Der Beratungsbedarf steigt

Sozialverband VdK erfährt einen enormen Zulauf

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Freut sich über den Zulauf: Kreisgeschäftsführer Maik Kinski.
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Das Image des VdK wandelt sich. Galt er früher in erster Linie als Rentnerverein, nehmen ihn heute zunehmend mehr Menschen als wichtigen Sozialverband wahr.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Unsere Mitglieder werden immer jünger“, freut sich Maik Kinski, Kreisgeschäftsführer des VdK Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach. Und immer zahlreicher: In den vergangenen zehn Jahren kletterten die Mitgliederzahlen im Kreisverband um fast 20 Prozent auf derzeit rund 10 400.

Grund für den Zuwachs ist der steigende Beratungsbedarf in sozialrechtlichen Fragen, erklärt Kinski. Nach wie vor liege der Schwerpunkt zwar im Bereich Rentenversicherung. Neben der klassischen Altersrente geht es aber immer häufiger auch um Erwerbsminderung, Kranken- oder Arbeitslosengeld. „Zunehmend sind auch psychische Gründe dafür verantwortlich, wenn jemand nicht bis zur Altersrente durchhält“, weiß der 35-jährige Diplom-Verwaltungswirt und Jurist.

Der VdK vertritt die Betroffenen in solchen Fällen gegenüber den Behörden und vor Gericht, „vergleichbar mit einem freien Rechtsanwalt“, so Kinski. Insbesondere in Widerspruchs- und Klageverfahren – also wenn ein Anspruch zuvor bereits abgelehnt wurde – verspricht das Einschalten des VdK seinen Worten zufolge sehr häufig Erfolg. Knapp 3000 Rechtsberatungen führten Kinski und zwei weitere VdK-Experten im vergangenen Jahr durch, in 435 Fällen vertraten sie Mitglieder vor Gericht. Außer in der Tölzer Geschäftsstelle werden alle zwei Wochen auch in den Rathäusern in Geretsried und Wolfratshausen Beratungstermine vergeben.

Über den rechtlichen Beistand hinaus finden die Mitglieder in den 28 Ortsverbänden des Kreises ein umfassendes gesellschaftliches Angebot: „Kürzlich haben wir einen Ausflug ins Nördlinger Ries gemacht. Und Anfang August steht unser großes Sommerfest ins Haus“, berichtet Gisela Lucht. Sie leitet seit acht Jahren den Ortsverband Geretsried mit rund 1250 Mitgliedern. Zusammen mit ihren neun Vorstandskollegen organisiert sie auch den monatlichen Stammtisch. Der dient nicht nur dem gemütlichen Beisammensein, sondern darüber hinaus der Information über Themen wie Pflegedienste oder Technik im Alter. 40 weitere Ehrenamtliche helfen beim Austragen der Mitgliederzeitung und besuchen Jubilare zum Geburtstag oder einsame Menschen im Pflegeheim. „Wir sind wie eine große Familie“, sagt die Ortsvorsitzende stolz. Auch das ist, so die Erfahrung der 66-Jährigen, neben der sozialrechtlichen Beratung ein Beweggrund, dem VdK beizutreten: „Viele finden bei uns zum Beispiel nach dem Tod des Ehepartners wieder gesellschaftlichen Anschluss.“

Der stetige Mitgliederzuwachs stärkt zudem die Position des VdK als sozialpolitische Interessenvertretung. Lucht: „Wir arbeiten viel mit der Stadt zusammen, um mehr Barrierefreiheit bei Bauprojekten zu erreichen.“ Auf Bundesebene kämpft der Sozialverband für ein gerechtes Rentensystem, die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung und bessere Pflegeleistungen. Die Abkürzung VdK stand ursprünglich für „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands“. Heute steht der Sozialverband allen Menschen offen. Deutschlandweit hat er rund 1,9 Millionen Mitglieder. Doch das starke Wachstum hat auch seine Schattenseiten: „Es wird immer schwieriger, Nachwuchs für die Ehrenämter zu finden“, klagt Kinski. Ohne die bundesweit mehr als 60 000 Ehrenamtlichen in den Ortsverbänden wäre der Sozialverband gar nicht denkbar.

cw

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