Gar nicht unspannend: Rund 35 Tölzer Bürger nützten am Freitag das Angebot der FWG zum Stadtteil-Dialog auf der Flinthöhe. Das alles beherrschende Thema an allen vier Treffpunkten: der Verkehr. Manchmal hätte man sich gewünscht, dass auch überregionale Einrichtungen (Staatliches Bauamt, Bundesimmobilienverwaltung) solche Dialoge verfolgten, um zu hören, wo den Bürger wirklich der Schuh drückt.
Bad Tölz – Zum Beispiel bei der Ausfahrt vom Lettenholz auf die B 13. Die sei unübersichtlich und führe immer wieder zu Unfällen. Auch werde die Unterführung kaum genützt, was die wackeren FWG-Radler auf dem Weg zur nächsten Station gleich alle unter Beweis stellten. Ärgerlich fand Norbert Wittmann die Parkplatzsituation. Abgestellte Wohnanhänger oder Lastwagen verringerten nicht nur Zahl der Besucherstellplätze, sondern behinderten oft auch die Feuerwehr-Zufahrt und im Winter das Schneeräumen. Gerti Suchan zürnte der Stadt wegen etwas ganz anderem. Es gebe (auch bei der FWG) Stadträte, die in der Öffentlichkeit vom Lettenholz als „nicht gerade bestem Viertel“ sprächen. Das sei ja wohl „übles Stammtischgequatsche“, sagte Suchan und bat um mehr Achtsamkeit der Politiker beim Sprachgebrauch. Ein Anlieger hatte dazu auch gleich noch einen praktischen Vorschlag. „Wenn’s bei uns auch ein paar Blumeninseln gäbe, sähe es gleich ganz anders aus.“ Bürgermeister-Kandidat Michael Lindmair berichtete schließlich noch, dass ein Bushäuschen heuer noch kommt, das andere nächstes Jahr. „Bitte mit Bänken“, regte Ulrike Bomhard an.
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Die Wohnungssituation war beim Treff in der General-Patton-Straße ein wichtiges Thema. Andre Wolf wünschte sich, dass die Stadt die Blöcke des Bundes übernimmt. Der Bund kümmere sich viel zu wenig um seine Mieter. Die Stadt habe schon einmal wegen eines Kaufs angeklopft, sagte Lindmair. Vergebens. Man werde aber dranbleiben. Das Aufnahmesystem in einer der städtischen Blöcke kritisierte Murat Polat. Fünf Jahre betrage die Wartezeit, habe man ihm gesagt. Er sprach von „Spezlwirtschaft“. Polat wünschte sich für die Familien mehr soziale Treffpunkte, Grill- und Spielplätze. Das habe, so räumten die FWG’ler ein, habe es zu Amerikaner-Zeiten auch gegeben. Polat regte schließlich an, dass die Kommune die Kita-Kosten übernimmt.
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Zahlreiche Anlieger waren zum Kreisverkehr Flinthöhe gekommen und machten ihrem Ärger über die mangelhafte Straßen- und Verkehrsplanung im jüngsten Tölzer Stadtviertel Luft. Dass sich so eine Stadtplanung nie mehr wiederholen darf, wie Lindmair sagte, ist das eine. Dass die Stadt, wie im vergangenen Winter geschehen, deshalb vor den Schneemassen kapituliert und einfach nicht mehr räumt, das gehe gar nicht, monierte ein Anwohner. Es gibt zudem viel zu wenig Parkplätze. Dafür wäre ein anderer Anwohner auch bereit gewesen, den Grünstreifen an der Albert-Schäffenacker-Straße zu opfern. Das bremse auch die Raser. Angeregt wurde ein öffentliches WC in dem Stadtteil. „Wie schaut’s denn mit der Nordspange aus?“, wollte ein Bürger wissen. Im Staatlichen Bauamt Weilheim gebe es einen Aktenstau, erklärte Lindmair. „Da muss Druck aufgebaut werden, ich hoffe da auf den neuen Bürgermeister“, ergänzte der scheidende Stadtrat Flori Rein.
Station vier war am Ketteler-Ring, wo auch das Thema Verkehr im Brennpunkt stand. Ein Ehepaar beklagte, dass der städtische Verkehrsentwicklungsplan (VEP) auf völlig falschen Zahlen fuße und deshalb keine richtigen Schlüsse zulasse. Bis zu 7000 Fahrzeugen hätten sie gezählt. Das bezweifelten andere Anlieger freilich. „Die Straße muss jedenfalls raus aus den Navi-Systemen“, forderte Barbara Czerweny. So werde sie als Abkürzer und Umleitung missbraucht.
Auch um die Bahnbrücke ging es. Lindmair hatte sich erkundigt. Die Pläne der Stadt lägen bei der Bahn. Die Auskunft dort: „Vor 2022 passiert da nix.“
Christoph Schnitzer