Studie des Portals Immoscout

Von wegen billiges Umland: Mieten steigen rund um München rasanter als in der Stadt

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Wer günstiger wohnen wollte, hat in der Vergangenheit einen Blick auf die Angebote in den Umland-Gemeinden geworfen. Das lohnt sich immer weniger.

München – Münchner mit mittelgroßem Geldbeutel kennen das: Man arbeitet in der Stadt, die Familie wird größer, der Platzbedarf auch – und man hätte gern eigene vier Wände. Da blieb meist nur der Speckgürtel, der Wegzug ins Umland. Was für Eigentum gilt, gilt auch für Miete: Die Kosten etwa in Augsburg oder Ingolstadt lagen lange weit unter den Münchner Werten.

Im Umland von München steigen die Mieten schneller als in der Stadt, wie diese Grafik zeigt.

Jetzt scheint sich da was zu ändern: Zwar ist es im Umland immer noch billiger als in der Stadt – aber im Speckgürtel scheinen die Mieten mittlerweile stärker zu steigen als in München selbst. Laut einer Studie des Portals Immoscout schmilzt der Preisvorteil im Umland zusehends dahin – vor allem im Radius von 76 bis 100 Kilometern um München. Dort ist der Quadratmeterpreis für eine Mietwohnung innerhalb eines Jahres von durchschnittlich 10,14 Euro auf 11,10 Euro gestiegen. Das ist eine Verteuerung um 9,5 Prozent. Zum Vergleich: Im Stadtbereich stiegen die Preise durchschnittlich um 4,5 Prozent.

Mieten-Explosion im Münchner Umland: „Hier ist eine Menge Druck im Kessel“

„Hier ist eine Menge Druck im Kessel“, meint Stephan Kippes vom Immobilienverband IVD. Die Bevölkerung wachse, und es werde zu wenig gebaut. Allerdings geht Kippes davon aus, dass die Angebotsmieten, auf die sich Immoscout bezieht, „nicht der Goldstandard sind“. Er rechne nämlich damit, dass die Mieten, die auf Online-Portalen gefordert werden, am Schluss nicht unbedingt gezahlt werden: „Die Abschlussmieten sind vermutlich niedriger.“

Und es kommt stark drauf an, wo man sucht. Kippes kennt sogar einige Gemeinden im Speckgürtel, wo es in den vergangenen zehn Jahren im Vergleich günstiger geworden ist. So müsse man in Starnberg jetzt nur noch 94 Prozent der durchschnittlichen Miete Münchens bezahlen – vor zehn Jahren waren die Werte noch identisch.

Ebersberg, Freising, Erding – überall steigen die Mieten gewaltig

Andersherum ist es dagegen in Ebersberg. Dort musste man vor zehn Jahren 60 Prozent des Münchner Durchschnittswerts einplanen, jetzt sind es schon 70. Freising und Erding liegen noch etwas höher. Hier beträgt die Durchschnittsmiete zwischen zwölf und 14 Euro pro Quadratmeter – Preise, die man inzwischen auch in Städten wie Ingolstadt oder Augsburg bezahlen muss.

„Wer genau gegenrechnet und die Fahrtkosten miteinbezieht, entscheidet sich mittlerweile manchmal auch gegen das Umland, weil die Mieten nur marginal günstiger sind als in der Stadt“, sagt Angela Lutz-Plank vom Mieterverein. „Der Vorteil ist, dass im Umland häufiger beispielsweise Wohnungen mit Garten für Familien zur Verfügung stehen.“

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Rubriklistenbild: © Schlaf/Grafik: tz

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