VonKlaus Greifschließen
Kurz vor der Entscheidung des Stadtrates über die Ansiedlung des Briefzentrums der Post hat das Logistikunternehmen ihr Projekt noch einmal vorgestellt. Was denken Sie über die Pläne?
Germering –Im November hat die Post ihre Pläne, das Briefverteilzentrum aus der Münchner Arnulfstraße in das Gewerbegebiet Germeringer Norden zu verlegen der Öffentlichkeit erstmals vorgestellt. Seitdem sind die Pläne auch wegen der vielen kritischen Stimmen in der Bevölkerung und im Stadtrat immer wieder geändert worden. Im Umwelt-, Planungs- und Bauausschuss wurde die notwendige Aufstellung eines Bebauungsplanes dennoch mit 9:6-Stimmen abgelehnt.
Am kommenden Dienstag entscheidet der Stadtrat über das Briefzentrum Germering
Am kommenden Dienstag wird jetzt der gesamt-Stadtrat über das Vorhaben entscheiden. Post-Projektleiter Peter Schlittenbauer stellte deswegen in der vergangenen Woche das Projekt noch einmal vor und berichtete von einer weiteren Änderung der Pläne. Der Abstand zu den nächsten Privathäusern im Westen wird noch einmal auf dann 45 Meter vergrößert – in den ersten Plänen waren es noch 35, im Bauausschuss schon 40 Meter.
Post spricht vom modernsten Briefzentrum in Deutschland
Die Post will bekanntlich auf das rund 66 000 Quadratmeter große Grundstück neben die bestehende DHL-Pakethalle ein rund 33 000 Quadratmeter großes Gebäude setzen. Die Versiegelung wird nur 66 statt der erlaubten 80 Prozent betragen. Hier soll laut Schlickenrieder „das modernste Briefzentrum Deutschlands“ entstehen, das die Postverteilung für das südwestliche und südliche Oberbayern sowie die Landeshauptstadt München steuert.
Inklusive Verwaltung entstehen laut Schlickenrieder rund 1300 teils hochwertige Arbeitsplätze. Die immer wieder von Kritikern geäußerte Befürchtung, dass die angestammte Belegschaft aus München mit umziehe und Germering nicht profitiere, wies er zurück. Schon jetzt liege die Fluktuationsrate bei den Teilzeitkräften bei 30 Prozent im Jahr. Nehme man weitere Faktoren hinzu, erwarte er dass schon kurzfristig die Hälfte der Arbeitsplätze mit Germeringern besetzt wird.
Braucht man weniger Arbeitsplätze im Briefzentrum?
Auch das Argument, dass die Zahl der Briefsendungen kontinuierlich abnimmt und deswegen die Arbeitsplätze nicht sicher seien, greift aus Sicht von Schlickenrieder nicht. Selbst wenn das Aufkommen jährlich um zwei Prozent zurückginge – diese Zahl hatte Post-Chef Frank Appel öffentlich gemacht – benötigte man im Jahr 2025 noch 1100 Arbeitsplätze. Man müsse aber einerseits auch berücksichtigen, dass der Sendungsrückgang in München nicht so hoch sei wie im übrigen Bundesgebiet, wo die Post mehr private Konkurrenz habe. Andererseits steige die Zahl der E-Commerce-Sendungen, die wie Briefe verschickt werden können.
Briefzentrum bringt der Stadt Gewerbesteuer
Auch auf den in Leserbriefen an den Merkur geäußertem Verdacht, dass die Stadt erst verspätet mit den versprochenen Gewerbesteuerzahlungen rechnen könne, hat Schlickenrieder eine Antwort. Die Stadt könne ab 2022, also mit Fertigstellung und Bezug der Halle, mit Steuereinnahmen von jährlich rund einer Million Euro ausgehen. Grund: Der Gesamtgewinn der Deutschen Post geht in der Konzernzentrale in Bonn ein und wird dann anteilsmäßig auf die Niederlassungen verteilt. Da gebe es keine Gegenrechnung von Verlusten.
Gewinnen wird die Stadt laut Schlickenrieder auch, weil sich die Post im Falle der Ansiedlung wie versprochen am Bau eines Kinderhauses beteiligen würde, der auch den eigenen Angestellten zugute kommen würde. Ein Standort dafür muss aber erst noch gefunden werden.
Post-Sprecher Klaus-Dieter Nawrath kündigte außerdem an, dass die Germeringer in den nächsten Tagen noch einmal mit einer Wurfsendungen über den aktuellen Stand des Projekts (Lesen Sie hier mehr über die Gegenargumente) informiert werden.
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