Neue Lösung gefunden

Wegen der Archäologie: Stadtmuseum soll einen Anbau bekommen

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An dieser Ecke zwischen Museum und Stadtpfarrkirche ist ein eingeschossiger Anbau im Gespräch. Am morgigen Donnerstag entscheidet der Weilheimer Stadtrat darüber.
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Für die Umgestaltung des Weilheimer Stadtmuseums steht eine überraschende neue Lösung im Raum: Zwischen Museum und Stadtpfarrkirche soll ein einstöckiger Anbau entstehen. Grund für die Umplanung sind neue archäologische Erkenntnisse.

Weilheim – Sie ist seit Jahren beschlossen, wurde wegen knapper Finanzen aber auf unbestimmt verschoben. Deshalb war lange nichts mehr zu hören und zu sehen von der geplanten Sanierung und Neugestaltung des Weilheimer Stadtmuseums. „Aber im Verborgenen“, so Stadtbaumeisterin Katrin Fischer in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung, „ist einiges passiert“ – und zwar mit durchaus überraschenden Folgen.

Kulturschichten bis in 1,70 Meter Tiefe

Da gab es restauratorische Voruntersuchungen an Dachstuhl, Fassade und Außentreppe. Im Blick auf Schadstoffe wurden Putzschichten unter die Lupe genommen. Und in archäologischen Untersuchungen ging’s an die Fundamente des 1788 grundlegend umgebauten Hauses, das über die Jahrhunderte unter anderem als Kornkammer diente und bis 1936 Weilheims Rathaus war. Die Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege fanden heraus, dass bis in 1,70 Meter Tiefe Kulturschichten aus einer früheren Schrannenutzung vorhanden sind. „Daran kann man ablesen, wie sich die Weilheimer früher ernährt haben“, erklärte Fischer im Bauausschuss.

CSU sieht die Idee eher kritisch

Folge dieser Funde: Wollte die Stadt die eigentlich beschlossene Umbauplanung verwirklichen, die eine Unterkellerung des Stadtmuseums vorsieht, dann wäre eine aufwendige Freilegung der Kulturschichten durch ein größeres Archäologenteam nötig, mitsamt labortechnischen Untersuchungen und Dokumentation. Das würde Extra-Kosten von mindestens 500 000 Euro bedeuten, so Fischer.

Um das Ausmaß der Bodeneingriffe wenigstens zu begrenzen, kam die Überlegung auf, ob eine Lösung mit weniger Unterkellerung möglich wäre. Das Denkmal-Amt selbst habe dabei eine Variante vorgeschlagen, die für den schlanken Solitärbau mit seinen „vier Schauseiten von außen“ bis dato undenkbar schien: einen eingeschossigen Anbau auf dem Reinhard-Schmid-Platz, also zwischen Museum und Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Dieser würde östlich der Freitreppe entstehen, auf Höhe der jetzigen öffentlichen Toiletten. Dort gab es im Boden schon mal einen Bunker, weshalb in diesem Bereich mit weniger spektakulären Funden gerechnet wird.

Museumsleiter warb für Lösung

Vom Münchner Architekturbüro Claus + Forster – das vor einigen Jahren den Wettbewerb zur Sanierung und Umgestaltung des Museums gewann – ließ die Stadt bereits Vorentwürfe für einen solchen Anbau erstellen. Diese werden dem Stadtrat in seiner öffentlichen Sitzung am morgigen Donnerstag präsentiert. Bei der Vorberatung im Bauausschuss gab es ein klares Votum für die Variante, die einen Keller unter dem Anbau, aber nur eine minimale Unterkellerung des jetzigen Museumsbaus vorsieht – und mit grob geschätzten Kosten von insgesamt rund 5,3 Millionen Euro die günstigste Lösung wäre.

In dem Anbau, je nach Variante bis zu 64 Quadratmeter groß, käme der künftige Sonderausstellungsraum unter. Der wäre etwas größer als der jetzige, erklärte Tobias Güthner. Der Museumsleiter warb für eine solche Lösung, auch weil damit zwischen Kirche und Museum „ein attraktiver Platz“ entstünde. Das unterstrich Stadtbaumeisterin Fischer und sprach von einer „Aufwertung der städtebaulichen Situation“. Zur Straße zwischen Museum und „Lesbar“ bliebe dann nurmehr eine kleine Gasse, direkt an der Stadtpfarrkirche. Die Kreuze, die dort in Erinnerung an den einstigen Friedhof stehen, müssten teils versetzt werden.

Nur eine kritische Stimme

Gewiss gebe es oft gelungene moderne Anbauten an historische Gebäude, sagte CSU-Stadtrat Klaus Gast, der auch als Kreisheimatpfleger fungiert. „Aber hier kann ich mir das aufgrund des historischen Bezugs zwischen Museum und Kirche nicht vorstellen.“ Ein Anbau wäre „nicht würdig für diese Stelle“, befand Gast und sprach sich im Ausschuss als einziger gegen diese Lösung aus. In der CSU-Fraktion werde ein Anbau „kritisch gesehen“, ergänzte Sprecherin Marion Lunz-Schmieder. Sie selbst könne sich eine solche Lösung je nach Ausführung „ganz gut vorstellen“, wenngleich es „eine massive Veränderung der gewohnten Situation“ wäre.

„Wenn das Denkmalamt eine solche Variante vorschlägt, müssen wir doch nicht sagen, dass wir das nicht wollen“, betonte Brigitte Holeczek (BfW): „Wichtig ist, dass wir weiterkommen und den Keller möglichst wenig antasten.“ Horst Martin (SPD) verwies auf die Vorteile, die ein Anbau brächte – und fügte an: „Ich vertraue darauf, dass eine ansehnliche Lösung möglich ist.“

Die Stadtratssitzung beginnt am Donnerstag, 24. November, um 18.30 Uhr im Rathaus (großer Sitzungssaal). Weitere Themen sind unter anderem die geplante „Energiezentrale Kranlöchl“ und die Vorstellung des Energienutzungsplanes der Stadt Weilheim.

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