Wasserwirtschaftsamt Weilheim

Spektakulärer Blick auf die Dürrach: Umbau der Stierschlagsperre abgeschlossen

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Nachdem der Kies umgelagert wurde, hat sich die Dürrach ihr eigenes Bett gegraben.
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Die Sanierung und der Umbau der Stierschlagsperre durch das Wasserwirtschaftsamt ist abgeschlossen. Dadurch ist die Dürrach nun nach Jahrzehnten wieder aufgetaucht.

Lenggries – Es sieht spektakulär aus. Wer auf der Stierschlagsperre steht und nach unten blickt, sieht die Dürrach. Weit unten schlängelt sich das schmale Band Wasser Richtung Sylvenstein. Links und rechts haben sich steile Ufer gebildet, Fels ist zu sehen, Kies, Schwemmholz. Schicht für Schicht hat sich dort über die Jahrzehnte abgelagert. „Wir hatten auch schon Morphologen aus ganz Deutschland da, die sich das angeschaut haben“, sagt Tobias Lang, am Wasserwirtschaftsamt zuständig für den Sylvensteinspeicher und dessen Zuflüsse.

Bis 2020 füllten Kiesmassen den Raum vor der Sperre. Links das Schild, das Bootsfahrer zum Aussteigen auffordert.

Bis vor wenigen Monaten gab es dort nichts als Kies

Wer bis vor wenigen Monaten auf dem Bauwerk stand, über das auch der Weg Richtung Lerchkogelalmen führt, sah nichts anderes als Kies. Seit dem Bau der Sperre 1960 hatte sich der Raum davor nach und nach mit Geschiebe gefüllt. Irgendwann in den 80er-Jahren war alles bis zur Sperrenkrone randvoll. Von der Dürrach war an dieser Stelle nichts mehr zu sehen. Das wenige Wasser, das unterhalb der Bächentalsperre – dort wird der Bach Richtung Achensee abgeleitet – überhaupt noch floss, versickerte komplett im mächtigen Kieskörper.

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2020 begann das Wasserwirtschaftsamt Weilheim mit dem Umbau und der Sanierung der Sperre. Das Ergebnis kann nun bewundert werden. Als erstes wurde der Kies seitlich umgelagert, dann ein großes Loch in den Fuß der Sperrenwand gebrochen. Da passen nicht nur Fische locker durch, „sondern auch ein 100-jährliches Hochwasser“, sagt Lang.

Rund 85.000 Kubikmeter Kies hat der Bach abtransportiert

Durch die etwa 30 Quadratmeter große Öffnung fließt nun die wieder aufgetauchte Dürrach. Der Kies wurde übrigens nicht mit Lastwagen abgefahren, um den kümmerte sich der Wildbach ganz alleine und transportiert ihn ab. „Etwa 85 000 Kubikmeter sind weg“, sagt Lang. Das Geschiebe fängt sich einige Kilometer flussabwärts in der Rückhaltesperre kurz vor der Mündung der Dürrach in den Sylvensteinspeicher. Dort kann der Kies deutlich leichter ausgebaggert und abgefahren werden.

Eine 30 Quadratmeter große Öffnung im Fuß der Sperrenwand sorgt für eine Durchgängigkeit des Gewässers.

Der Umbau zu einer sogenannten Dosiersperre hat noch einen weiteren Vorteil: Ab dem 100-jährlichen Hochwasser wirkt die in die Sperre gebrochene Öffnung wieder als Drossel beziehungsweise Bremse. Der Raum dahinter kann sich erneut mit bis zu 90 000 Kubikmeter Geschiebe füllen. „Bei nachfolgenden Hochwasserereignissen übernimmt die Dürrach wieder die Räumung“, sagt Lang. Dass der Bach nun tatsächlich diesen Namen wieder verdient, liegt auch daran, dass die Tiroler Wasserkraft AG 2021 dazu verpflichtet wurde, 143 Liter pro Sekunde in der Dürrach zu belassen und eben nicht zur Stromgewinnung abzuleiten. Nicht viel, aber besser als gar nichts. Da noch Nebenbäche Wasser bringen, führt die Dürrach nun durchgehend Wasser. Das ist auch mit Blick auf die Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie wichtig.

Warnschild bleibt hängen - auch wenn das Wasser selten zum Bootfahren reicht

Seitdem dort wieder ein schmales Bächlein fließt, mutet auch ein Schild etwas weniger skurril an, das ein Stück flussaufwärts hängt und Bootsfahrer zum Aussteigen auffordert. Das baumelte nämlich bis vor Kurzem direkt über dem gewaltigen Kieskörper. Für Bootsfahrer reicht das Wasser aber natürlich auch jetzt nicht – zumindest an den meisten Tagen. Bei Hochwasser sieht das ganz anders aus. Daher warnt das Schild weiterhin vor der Gefahrenstelle und bleibt hängen.

Um die Standfestigkeit des Sperrenbauwerks und der Brücke nicht zu gefährden, stand zudem eine Sanierung am Fels an, in den die Sperre eingebettet ist. In diesem hatten sich über die Jahre Hohlräume gebildet. „Das kann man sich wie Karies vorstellen“, sagt Lang.

Ursprünglich waren sechs Sperren in der Dürrach geplant

Rund 550 000 Euro hat das Wasserwirtschaftsamt in die Sanierung investiert. Auch mit Blick auf diese Summe dürfte man froh sein, dass der einst gefasste Plan, insgesamt sechs Sperren in die Dürrach zu bauen, nie verwirklicht wurde. Auch die Stierschlagsperre wird seit dem Bau der Geschiebesperre nahe dem Sylvenstein eigentlich nicht mehr gebraucht – wohl aber die Almerschließungsstraße, die über das Bauwerk führt.

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