VonThomas Steinhardtschließen
Die Energiemärkte spielen verrückt, die Preise steigen, Prognosen wagt keiner, Panik will aber auch niemand schüren: Die Stadtwerke haben sich bei ihrer Jahrespressekonferenz erneut als verlässlicher Partner präsentiert und ebenfalls erneut auf den Ausbau erneuerbarer Energien gedrängt.
Fürstenfeldbruck – Dank langfristiger Einkaufsstrategie werde es gelingen, die allgemein steigenden Preise für Bestandskunden zu dämpfen, sagte Andreas Wohlmann von den Stadtwerken. Dies werde aber nur auf gewisse Zeit hin möglich sein. „Wir hoffen, es wird nicht so dramatisch.“
20 Prozent mehr
Bestandskunden müssten bei den Strompreisen im nächsten Jahr trotzdem mit einer Steigerung um etwa 20 Prozent rechnen. Teil des Problems: In Bayern wird gerade in Spitzenlastzeiten viel Gas verstromt, was die Kosten nach oben treibt. Und auch die Preise für die Fernwärme werden teurer, da diese noch stärker ans Gas gebunden ist als der Strom.
70 Prozent mehr
Um die 70 Prozent Teuerung stehen im Raum. Die Gaspreise werden sich wohl verdreifachen. Zu Abschaltungen werde es nicht kommen, meinte Wohlmann. „Aber die Preise.....“ Insgesamt problematisch: Energie, die über die vereinbarten Mengen hinaus zugekauft werden muss, unterliegt den aktuellen Preisen, starken Schwankungen und ist sehr teuer.
Wohlmann und Stadtwerke-Chef Jan Hoppenstedt raten daher zum Energiesparen. Die Senkung der Raumtemperatur sei effektiv genau wie Sparen beim Duschen oder ähnliches. Wohlmann: „Jede gesparte Kilowattstunde hilft uns im Winter.“ Schlechte Auswirkungen dagegen hätte es, wenn plötzlich viele Radiatoren genutzt würden, um via Strom zu heizen. Dann kämen die Stadtwerke über die bestellten Einkaufsmengen Strom hinaus, müssten zukaufen – was eine Preisexplosion zur Folge haben könnten
Was passiert im schlimmsten Fall?
Wenn es wirklich eng werden sollte und entsprechende Regeln auf Bundesebene in Kraft träten, würde mit Sicherheit die Amperoase geschlossen, erklärte Jan Hoppenstedt, der im Moment aber davon ausgeht, dass das Bad nach den Sommerferien ganz normal öffnen wird. Bei der in Blockheizkraftwerken erzeugten Fernwärme etwa für Schulen, Betriebe oder Behörden könnte man Erdgas dank Spitzenlastkessel teils durch Öl ersetzen.
Im Notfall Amperoase zu
Wenn russisches Gas ganz wegfallen würde, könnte man (falls anderes Gas trotzdem fließt) an die 65 Prozent der gewohnten Wärme herstellen, rechnete der Stadtwerke-Chef vor. Falls wegen eines Gasnotstandes die Amperoase geschlossen würde, wäre übrigens auch der Eishockeyverein EVF betroffen, erklärte Hoppenstedt auf Nachfrage. Das Eis fürs Stadion wird zwar mit Strom erzeugt, Duschen und Umkleiden werden aber mit Fernwärme versorgt, was dann wegen der Priorisierung wohl wegfallen müsste.
Keine neuen Kunden mehr
Die Stadtwerke nehmen keine neuen Gaskunden an. Ansonsten müsste man jeden Tag neue Preise kalkulieren. Neue Stromkunden dagegen dürfen die Stadtwerke nicht ablehnen. Diese müssen dann aber dank neuer Regelungen den aktuellen Marktpreis zahlen und profitieren nicht von den Langfrist-Preisen für Bestandskunden.
Ausbau und Ausblick
Regeneratives Ausbaupotential besteht bei Photovoltaik und Windkraft. So arbeiten die Stadtwerke mit Maisach zusammen. Ziel: Die beiden neu geplanten Windräder bei Prack und Malching. Bei der Photovoltaik gebe es immer wieder interessante Grundstücksangebote. Gleichzeitig wird es gelten, das Netz auszubauen. Dies sei, so Hoppenstedt, eine Daueraufgabe. Insgesamt sei von einer Erhöhung des Stromverbrauchs auszugehen.
Die Jahresbilanz 2021 in Zahlen
Der Jahresreport der Stadtwerke zeigt erstmals seit einigen Jahren eine negative Bilanz. Die Ursache dafür sei unter anderem eine Rückstellung. Sie betrifft die Instandhaltung beim Gewässerunterhalt (Wasserkraft).
Zudem hat das zeitliche Auseinanderdriften von Beschaffungs- und Abgabepreisen bei der Fernwärme ein Loch gerissen. Sprich: Die Stadtwerke mussten über Monate teureres Gas kaufen, konnten die Preise aber noch nicht von den Kunden zurück verlangen. Für das Jahr 2022 rechnet man aber wieder mit einem positiven Abschluss.
Die Stadtwerke haben derzeit 159 Mitarbeiter (Tendenz zuletzt leicht steigend) und haben im Jahr 2021 um die 250 000 Megawattstunden Strom abgesetzt. Dazu kommt die Trinkwasserversorgung (2390 Kubikmeter abgesetzt) und das Fernwärmenetz (51 600 Megawattstunden abgesetzt). In die Amperoase beziehungsweise das Freibad kamen insgesamt knapp 98 000 Besucher. Beim Jahresgespräch machte sich auch OB Erich Raff für den Ausbau erneuerbarer Energien stark. Der Ukraine-Krieg erhöhe den Druck, schneller autark zu werden. Im Moment müsse man natürlich prüfen, was und wie gespart werden könnte. In der Stadt FFB liefen entsprechende Überlegungen. st
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