- VonJulian Limmerschließen
Der Streit um einen neuen Zaun an der Eisbachwelle E2 geht weiter. Die Eigentümer, die den Zaun aufstellen ließen, erklären nun den Grund. Und die Surfer wollen weiter für ihre Welle kämpfen
München– Münchens Surfer sind sauer – aber nicht nur sie! Ein Streit um die Eisbachwelle E2, auch Dianabadschwelle genannt, schäumt über. Anwohner eines Anwesens an der Oettingenstraße, das direkt an die Welle angrenzt, wollen die Surfer nicht mehr auf ihrem Grundstück haben. Deshalb ließen sie vergangene Woche neue Zaunelemente anbringen. Für viele Surfer machen diese den Einstieg auf die Welle jetzt fast unmöglich.
Streit um Eisbachwelle in München: Anwohner sprechen von „Belästigungen“
Nun meldet sich die Eigentümergemeinschaft des Grundstücks erstmals selbst zu Wort: Man „sah sich aufgrund der massiv angestiegenen Belästigungen durch Lärm, Unrat, nächtliche Ausleuchtung und vor allem wiederholte Beschädigungen zu dem Schritt gezwungen“, heißt es in einem Statement. Immer wieder hätten Surfer auch den bereits bestehenden Zaun beschädigt. Die Eigentümer habe das bislang insgesamt 28.000 Euro gekostet, heißt es in der Stellungnahme.
Zum Hintergrund: Auch bislang gab es einen Zaun am Ostufer der Welle hin zu dem Grundstück Oettingenstraße – ein kleiner Spalt war jedoch offen. Die Surfer gelangen von der Öffnung aus mit den Brettern auf das Wasser. Das ist durch die neuen Elemente nun nicht mehr möglich – für die Sportler ein Problem: „Das macht es für Surfer unglaublich schwer und sogar gefährlich“, sagt Stefan Hornung (53) von der Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM). Profis oder sehr geübte Surfer könnten sich zwar noch irgendwie vorhangeln, Anfänger hätten aber kaum mehr eine Chance, aufs Wasser zu gelangen.
Für Anfänger wird jetzt schwierig, die Eisbachwelle E2 zu surfen
Dabei ist die Eisbachwelle E2 genau unter solchen besonders beleibt. Anders als die berühmte Eisbachwelle am Haus der Kunst: Diese sei für Neulinge nämlich nicht zu empfehlen: „Sie hat viel zu viel Power“, sagt Hornung. Und die dritte Surferwelle in München an der Floßlände in Thalkirchen ist nur immer Sommer vorhanden. „Wenn jetzt die Dianabadschwelle wegfällt, killt uns das“, sagt Hornung. Das Problem: Schon jetzt gebe es zu wenig Wellen für die mehreren tausend Surfer allein aus München, sagt er. „Für Anfänger wird es jetzt schwieriger, mit dem Sport zu beginnen“, ergänzt Surfer Dominik Maier (23). Er selbst lernte das Surfen auf der E2-Welle.
Doch den Eigentümern des angrenzenden Grundstücks scheint die Sache ernst zu sein: Sie wollen den Zutritt auf das Grundstück verhindern. Zumal das Surfen auf dem Eisbach eigentlich illegal ist und nur geduldet wird. Einige Anwohner klagten auch über „nächtliche Surfpartys“. Als Nachbarn um Rücksicht gebeten hätten, seien sie teils sogar beschimpft worden, so die Eigentümer. Die IGSM zeigt Verständnis: „Wir versuchen, unsere Surfer dafür zu sensibilisieren“, sagt Thomas Grashei vom IGSM. Es seien – wenn überhaupt – nur wenige, die Ärger machten.
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Ende 2024 gab es ein Treffen zwischen Surfern und Anwohnern – dabei kamen auch die Schäden am bisherigen Zaun zur Sprache. Vonseiten der IGSM heißt es nun dazu, dass nicht alle ihnen angelasteten Schäden wirklich durch Surfer entstanden seien. Trotzdem habe der Verein sogar finanzielle Entschädigung angeboten, sagt Grashei. Eine Einging kam nicht zustande.
Unterstützung bekommen die Surfer nun durch eine neue Petition: Sie verlangt Rettung der Münchner Surfkultur – und fordert eine sofortige Entfernung des Zauns. Knapp 2000 Menschen haben sie bislang unterschrieben.
