Gewerbegebiet Nord

Sortiert die Post hier bald Millionen Briefe?

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Das Gewerbegebiet Nord.
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Die Deutsche Post hat ihre Briefverteilzentren an der Münchner Arnulfstraße und in Schorn bei Starnberg verkauft. Als Standort eines neuen Zentrums ist das Gewerbegebiet Germeringer Norden im Gespräch. Gespräche mit der Stadt hat es schon gegeben. Die Gewerkschaft Verdi hat Widerstand angekündigt.

Germering – An der Arnulfstraße sind zurzeit 400, in Schorn 180 Mitarbeiter der Post damit beschäftigt, Briefe zu sortieren, die dann in die entsprechenden Zustellbezirke gefahren werden. Dort übernehmen dann die Briefträger die Arbeit. Beide Verteilzentren sind der Post zufolge an einen Investor, die Grünwalder Unternehmensgruppe Büschl verkauft worden.

Als Ersatz soll künftig ein einziges Verteilzentrum in der Region entstehen. Wo dies konkret gebaut werden soll, steht laut Thomas Schlickenrieder, Abteilungsleiter Immobilien Betrieb bei der Deutschen Post AG, noch nicht fest. Er erklärt lediglich: „Die postalische Versorgung der Postleitzahlenregionen, die bisher aus der Arnulfstraße und vom Briefzentrum Starnberg versorgt wurden, stellen wir natürlich auch künftig sicher. Deshalb befinden wir uns in bereits abschließenden Verhandlungen zu einem potenziellen Ersatzgrundstück in der Region München.“ Einen Zeitplan gibt es allerdings schon. Beide Zentren sollen noch bis zum Jahr 2020 in Betrieb bleiben.

Standort Germering ist im Gespräch

Dass Germering dabei ein Kandidat ist, bestätigt Post-Sprecher Dieter Nawrath: „Den genannten Standort Germering kann ich aktuell für den Neubau nicht bestätigen, eine Ansiedlung dort ist aber nicht ausgeschlossen.“ Konkrete Details könnten erst nach Abschluss der finalen Gespräche kommuniziert werden.

Dass es Gespräche mit der Stadt schon gegeben hat, bestätigt Zweiter Bürgermeister Wolfgang Andre – OB Andreas Haas befindet sich noch in Urlaub. Andre: „Die Post ist auf uns zugekommen.“ Mehr könne er aber zu dem Thema noch nicht sagen.

Der potenzielle Standort liegt im Gewerbegebiet Nord. Dort betreibt die Post-Tochter DHL bekanntlich seit einigen Jahren ein Paket-Verteilzentrum. Vor fast zwei Jahren war der Germeringer Norden schon einmal im Gespräch für eine Neuansiedlung der Post. Es gab Überlegungen, den neuen Münchner Konzertsaal auf das Gelände der Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke zu errichten. Schon damals war Germering als neuer Standort im Gespräch. Die Konzertsaal-Pläne sind aber in eine andere Richtung gelaufen.

Widerstand gegen ein Briefverteilzentrum in Germering gibt es von der Gewerkschaft Verdi. David Merk, Fachbereichssprecher Logistik und Speditionen, befürchtet Nachteile für Mitarbeiter und Kunden, wenn es den Standort Arnulfstraße nicht mehr gibt. Die rund 400 dort Beschäftigten könnten zurzeit bequem und günstig mit der S-Bahn zur Arbeit kommen. Ihr Anfahrtsweg nach Germering würde deutlich länger werden. Zudem sind die S-Bahnhöfe weit entfernt vom Gewerbegebiet. Die Post-Kunden müssten sich zudem auf eine spätere Zustellung einstellen. Der Weg vom Verteilzentrum zu den einzelnen Bezirken sei dann einfach länger.

Erste Reaktionen der Stadträte

Von Seiten der Politik ist möglicherweise auch mit Widerstand zu rechnen. Grünen-Fraktionssprecherin Agnes Dürr meinte, dass man den Plänen sehr skeptisch gegenüberstehe. Und zwar nicht nur, weil mit viel Verkehr zu rechnen sei. Es entstünden auch fast nur Teilzeitarbeitsplätze. Der größte Blödsinn wäre es ihr zufolge aber, dass die Post erst von München nach Germering gefahren und dort sortiert werde. „Und dann geht es wieder nach München.“

CSU-Stadt- und Bezirksrätin Gabriele Off-Nesselhauf hat ebenfalls schon öffentlich ihre Ablehnung des Vorhabens signalisiert und dies mit der zu erwartenden Verkehrsbelastung begründet.

CSU-Ortschef Oliver Simon wiederum will die Pläne differenziert betrachten. Wenn es dazu komme, dürfe man ein solches Vorhaben nicht nur nach dem Faktor Verkehr bewerten: „Hier muss man alles Mögliche mit einfließen lassen. Unter anderem auch die Auswirkungen auf die Steuerkraft der Stadt.“ Man dürfe zudem nicht vergessen, das die Stadt im Norden vor Jahren ein Gewerbegebiet ausgewiesen habe, das man beleben müsse.

SPD-Fraktionssprecher Robert Baumgartner will sich derzeit zu den Plänen nicht äußern. Denn: „Alle Fraktionen haben sich abgesprochen, dass wir keine Auskunft geben.“ Er wolle sich daran halten.

Aufkommen rückläufig

Das Betriebsgelände in der Münchener Arnulfstraße nutzt die Deutsche Post seit über 20 Jahren als Briefzentrum. Dort werden alle für die Münchner Einwohner eintreffenden und auch von ihnen versandten Briefe bearbeitet. Die tägliche Kapazität liegt bei rund 4,5 Millionen Briefsendungen. Im Verteilzentrum in Schorn werden täglich rund 1,5 Millionen Briefe für den Postleitzahlenbereich 82 sortiert, Er reicht von der Stadtgrenze München bis an die österreichische Grenze und von Fürstenfeldbruck bis zum Landkreis Ebersberg. Laut Post-Sprecher Dieter Nawrath wirkt sich mittlerweile die Digitalisierung auch in diesem Bereich aus – die Briefzahlen nehmen ab, die der Pakete eher zu. Das mag ein Grund für die Post gewesen sein, einen Neubau zu planen. „Wir haben uns nach eingehender Prüfung entschieden, die Areale der Briefzentren München und Starnberg zu veräußern, weil der Verkauf und die Einrichtung eines neuen Briefzentrums für die Region wirtschaftlicher sind.

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