VonKatrin Kleinschmidtschließen
Wird es auf Adventsmärkten stiller, weil die Gebühren für Musik so angestiegen sind? Das bestreitet die GEMA vehement. Die Tarife seien seit Jahren gleich. Wenn die Kosten stark steigen, liege das am Veranstalter selbst.
Landkreis – Lichterketten, ein Heißgetränk und dazu weihnachtliche Klänge: Das alles gehört für die meisten zu einem Adventsmarkt dazu. Doch immer häufiger kommt es zu Pressemeldungen über „stille Märkte“, weil die Gebühren für die Musik so hoch geworden seien. Auch im Landkreis ist das ein Thema. In Penzberg werde wegen Problemen mit der „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ – kurz GEMA – heuer keine Bühne auf dem Stadtplatz aufgebaut, heißt es aus dem Rathaus. In Schongau befürchtet man eine Kostensteigerung von 1000 bis 2000 Prozent für die Musik – bisher konnte der Veranstalter aber nicht abschließend alle Fragen mit der GEMA klären.
Sind die Gebühren tatsächlich gestiegen? Nein, sagt die GEMA. „Die von Städten und Kommunen an die Presse lancierten Meldungen über angebliche Preiserhöhungen bei Weihnachtsmärkten sind falsch“, heißt es in einer Antwort auf die Anfrage der Heimatzeitung. „Der Tarif wurde zuletzt 2018 verändert.“ Die Grundlage für die Berechnung sei sogar seit 2011 die Gleiche. Damals hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass die komplette Veranstaltungsfläche angegeben werden muss – nicht nur der beschallte Bereich, beispielsweise vor einer Bühne. „Gemessen werden muss von Wand zu Wand, vom ersten bis zum letzten Stand“, schreibt die GEMA.
Nur bei fünf Prozent der Märkte seien 2022 höhere Lizenzgebühren fällig gewesen, sagt die GEMA
„Wir wissen, dass einzelne Weihnachtsmärkte falsche Angaben gemacht haben. Einige große, umsatzstarke Märkte haben uns deutlich zu kleine Flächen gemeldet“, schildert GEMA-Vorstandsmitglied Georg Oeller. Weil die Flächen überprüft worden und Differenzen aufgefallen seien, kam es dann bei einigen Märkten zu deutlichen Preissteigerungen – beispielsweise in Bad Tölz, Regensburg und Bayreuth. Bei anderen sei der Zeitraum des Marktes verlängert worden – auch dann erhöhen sich die Kosten. „Uns geht es im Sinne einer angemessenen Vergütung der Musikautorinnen und -autoren um die korrekte Anwendung eines Tarifs“, sagt Oeller. Die meisten Veranstalter würden alles korrekt angeben, nur bei fünf Prozent der rund 3350 Märkte seien 2022 höhere Lizenzgebühren fällig gewesen.
In Herzogsägmühle kümmert sich Markus Graf als GEMA-Beauftragter um die Lizenzen. „Wir haben hohe Gebühren, aber schon seit Jahren“, sagt er. Rund 1000 Euro werden für die drei Veranstaltungstage des Weihnachtsmarktes – er begann am gestrigen Freitag – fällig. Musik laufe direkt am Dorfplatz und in der Deckerhalle. Die Fläche des Marktes lasse sich gut eingrenzen – „und sie ist definitiv ausschlaggebend für die Gebühren“, sagt Graf. „Die Titel an sich machen es nicht aus.“ Auf die weihnachtlichen Klänge zu verzichten, sei noch nie diskutiert worden, sagt Graf, „weil Musik zum Weihnachtsmarkt dazu gehört. Sie macht die Stimmung auch aus.“
Musik kurbelt den Umsatz an
Beispielsweise auch in Pähl findet an diesem Sonntag, 3. Dezember, ein Adventsmarkt statt. Dort müssen sich die Verantwortlichen aber nicht mit dem Thema „GEMA-Gebühren“ befassen. „Wir haben keine Weihnachtsmusik vom Band“, sagt Rathausmitarbeiterin Anja von Häfen. Für die passenden Klänge sorge ausschließlich die Trachtenkapelle Pähl, die selbstständig für ihre GEMA-Gebühren zuständig sei.
„Kein Weihnachtsmarkt muss auf Musik verzichten, nur weil diese durch die GEMA lizenziert ist“, betont Oeller. „Musikwerke, die unsere rund 90 000 Mitglieder komponieren oder auch texten, erzeugen Atmosphäre, die den Umsatz wirtschaftlich ankurbelt“ – weil die passende Stimmung die Verweildauer erhöht. Dass davon auch Künstler profitieren, dafür müsse die GEMA eben sorgen, sagt Oeller. „Das ist die gesetzlich verbindliche Aufgabe der GEMA.“
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