenlos zur Verfügung gestellt.
Genau genommen besteht nur das wichtigste Teil des Instruments aus dem Maibaumholz, nämlich die Decke. „Sie ist das Herz jeder Gitarre, denn hier entsteht der Klang“, erklärt Striebel. Fichten aus dem Alpenraum sind für diesen Zweck ideal und daher weltweit gefragt. Deshalb verarbeitet der Weidacher fast ausschließlich heimische Bäume. „Ich habe das Glück, dass das perfekte Material direkt bei mir vor der Haustür wächst.“
Doch auch der Rest der Gitarre stammt aus der unmittelbaren Umgebung. Boden und Zargen sind aus einem Ahorn gefertigt, der einst gegenüber der Aral-Tankstelle an der Sauerlacher Straße stand. Steg, Griffbrett und Kopfblatt sind etwas dunkler und stammen von einer Zwetschge aus Wackersberg. „Ein wirklich regionales Produkt“, sagt Striebel nicht ohne Stolz.
Was die Form angeht, hat sich der Weidacher inspirieren lassen. Und zwar von einem Instrument, das vor einiger Zeit bei ihm zur Reparatur abgegeben wurde. Es stammte aus dem Jahr 1910 und war ein Münchner Modell: klein, handlich und mit frechem Ton. Das Format passte genau zu dem Stück Maibaum, das Striebel einst gekauft hatte. Also machte er sich ans Werk. Knappe zwei Wochen später war die Gitarre fertig, auf ihre Herkunft deutet nichts. Jedenfalls ist sie nicht mehr weiß-blau, sondern hellbraun.
„Super, dass der Joe das für uns macht“
Die Gitarre wird an diesem Samstag, 5. Mai, einen großen Auftritt haben. Musiker und Kabarettist Josef Brustmann – übrigens ein Kunde von Striebel – nimmt sie mit auf die Bühne und spielt darauf, wenn er am Samstag im Festzelt sein Programm „Fuchstreff – nichts für Hasenfüße“ aufführt. Anschließend wird das gute Stück zugunsten des Burschenvereins versteigert, Angebote können an der Abendkasse hinterlegt werden.
Der Handwerksmeister ist überzeugt, dass sein Werk gut zu gebrauchen ist, sei es als Wirtshausgitarre, als Jugendgitarre oder einfach zum G’stanzlsingen. Kürzlich hat er gesehen, dass die Band „Kofelgschroa“ genau so eine kleine Gitarre gespielt hat. Sie passte gut zu der neuen, aufmüpfigen, lebendigen Volksmusik, die die Oberammergauer spielen.
Wichtig ist Striebel, dass die Weidacher Burschen von dem Erlös profitieren. Die freuen sich über die ebenso edle wie originelle Spende sehr. „Super, dass der Joe das für uns macht“, sagt Burschenchef Michael Baindl. Vor allem wenn man weiß, dass eine von Hand gefertigte Striebel-Gitarre Minimum 2000 Euro kostet. Übrigens trägt der Weidacher Maibaum auch ein Zunftzeichen der Gitarrenbauer, eins von zwölf, ganz oben rechts, mit Lyra. Auch das einmalig weit und breit. Die Liebe des Gitarrenbauers Johannes Striebel zu den Weidacher Burschen – sie beruht offenbar auf Gegenseitigkeit.
