Im Rahmen der beiden Herbstkonzerte

Stabwechsel bei der Musikkapelle Holzhausen: Jetzt dirigiert eine Frau

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Volles Haus: Die Musikkapelle Holzhausen gab am Wochenende zwei Herbstkonzerte.
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Stabwechsel bei der Musikkapelle Holzhausen: Nach über zehn Jahren als Erster Dirigent übergibt Bernhard-Ludwig Reiser seine Aufgaben an Lisi Hinterholzer.

Holzhausen – Eigentlich wollte Reiser Kapitän werden. „Ich hatte mich bereits in Hamburg zum Studium angemeldet – doch dann kam Pfarrer Klein.“ Der nahm den jungen Mann, der bereits Akkordeon spielen konnte, zur Seite: „Die hohe See passt nicht zu dir, so heimat- und familienverbunden wie du bist.“ Auch Frau des Pfarrers sah die Begabung Reisers eher auf dem musikalischen Sektor. Und so besuchte sie mit ihm kurzerhand das Richard-Strauß-Konservatorium, eine Fachakademie zur Ausbildung von Berufsmusikern und Musiklehrern in München, um Reiser ein Musikstudium nahe zu bringen. „Die eigentliche Eingebung kam mir ausgerechnet bei einer Bergmesse“, erzählt Reiser und lacht. „Nach diesem wunderbaren Erlebnis war ich überzeugt.“

Stabwechsel: Dirigent Bernhard-Ludwig Reisner mit seiner Nachfolgerin Lisi Hinterholzer (21).

Er meldete sich in Hamburg ab und in München an. Nach einem fünfjährigen Studium legte der Holzhauser die Musiklehrprüfung ab. Eigentlich war Reisers Plan, als Musikschullehrer an einer Realschule zu arbeiten. „Doch plötzlich gab es diesen Ausbildungszweig nicht mehr.“ Er bewarb sich bei der Städtischen Sing- und Musikschule München, heute mit jährlich 11 000 Schülern Deutschlands zweitgrößte Musikschule. Reiser begann als Lehrer für musikalische Grundausbildung, Klarinette und Akkordeon, wurde Fachbereichsleiter für Volksmusik, Bezirksleiter – und ist heute Vize-Schulleiter.

Und dann war da noch die Sache mit der Musikkapelle Holzhausen, die sich zeitgleich mit Reisers Einstieg vor 42 Jahren an der Städtischen Sing- und Musikschule formierte. Allerdings nicht ganz ohne Zutun des Holzhausers: „Ich war Gründungsmitglied.“ Erster Dirigent war damals Michael Bierbichler, dann stand Franz Haidu, mit Reiser als Zweiten Dirigenten an seiner Seite, den Musikern über 30 Jahre lang vor. Vor zehn Jahren übernahm der 62-Jährige an erster Stelle den Dirigentenstab.

Ganz nebenbei gründete er auch noch eine Big Band, die er jahrelang leitete. „Diese Aufgabe habe ich vor einem Jahr abgegeben“, sagt er. Und jetzt ist auch seine Zeit am Dirigentenpult der Musikkapelle vorbei: „Ich finde es ganz toll, dass mit Lisi Hinterholzer jemand aus unseren eigenen Reihen kommt und so dieser Posten qualifiziert besetzt wird.“ Auf die andere Seite, zu den Musikern der Kapelle, wird der 62-Jährige nicht wechseln – auch wenn er vorhat, weiter aktiv Musik zu spielen. „Das wäre meiner Nachfolgerin gegenüber nicht fair“, begründet er seine Entscheidung. „Man würde mich immer als den alten Dirigenten sehen.“ Er rechnet damit, dass Hinterholzer neue Ideen mitbringt und die Stelle anders ausfüllen wird. „Und das ist auch gut so.“  

sh

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