Sonder-Parkplätze oft leer oder illegal zugeparkt

Stadt will Carsharing ausbauen – Kritiker klagen über „reihenweise“ leere Parkplätze

  • schließen
  • Daniela Pohl
    Daniela Pohl
    schließen

Vier Menschen teilen sich ein Auto. Klingt gut. Doch das Interesse am Carsharing scheint in der Realität nicht so groß, wie das Piktogramm auf dem Verkehrsschild für das „geteilte Auto“ vermuten lässt. Vielmehr stehen eigens gekennzeichnete Carsharing-Parkplätze in der Stadt reihenweise leer – oder werden einfach von Privatautos zugeparkt. Klagen kommen zum Beispiel aus Schwabing und Trudering. Die Stadt will die Stellflächen derweil ausbauen.

Stellplätze für Carsharing sind oft entweder leer oder werden von privaten Autos widerrechtlich genutzt. Das wiederum kann Folgen haben, Bußgelder von 55 Euro drohen.

Mitten im zugeparkten Schwabing klafft entlang eines Parkstreifens an der Hohenzollern-/Hiltenspergerstraße eine große Lücke. „Zehn bis zwölf Parkplätze stehen hier wochenlang leer“, kritisiert ein Anwohner. Denn parken darf dort nur, wer ein Carsharing-Auto nutzt. Wer sich widerrechtlich hinstellt, der muss blechen – und zwar 55 Euro. Eine leidvolle Erfahrung, die auch der Anwohner schon selbst gemacht hat.

Truderinger CSU: Carsharing nimmt Parkplätze weg

Auch in Trudering ist der Unmut groß. Dort gibt es seit rund einem halben Jahr Mobilitätsstationen. Dort sollen gebündelt alle möglichen Fortbewegungsmittel wie Mieträder, E-Scooter, Roller und Leihautos angeboten werden. Nur habe dies keinen Sinn, wenn diese Gebiete gar nicht zum Geschäftsbereich der Carsharing-Anbieter gehören, findet die Truderinger CSU. „Fakt ist, dass alle gängigen und vor allem größeren Anbieter ihre Geschäftsgebiete gar nicht bis nach Trudering und Riem ausgebaut haben und dies wohl auch in absehbarer Zeit nicht ausbauen werden“, sagt Martin Lohr (CSU).

Carsharing-Parkplätze in der Hohenzollernstraße stehen leer.

Widerspruch kommt aus der Verwaltung: „Aktuell gibt es mindestens einen Anbieter vor Ort“, sagt eine Sprecherin des Mobilitätsreferats. Ein Blick auf die Geschäftsgebiete großer Anbieter wie Miles, Share Now und Sixt Share zeigt aber: Stadtrandgebiete wie Trudering, Feldmoching oder Allach sind oft (noch) ausgeschlossen. Man sei mit den Anbietern in einem „konstruktiven Austausch“, sagt die Sprecherin des Mobilitätsreferats. Darauf setzen auch die Grünen im BA Trudering, Verfechter des Carsharings. Die reservierten Spezial-Parkplätze seien „mühsam erkämpft“ und sollen die Anbieter anlocken, argumentiert Christoph Heidenhain (Grüne). Kleine Firmen seien bereits auch in den Stadtrandgebieten aktiv. Tatsächlich gibt es aktuell einen einzelnen Anbieter, der bei der Messe, den umliegenden Gewerbegebieten und Hotels ein Geschäft wittert und dort Leihautos anbietet.

Bis 2026 soll es 1600 Carsharing-Stellplätze geben

Aktuell stehen in der Stadt rund 6000 Carsharing-Fahrzeuge zur Verfügung. Laut Mobilitätsreferat-Sprecherin gibt es 442 Carsharing-Stellplätze, 80 weitere seien in Umsetzung. Bis 2026 soll es bis zu 1600 geben. Die Nachfrage der Münchner nach den geteilten Autos sei groß: „Mit hochgerechnet rund 3,5 Millionen Fahrten zum Ende dieses Jahres zeigt sich eine Steigerung von über 20 Prozent seit 2017.“ Die Sprecherin betont, dass man sich derzeit in einer „Transformationsphase“ befinde.

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

Kommentare