Flüchtlinge

Landrat: „Habe keine Perspektive“: Turnhallensituation weiterhin kritisch – Andrang ungebrochen

+
Eine Szene, die sich so schnell nicht wiederholen wird: Aufräumarbeiten in der Tegernseer Turnhalle, nachdem die Flüchtlinge der Welle von 2015/16 ausgezogen sind.
  • schließen

Das Geschrei spielender Kinder wird es auch in absehbarer Zeit in zwei Turnhallen in Miesbach und am Gymnasium Tegernsee nicht geben.

Landkreis – Landrat Olaf von Löwis (CSU) unterstrich in der jüngsten Sitzung des Sportbeirats: keine Besserung in Sicht. In drei von acht Turnhallen im Landkreis kann immer noch kein Sport betrieben werden – diese sind vom gesamten Sportbetrieb abgemeldet.

Die Flüchtlingslage bleibe angespannt, erklärte Löwis. „Es kommen immer noch 50 Flüchtlinge alle zwei Wochen.“ In den Sporthallen Berufsschule und Gymnasium Miesbach (seit März 2022) sowie Gymnasium Tegernsee (seit Dezember 2022) sind Geflüchtete untergebracht.

Über 1800 Flüchtlinge untergebracht: Situation im Landkreis „sehr frustrierend“

Wie das Landratsamt auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt sind aktuell (Stand 14. Juli) 920 Geflüchtete aus der Ukraine sowie 911 aus dem Bereich Asyl im Landkreis untergebracht – insgesamt also über 1800 Personen. Vor der Ukraine Krise lebten 382 Asylsuchende im Landkreis. Die Lage sei „sehr frustrierend“, sagte Löwis im Sportbeirat, als vor Vertretern jener, die – neben Schülern – von der Hallensperrung besonders betroffen sind. „Doch es nützt nichts, wenn man keine Alternativen hat.“ Im Moment kämen überwiegend Asylsuchende über das Mittelmeer an.

In der Flüchtlingskrise 2015/16 lebten maximal 750 Asylbewerber im Landkreis – bei einer Zuweisung von maximal 35 Personen pro Woche. „Es ist schwer hier zu sitzen und zu sagen, ich habe keine Alternativen.“ Der Landkreis kriege die Flüchtlinge weiterhin. „Wir haben keine Perspektive.“

Asyl und Einwanderung: Kapazitätsgrenze fast erreicht

In den übrigen fünf Hallen läuft der Sportbetrieb für Schule und Vereine indes weiter. Dies sei laut Löwis auch der Verdienst des ehrenamtlichen Helferkreises. Ohne die „wäre die Situation noch viel schwieriger“. Die Kapazitätsgrenze ist laut Landratsamt in Miesbach und in Tegernsee so gut wie erreicht. In der Turnhalle des Gymnasium Miesbach sind aktuell 70 Plätze belegt. Die restlichen 190 Plätze werden allerdings kurzfristig benötigt. „Hier werden weitere Zuweisungen untergebracht“, erklärte Sabine Kirchmair, Sprecherin des Landratsamts. In der Berufsschule sind hingegen 134 von 150 Plätzen belegt. Ähnlich gestaltet sich die Situation im Gymnasium Tegernsee. Dort sind mit 184 von 200 Plätzen fast alle Kapazitäten aufgebraucht.

„Den Sportlern, die auf andere Turnhallen ausweichen müssen – ohne Murren und Meckern – muss hier ein großes Lob ausgesprochen werden“, sagte Max Niedermeier, der ARGE-Vorsitzende. Von diesen Widrigkeiten seien landkreisweit rund 2400 Erwachsene und 1400 Kinder betroffen – zeitweise trainierten unter anderem die erwachsenen Fußballer im Winter draußen. Es habe keine Beschwerden gegeben.

Weitere Sammelunterkünfte geplant: Flüchtlingskapazität soll erhöht werden

Im Ringen um Alternativen greift der Landkreis bekanntlich auf Sammelunterkünfte zurück. Beim Standort Holzkirchen – einer Kapazität von 218 Plätzen – stellt sich der Sachstand folgendermaßen dar: „Die Container wurden bereits ausgeschrieben, derzeit werden die Angebote gesichtet“, sagte Kirchmair. „Hier kommen wir also Schritt für Schritt voran.“ Anders gestaltet sich die Lage in Hausham – dort „hat sich noch keine Einigung mit dem Eigentümer erzielen lassen“. An beiden Standorten sollen nur Flüchtlinge untergebracht werden, die laufend dazukommen.

Abgestellt beim Landratsamt: Die Flüchtlinge werden regelmäßig von München in den Landkreis gebracht. Ob Unterkünfte frei sind, ist dabei Nebensache.

Auch die Planungen die Senioren-Residenz Schliersee als Unterkunft benutzen zu können, scheinen sich zerschlagen zu haben. Kirchmair: „Der Eigentümer hat bislang auf unsere Anfrage nicht reagiert, sodass wir weiterhin davon ausgehen müssen, dass es zu keiner Anmietung kommen wird.“ Die Gemeinden, Städte und Märkte würden eng mit dem Landratsamt zusammenarbeiten und suchen intensiv nach adäquaten Unterkünften. „Die hier einzuhaltenden Brandschutzmaßnahmen erleichtern die Bereitstellung nicht“, kritisierte Löwis die derzeitigen Vorgaben.

Zukunft der Hallen unklar: Instandhaltungsmaßnahmen liegen derzeit auf Eis

Er lobte im Sportbeirat das Verständnis, das Sportler und der Vereinsvorstände für die aktuelle Hallensituation aufbringen: „Ein großes Lob und einen herzlichen Dank an dieser Stelle.“

Auch wie es mit den Hallen nach einem Auszug der Flüchtlinge weitergeht, ist nach jetzigem Stand unklar. Die Gymnasiumhalle Miesbach muss erst von einem Statiker überprüft werden. Sämtliche Instandhaltungsmaßnahmen liegen derzeit auf Eis. Ähnlich sieht die Situation in Tegernsee aus. Dort wurden die Dachträgersanierung, Erneuerung der Trennvorhänge und die Modernisierung der Hallenbeleuchtung aufgrund der benötigten Unterkunftsplätze gestoppt. Nach der Wartung seien Reparaturen sowie der Ersatz von Klettertauen, Schaukelringen und des Deckengerüsts vonnöten. Auch die Bestellungen von diversen Sportgeräten warten aktuell auf Freigabe. Löwis schätzt die Kosten dafür auf rund 20 000 Euro. Dies sei jedoch im Hinblick auf die zu erwartende Generalsanierung „Peanuts“.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Miesbach und der Tegernsee-Region finden Sie auf Merkur.de/Miesbach.

Kommentare