VonSilke Schederschließen
Rund vier Millionen Euro kostet die neue Kindertagesstätte samt Hort in Sachsenkam. Viele finden diese Summe übertrieben. Der Bürgermeister spricht dagegen von einer sinnvollen Investition in die Zukunft. Der Tölzer Kurier hat sich bei einem Rundgang über die Baustelle angesehen, wohin all das Geld fließt.
Sachsenkam – Die Entscheidung fällt dem Bürgermeister schwer. Johann Schneil überlegt, was ihm am Besten an dem neuen Kindergarten gefallen würde, wenn er selbst noch klein wäre. Die Rutsche vom ersten Stock hinunter in den Garten? Der Kreativraum in Grasgrün? Oder doch lieber die drei Felsenbirnen, die quasi durch das Dach wachsen und den Kindergarten in eine Art Baumhaus verwandeln werden? „Mit gefällt alles“, sagt der Sachsenkamer Rathauschef schließlich und lacht. „Da möchte man selbst wieder Kind sein.“
Lesen Sie auch: Bus voller Schüler fährt auf BMW auf
Voraussichtlich im März können 75 Kindergarten- und 24 Hortkinder den Neubau beziehen. Sie erwartet ein Kindergarten der Superlative mit drei großen, lichtdurchfluteten Gruppenräumen inklusive Akustikdecken. Alle Zimmer im Haus sind nach Angaben des Planungsbüros Beham aus Bairawies so konzipiert, dass die Mädchen und Buben beim Blick aus jedem Fenster die umliegenden Bäume und die angrenzende Moorlandschaft sehen. Zu diesem Zweck wird die Kubatur durch entsprechend bepflanzte Lichthöfe durchbrochen. Die Grundannahme der Architekten Sebastian und Robert Beham: Alle Kinder träumen von einem Baumhaus.
Neben Beton und Metall besteht das Gebäude deshalb vor allem aus Holz. Das riecht man. „Und das sorgt für Wohnqualität“, sagt Bürgermeister Schneil. Der 40 Meter lange und 20 Meter breite Baukörper folgt dem Planungsbüro zufolge äußerlich der typologischen Tektonik alter Bauernhöfe – im Erdgeschoss verputzt, im Obergeschoss mit Holz verschalt und mit einem Giebeldach mit roten Ziegeln.
Im Erdgeschoss gibt es neben den drei Gruppenräumen unter anderem ein behindertengerechtes WC samt Dusche und eine große Gemeinschaftsküche mit kindgerechter Arbeitsfläche und einem Essbereich. Das erste Obergeschoss gehört vor allem den Hortkindern. Hier gibt es aber auch einen Therapieraum für Buben und Mädchen mit Förderbedarf und eine kleine Turnhalle. Die Sprossenwände verbergen ein Geheimnis: „Wenn man sie herunterklappt, bilden sie eine Bühne“, erklärt Schneil.
Lesen Sie auch: Pläne für interkommunales Gewerbegebiet am Kranzer haben sich zerschlagen
Ebenfalls eine Besonderheit: Das Gebäude kommt ohne mechanische Lüftungsanlage aus. Stattdessen setzen Robert Beham und sein Sohn bei ihrem Entwurf auf den sogenannten Kamineffekt: Über die offenen Lufträume im Zentrum des Gebäudes steigt die warme Luft nach oben und kann durch die geöffneten Dachfenster entweichen. Das erste Obergeschoss überragt außerdem das Untergeschoss (Auskragung) und schützt es im Sommer so vor der hochstehenden Sonne. Eine vorgelagerte Fassadenschalung macht Jalousien oder einen anderen Sonnenschutz für das erste Obergeschoss überflüssig. „Ich bin begeistert, alles ist komplett durchdacht“, sagt Schneil.
Der Neubau hat allerdings seinen Preis: 2,5 Millionen Euro bezahlt die Gemeinde, 1,5 Millionen übernimmt der Freistaat in Form von Zuschüssen. Viele Bürger, weiß Schneil, hätten sich eine einfachere und damit vermeintlich günstigere Bauweise gewünscht. „Es ist aber nicht klar, ob das dann recht viel billiger geworden wäre.“ Außerdem sei das Geld gut investiert: „Die Kinder sind unsere Zukunft. Sie sollen eine gute Betreuung bekommen.“
Wie berichtet ist der Neubau notwendig, weil im alten Kindergarten gerade einmal 25 Mädchen und Buben Platz finden. Weitere zwölf beherbergt die vor fünf Jahren gebaute Krippe, 25 Kinder sind im ersten Stock der Gemeindeverwaltung untergebracht. Das ist zu wenig: Ab Herbst soll der Bedarf laut Schneil steigen.
In naher Zukunft werden wohl auch die Gebühren steigen: „Es kann sein, dass wir sie irgendwann anpassen müssen.“ Ist der Neubau fertig, wird der bisherige Kindergarten in eine Krippe umgewandelt.
Lesen Sie auch: „Törggelen im Frühjahr“: Kulturverein Lust mit Südtirol-Schwerpunkt

