VonDieter Dorbyschließen
Der Altwirt in Parsberg soll abgerissen werden und die Stadt Miesbach soll drei Wandgemälde von Sepp Stallhofer bewahren. Damit befasste sich nun der Miesbacher Finanzausschuss.
Miesbach – Es ist ein ungewöhnliches Thema, das der Miesbacher Finanzausschuss in seiner jüngsten Sitzung zu behandeln hatte. Es geht um die Rettung von drei Gemälden, die der Maler Josef Stallhofer einst im Saal des Gasthofs Altwirt in Parsberg an die Wand gemalt hat. Ihnen droht im Zuge des geplanten Abrisses die Vernichtung. Deshalb hat Andreas Schöttl, Vorsitzender des Trachtenvereins D’Rohnbergler, beim Finanzausschuss angeregt, dass die Stadt die Gemälde sichern solle.
Die eigentliche Initiative ging von Sebastian Westermeier aus, mit dem unsere Zeitung die Stallhofer-Gemälde vor Ort in Augenschein nahm. Der 59-jährige Restaurator aus Miesbach kennt die Bilder im Saal des Altwirts seit seiner Kindheit. „Wir haben früher hier drin auch unsere Plattlerprobe gehabt“, berichtet er im Gespräch. Vor allem aber kennt man einige Personen, die auf dem großen Gemälde abgebildet sind: unter anderem Sepp Sontheim, den damaligen Wirt, und Kiem Pauli, den berühmten Musikanten und Volksliedsammler.
Kosten fürs Abnehmen der Bilder: rund 9000 Euro
„Sepp Sontheim und mein Vater waren enge Freunde“, erinnert sich Westermeier. Angesichts des jahrelangen Leerstands des Gasthofs habe er sich auch immer wieder gedacht: „Wenn das Gebäude einmal fällt, muss man schauen, was aus den drei Wandgemälden wird. Denn man kann sie retten.“
Dieser Vorstoß hat nun seinen Weg in den Finanzausschuss gefunden. Rund 9000 Euro würde es nach einer ersten Anfrage an einen Experten kosten, die drei Bilder von der Wand abzunehmen und zu verwahren, um sie später auf einen neuen Träger aufzubringen.
Laut Westermeier gibt es dafür drei Techniken: Beim sogenannten Stacco-Verfahren wird das Bild mit Japan-Papier gesichert und mittels Scherkräften von hinten mit dem Putz von der Wand abgelöst. Dann kann es auf einen neuen Träger aufgezogen werden. Technik Nummer zwei heißt Stacco a massello und entnimmt neben dem Putz auch Teile des Trägers, also des Mauerwerks. Bei Methode Nummer drei namens Strappo wird nur die Schicht mit den Pigmenten und einem sehr geringen Putzanteil mittels eines starken Hautleims abgelöst. Im vorliegenden Fall sei die erste Variante wohl am besten geeignet, um die Stallhofer-Bilder abzunehmen, sagt er.
Ausstellungsmöglichkeit relevant für Finanzausschuss-Mitglieder
Im Finanzausschuss taten sich die Mitglieder schwer, das Thema einzuordnen. Vor allem drei Fragen standen dabei im Vordergrund: Sind die Motive erhaltenswert? Wer wäre in diesem Fall der verantwortlich Handelnde? Und was soll mit den Bildern anschließend geschehen?
Für Alfred Mittermaier (CSU) stand die Erhaltenswürdigkeit nicht infrage, jedoch warf er die Frage auf, wem die Stücke überhaupt gehören. Auf jeden Fall sei es „ewig schad, wenn man die Bilder zusammendreschen würde“. Markus Seemüller (FWG), der zuletzt generell nach Ausstellungsmöglichkeiten Ausschau gehalten hatte, stellte erneut die Frage, wie eingelagerte Exponate gezeigt werden können: „Wir wollen etwas schützen, ohne es zu zeigen.“ Er stimme daher nicht zu, solange nicht geklärt sei, wie die Bilder verwendet werden sollen.
Ähnlich sieht es Restaurator Westermeier: „Bilder, die nicht hängen, sind nichts wert“, bringt er es auf den Punkt. Als Restaurator sei es ihm wichtig, dass sie erhalten bleiben, aber es brauche ein Konzept, wie sie den Menschen gezeigt werden.
Aus Sicht von Stadtkurator Alexander Langheiter seien die Gemälde auf jeden Fall erhaltenswert, zumal sie auch von Sepp Stallhofer stammen. Die Signatur an der Wand verrät, dass dieser die Bilder 1939 gemalt hat. Das Große mit Kiem Pauli datiert aber von 1967. Warum? Den Grund verrät Maria Kinshofer, die als vierjähriges Mädel ebenfalls auf dem Bild von Stallhofer verewigt worden war: „Es befand sich ursprünglich zwischen den beiden kleinen Bildern an der Längswand des Saales“, berichtet sie. „Als dort die Bühne gebaut wurde, hat Stallhofer es an der linken Seite kopiert und neu gemalt.“ Das erklärt auch die Signatur, die das Jahr 1967 angibt.
Stadt will sich um Erhalt der Bilder kümmern
Für Maria Kinshofer ist es ein Bild mit besonderem Wert. Denn darauf sind nicht nur ihre Großeltern mütterlicherseits, Elisabeth und Franz Xaver Wanninger, zu sehen, sondern auch ihr Vater Sepp Sontheim. Auch die Namen der übrigen abgebildeten Personen hat sie parat. „Ich habe sie mir von meiner bereits verstorbenen Schwester Josefa Pötzinger geben lassen und aufgeschrieben“, erzählt die Mutter der Ski-Olympia-Silber- und Bronzemedaillengewinnerin Christa Kinshofer, der ebenfalls der Erhalt dieser Bilder am Herzen liege.
Die Stadt Miesbach will sich nun um den Erhalt der Bilder kümmern. Der Finanzausschuss hat die Verwaltung einstimmig beauftragt, die damit einhergehenden Fragen zu klären und in einer der nächsten Sitzungen zu behandeln. Dabei soll auch geklärt werden, wie die beiden neuen Eigentümer des Altwirts, die namentlich nicht genannt werden möchten, das Thema sehen.
Zumindest stehen sie dem Projekt offen gegenüber, wie sie auf Nachfrage unserer Zeitung erklären. Beide halten die Bilder ebenfalls für erhaltenswert und wollen die Beteiligten bei diesem Vorhaben unterstützen. Auch stellen sie eine Beteiligung in Aussicht. Der Abriss des Altwirts habe noch Zeit bis etwa Herbst dieses Jahres. Das Bebauungsplanverfahren zur Neubebauung läuft bereits. Angedacht sind derzeit ein Mehrfamilienhaus sowie drei Doppelhaushälften dahinter.
Stallhofer, Kiem Pauli, Sepp Sontheim und Georg Stöger-Ostin: Große Namen weit über die Region hinaus
Josef Stallhofer (1908 bis 1993): Geboren in Leiten machte sich Stallhofer als Kunstmaler einen Namen und ist Ehrenbürger Haushams. 1932 eröffnete er einen Betrieb für Kunst- und Dekorationsmalerei, wurde aufgrund seines Könnens bei der Renovierung der Agatharieder Pfarrkirche (1936) ohne Abitur zum Studium an der Kunstakademie zugelassen. Ende der 1930er-Jahre entdeckte Stallhofer die antike Enkaustik, die Wachsmalerei, neu. 1945 bis 1947 wurde er für die Wiederinstandsetzungsarbeiten des Antiquariums in der Münchner Residenz verpflichtet.
Sepp Sontheim (1903 bis 1978): Bereits mit zehn Jahren begann Sepp Sontheim zu singen. In den 1920er-Jahren galt er zusammen mit Lois Treichl, Karl Vögele und Peppi Burda als „Ur-Apostel“ des guten Volksgesangs. Aus dem ersten Oberbayerischen Preissingen 1930 in Rottach-Egern gingen sie als Sieger hervor. In der Folge gehörten sie zu den wichtigsten Interpreten echter Volksmusik. Sontheim war zugleich Wirt in Parsberg. 1976 nahm er mit 73 Jahren noch eine Schallplatte auf, die heute als Rarität gehandelt wird. Zudem war Sontheim ein bekannter Hochzeitslader und Mitbegründer des Parsberger Trachtenvereins D’Rohnbergler. 1974 erhielt er den Bayerischen Verdienstorden.
Kiem Pauli (1882 bis 1960): Kiem Pauli trug wesentlich zur Wiederbelebung der bayerischen Volksmusik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei. Über die Tegernseer Bauernbühne kam er an den Tegernsee, lernte Ludwig Thoma kennen, der ihm das Liederbuch Steyerisches Raspelwerk, eine Sammlung österreichischer Volkslieder, schenkte. Dies war der Auslöser für Kiem Pauli, bisher nur mündlich weitergegebene bairische Volksmusik zu sammeln. Er spielte Zither, Harfe und Gitarre, radelte ab 1927 mit durch Oberbayern und ließ sich Lieder vorsingen, die er notierte und 1934 als Sammlung veröffentlichte. Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern und Erbprinz Albrecht von Bayern unterstützten ihn dabei finanziell. Bis zu seinem Tod veröffentlichte er weitere Bücher.
Georg Stöger-Ostin (1874 bis 1965): Der Sohn eines Tagelöhners musste früh seinen Lebensunterhalt in Land- und Forstwirtschaft verdienen. Dem Bauernleben entnahm er kurze Erzählungen, die bei den Lesern gut ankamen. Er widmete sich stärker der Schriftstellerei und wurde Lokalredakteur beim Miesbacher Anzeiger. Er schrieb über 60 Romane, etwa 100 Kurzgeschichten und mehr als 20 Bühnenstücke. ddy/Quellen: Wikipedia, A. Langheiter
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