VonManuel Eserschließen
Er hatte eine kurze Nacht. Nach dem düsteren Ergebnis der Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl wachte SPD-Kreisvorsitzender Peter Warlimont zu einem Zeitpunkt auf, als es draußen noch stockfinster war. „Ich konnte dann nicht mehr einschlafen“, berichtet er. „Dazu hat es in mir zu sehr gearbeitet.“
Freising – Mit welcher Erkenntnis ist der Freisinger aus dem Bett gestiegen? „Dass es für die SPD eine große Herausforderung wird, den Charakter einer Volkspartei beizubehalten.“ Um annähernd zu einer Quote von 30 Prozent zurückzukehren, müsse man Wähler aus unterschiedlichsten Richtungen umwerben – auch jene, die ins rechte Spektrum abgewandert sind. Denn: „Die SPD hat auch rund eine halbe Million Stimmen an die AfD verloren. Da können wir nicht einfach einen Haken setzen.“
Die Marschroute von Parteichef Martin Schulz, in die Opposition zu gehen, befürwortet Warlimont. „Wir haben beim letzten Mal schon kein überragendes Ergebnis erzielt. Jetzt haben wir in Regierungsverantwortung noch mal fünf Prozent verloren, obwohl wir sozialdemokratische Politik wie den Mindestlohn, die Ehe für alle und die doppelte Staatsbürgerschaft durchsetzen konnten“, sagt er. Seine Schlussfolgerung: „Wir haben vom Wähler keinen Auftrag mehr bekommen zu regieren.“
In der Verantwortung sieht Warlimont dieses Mal andere Parteien. „Vor vier Jahren war das Wahlergebnis so, dass die SPD gefordert war, dieses Mal sind es Grüne und FDP.“ Glaubt er, dass es mit der Jamaika-Koalition tatsächlich klappt, oder erwartet er Neuwahlen? „Ich rechne damit, dass es mit der Koalition klappt“, sagt er. Denn Deutschland stehe für eine Tradition der Stabilität.
