Weltfrauentag

„Wichtig ist ein gutes Netzwerk zwischen Frauen“

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Monika Dahlberg erinnert sich an ihre Anfänge als Schauspielerin. Hier: Ihre erste Autogramm-Karte.
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Am 8. März ist Weltfrauentag: Anlässlich dessen haben uns vier außergewöhnliche Power-Frauen aus dem Landkreis erzählt, wie sie ihr Leben meistern und welche Hürden sie dafür schon überwunden haben.

Bad Tölz – Auf den ersten Blick haben Kreisbäuerin Ursula Fiechtner, Schauspielerin Monika Dahlberg, Eishockey-Profispielerin Viona Harrer und Autorin Johanna Warham nicht viel gemeinsam, außer dass sie im Landkreis leben und Frauen sind. Bei genauerer Betrachtung stellt man aber fest, dass sie alle für ihre Erfolge mit Raffinesse und Disziplin gekämpften. Sie haben teils jede Norm gebrochen und dabei sogar Meilensteine für andere gelegt.

Monika Dahlberg (83) hat ihre Karriere am Kieler Stadttheater begonnen. Gleich am Anfang musste sie eine schlimme Erfahrung machen. „Heute sprechen alle von ,me too‘. Das ist wichtig, denn solche Übergriffe gab es früher auch schon. Da hat man sich aber als junge Frau nicht getraut, etwas zu sagen.“ Auch Dahlberg wurde Opfer sexualisierter Gewalt. „Der Generalmusikdirektor stürzte sich nach dem Vorsingen auf mich, griff mir unter die Bluse und unter den Rock und steckte mir seine Zunge in den Hals.“ Damals war Dahlberg 17 Jahre alt. „Ich war wie versteinert. Das Klingelzeichen zum Ende der Pause hat mich gerettet, danach hatte ich einen Nervenzusammenbruch.“ 

Monika Dahlberg musste in jungen Jahren eine „mee too“- Erfahrung durchstehen 

Sie wusste, dass die damalige Etikette es nicht zugelassen hätte, mit ihren Eltern darüber zu sprechen. Der Direktor rief einige Tage später bei ihr zu Hause an und bot Dahlberg eine Rolle am Theater an. Die junge Frau reagierte clever und ließ sich einen Hosenanzug mit verschiedenen, schwer aufzubekommenden Reißverschlüssen schneidern. „So war ich gerüstet, falls er mir noch mal an die Wäsche gehen würde.“ Ihr Trick funktionierte. „Jahre später habe ich erfahren, dass einige es durchschaut haben. Meine Latzhose wurde im Theater ,Gott-behüt-mich-Anzug‘ getauft“, erinnert sich die Schauspielerin lachend. Noch heute steht sie auf der Bühne, zurzeit im Kleinen Theater in Garmisch in „Eine Bank in der Sonne“.

Viona Harrer

Für Viona Harrer (33) war das Eis die große Bühne. Sie spielte Eishockey in der Profi-Liga und stand im Tor von erfolgreichen Männermannschaften. „Das war nicht leicht. Ich musste sogar den Verein wechseln, weil mir klar gemacht wurde, dass es für Frauen in höheren Mannschaften keine Zukunft gibt.“ Aber Harrer ließ sich nicht unterkriegen und kämpfte in anderen Vereinen um Anerkennung. „Ich hatte immer das Gefühl, wesentlich mehr leisten zu müssen als meine männlichen Mitstreiter.“ Mit viel Disziplin, Ehrgeiz und Schweiß kam sie an ihr Ziel. Harrer stand auch im Tor der Tölzer Löwen. „Die Mannschaft hat mich akzeptiert, als sie gemerkt hat, wie gut ich war.“ Als Junge hätte sie es sicherlich leichter gehabt, ist Harrer überzeugt. Auch heute, als Mutter, steht Harrer nach wie vor ihren Mann. Sie ist es, die die Torwarte der Tölzer Löwen trainiert. „Da hatte ich nie Akzeptanzprobleme. Alle wissen, wer ich bin und was ich kann.“

Johanna Warham

Johanna Warham (63) ist in der Jachenau aufgewachsen. „Damals haben hier noch nicht viele Eltern Wert darauf gelegt, ihre Kinder auf weiterführende Schulen zu schicken“, erinnert sie sich. Sie aber besuchte die Realschule und das Gymnasium, zog zum Studieren nach München und begann dort ihre berufliche Laufbahn. Hier lernte sie ihren Mann David, einen Schotten, kennen. „Er behandelte mich immer auf Augenhöhe und unterstützte mich bei meinen Vorhaben. Bis heute sind wir ein Team.“ 

„Viele haben mich als Rabenmutter abgetan“

Warham, die als Chefredakteurin einer Food-Zeitschrift arbeitete und heute Fachbücher schreibt, fand ihren Weg, zwei Kinder und Karriere unter einen Hut zu kriegen. „Ich habe mich nach ein paar Jahren selbstständig gemacht, freie Mitarbeiter gesucht und zur Betreuung meiner Kinder Au-pair-Mädchen gehabt.“ Aber Warham merkte auch, dass ihre moderne Art nicht überall auf Verständnis stieß. „Einige haben mich als Rabenmutter abgetan.“ Sie ließ sich jedoch nicht beirren. Auch dann nicht, als sie mit ihrer Familie wieder in die Jachenau zog. Nötig für den Spagat zwischen Beruf und Familie waren „Disziplin, Struktur und Organisationstalent“, sagt Warham. Die technische Entwicklung spielte ihr in die Karten: „Ohne Internet hätte ich meine Karriere unterbrechen müssen.“ Ihrer Tochter gab sie vieles weiter. „Sie hat gelernt, sich in Männerdomänen zu behaupten“, sagt die Mama stolz.

Ursula Fiechtner

Uschi Fiechtner (57) wuchs auf einem Bauernhof auf und heiratete einen Landwirt. „Es gab nie eine Option, etwas anderes zu machen“, sagt sie. Fiechtner blieb in der ihr vorgegebenen Schiene. „Ich hatte das im Blut und konnte mir ein Leben ohne Landwirtschaft nie vorstellen.“ Um eine starke Frau, Mutter und Bäuerin zu sein, gehört für sie einiges dazu: „Ich habe immer versucht, selber Lösungen zu finden und mir eine eigene Meinung zu bilden. Da stand ich dann auch dazu, egal, wem das geschmeckt hat.“ Als Kreisbäuerin ist Fiechnter viel in der Region unterwegs und hat immer ein offenes Ohr für andere Bäuerinnen. „Helfen gehört einfach dazu.“

„Hilfe zur Selbsthilfe ist in jedem Lebensbereich das Beste.“ 

Doch ihr Einsatz geht weit über die Landkreisgrenzen hinaus. Afrikanische Bäuerinnen kamen durch ein Projekt des Entwicklungsministeriums auf ihren Hof in Wackersberg. „Ich habe ihnen gezeigt, wie ich Ehrenamt, politisches Engagement, Betrieb und Familie verknüpfe und wie wichtig ein gutes Netzwerk zwischen Frauen ist.“ Ihre Stellvertreterin Maria Urban und weitere Bäuerinnen vermittelten nun in Afrika den Frauen Kenntnisse in Milchgewinnung und Kälberaufzucht. „Hilfe zur Selbsthilfe ist in jedem Lebensbereich das Beste“, sagt Ursula Fiechtner, und schwingt sich fröhlich, selbstbewusst und beherzt auf ihren Bulldog. 

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