Seit 30 Jahren im Dienst für Gott

Stadtpfarrer Demmelmair zum Priesterjubiläum: Ein paar Dellen, aber total zufrieden

+
Demmelmair: „Was ich noch rüberbringen will? Unverbrüchliches Gottvertrauen, auch in einer Zeit des totalen Wandels.“

„Natürlich“, räumt Peter Demmelmair gelassen ein, „gibt’s nach 30 Jahren ein paar Dellen“. Aber, so fügt er hinzu: „Ich habe nichts zu bereuen und bin total zufrieden.“ Am Wochenende feiert der Tölzer Stadtpfarrer sein 30-jähriges Priesterjubiläum.

Bad Tölz – Am Besprechungstisch des Pfarrers liegt zufällig ein Blatt mit „10 Geboten“ für die Hochzeitsvorbereitung. Und schon ist der vor Kurzem 58 Jahre alt gewordene Demmelmair mittendrin im drängendsten Thema, das die Kirchen heute beschäftigt: Die zunehmende Entfremdung der Gesellschaft von Religion und Glaube. „Der Gottesbezug schmilzt wie das Eis in der Arktis“, beschreibt es Demmelmair unverblümt. Vielen Brautpaaren müsse man etwa den Messablauf bis ins Detail erklären. Eines der „10 Gebote“ bezieht sich darauf, dass bei einer kirchlichen Trauung geistliche Lieder zu hören sein sollen, keine U-Musik, auch wenn sie noch so schön und romantisch klingt.

„Vor 200 Jahren haben wir die äußere Säkularisation erlebt, jetzt erleben wir die innere“, sinniert der Tölzer Pfarrherr, der seit fünf Jahren in Tölz ist. Und nicht nur die Kirchen werden leerer, auch der Priesternachwuchs lässt nach. Heuer gab’s gerade mal drei Priesterweihen in der Diözese. „Eigentlich bräuchten wir 50“, sagt Demmelmair.

Keine guten Perspektiven also für einen Priester, der 30 Jahre dabei ist und eigentlich noch gut zehn Jahre im Amt sein sollte? Peter Demmelmair schüttelt den Kopf und zitiert grinsend den alten Spruch: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“ Wortgewaltiger Prediger, der er ist, liefert er gleich die Auslegung dazu: Aus menschlicher Sicht, sei die Lage für die Kirche derzeit eher hoffnungslos. „Aber wir“ – Demmelmair lächelt – „wissen ja, dass wir auf der richtigen Seite stehen.“ Der Heilige Geist werde schon für die richtigen Impulse sorgen.

Lesen Sie auch: Pfarrer Demmelmairs Traum: Ein neuer Pfarrsaal am Frauenfreithof

Was ihm noch Hoffnung macht? Zum Beispiel, dass aus einer flächendeckenden Volkskirche eine „Entscheidungskirche“ geworden ist. Heute gehen nur noch die in die Kirche, die wirklich wollen. Und es sei doch verblüffend, dass viele, die selbst nicht mehr in die Messe gehen, den Bedeutungsverlust der Kirche als schmerzhaft empfinden. In übertragener Weise könne man das zum Beispiel auch in Film und Fernsehen beobachten. „Nie gab es mehr Pfarrer- und Nonnen-Filme als in der heutigen Zeit“, sagt Demmelmair, „auch, wenn’s da meistens um viel Kitsch und wenig Realität geht.“ Dennoch komme da indirekt der Wunsch nach einer stabilisierenden, wichtigen, guten Kraft zum Ausdruck.

In einer immer materialistischeren Welt beobachtet der Tölzer Pfarrer auch immer häufiger die Suche der Menschen nach einer spirituellen Seite in sich. Es gehe darum, die Kirche wieder als verlässliche Instanz und Antwort auf diese Suche ins Gespräch zu bringen. Und auf sich selbst bezogen, hält er es für eine „ungeheuer spannende Aufgabe, in einer säkularisierten Welt die Mission von einer anderen Botschaft einzubringen“. Klar ist für den 58-Jährigen aber auch, dass die Kirche mehr Fantasie und Mut benötigt, um etwa das Priesteramt weiterzuentwickeln. „Viri probati“, Diakonat der Frau und Zölibat sind für Demmelmair längst ernsthafte Lösungsansätze, die diskutiert werden müssen. „Und zwar auf allen Ebenen“, ergänzt er vielsagend

Kurzer Rückblick: Am 2. Juli 1988 wurde Peter Demmelmair in München zum Priester geweiht. Sein Bruder Paul war schon zwei Jahr zuvor ordiniert worden. Demmelmair ist derselbe Weihejahrgang wie Weihbischof Wolfgang Bischof.

Lesen Sie auch: Gregor Dorfmeister - Bewegender Abschied von einem Tölzer Vorbild

Nach Stationen als Kaplan in Wolfratshausen (Demmelmair war an Leonhardi Mitfahrer auf dem legendären Königsdorfer Wagen von Pfarrer Paul Fischer) und Gelting folgten die Berufung zum Jugendpfarrer in Rosenheim und 1996 schließlich die Ernennung zum Berchtesgadener Pfarrer. Für den gebürtigen Ruhpoldinger schloss sich da schon der Kreis. Der Bergfreund, Tourengeher und Vorstand eines philharmonischen Orchesters (Bad Reichenhall) fühlte sich in Berchtesgaden pudelwohl. Als er 2013 als 53-Jähriger nach Tölz berufen wurde, sagte ihm Kardinal Friedrich Wetter voraus, dass sich so ein Baum nicht einfach verpflanzen lassen würde. Und so war es auch, wie Demmelmair einräumt.

Es habe schon seine Zeit gebraucht, bis er in Tölz angekommen sei, wo es nicht ganz so traditionell und familiär zugegangen sei. Aber jetzt ist er angekommen und trotz einiger Dellen, die es nach 30 Jahren nunmal gebe, „total zufrieden“. In Tölz sei er gelassener, ruhiger und sicherer geworden. Tölz werde jedenfalls die letzte Station als Pfarrer sein. Ob er bis zum 70. Geburtstag durchhält? Demmelmair zuckt die Achseln. „Mal schauen, ob ich das schaff’.“

An der Tür seines Büros hängt ein Foto von Demmelmair neben dem verstorbenen Kardinal Karl Lehmann. Der sei fast wie ein väterlicher Freund gewesen, sagt Demmelmair. Unerschütterlichkeit und Humor hätten ihn ausgezeichnet. Das sei nach 30 Jahren auch seine Losung.

Christoph Schnitzer

Kommentare