Einheimischenmodell

Sündteure Erschließung

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Die Erschließungsarbeiten für das Baugebiet Am Wiesengrund laufen. Bürgermeisterin Eva John rechnet damit, dass das Baufeld im Juli 2020 hergestellt ist und im August der Hausbau starten kann. Die punktbesten Bewerber durften sich ihre Grundstücke bereits am vergangenen Wochenende aussuchen.
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Nach der folgenschweren Panne bei der Grundstücksvergabe gibt es nun die nächste Diskussion um das Einheimischenmodell Am Wiesengrund. Die Kosten für die Erschließung haben sich gegenüber ursprünglichen Berechnungen offenbar vervielfacht.

Starnberg – 486 Euro kostet ein Quadratmeter Bauland im Einheimischenmodell Am Wiesengrund. Diesen Schnäppchenpreis hatte der Stadtrat vor einem Jahr festgelegt, um auch Starnbergern ohne übertrieben dickem Bankkonto den Erwerb zu ermöglichen. Das günstigste der insgesamt 51 Reihenhausgrundstücke kostet demnach 69 000 Euro, das teuerste 123 000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für Grunderwerbsteuer, Notar, Erschließung, Carports, Stellplätze und einen Eigentümerfußweg. Das war allen Bewerbern klar – was viele offenbar nicht ahnten, war jedoch die Höhe der Erschließungskosten.

Aus Reihen der Bewerber heißt es, dass die Banken in ihren Finanzierungszusagen einen Durchschnittswert von etwa 12 000 Euro für die Erschließung angegeben hätten. Tatsächlich liegen die Kosten aber deutlich höher, im schlimmsten Fall sogar um das Fünffache. Die Käufer müssen nun mit Erschließungskosten zwischen 24 000 und 60 000 Euro rechnen – je nach Haustyp und Geschossfläche. Diese Zahlen nannte Rathaussprecherin Lena Choi am Dienstagabend gegenüber dem Starnberger Merkur.

„Die überdurchschnittlich hohen Erschließungskosten begründen sich durch die bekannt schwierigen Bodenverhältnisse und überdurchschnittliche Ansprüche an die Herstellung der Anlagen für die Niederschlagswasserbeseitigung“, erklärte Choi. Ähnlich hatte sich Bürgermeisterin Eva John in der Bürgerversammlung am Montagabend geäußert, nachdem Bewerber vom Wiesengrund die Kostenentwicklung kritisiert hatten.

In den Schreiben der Stadt werden die Erschließungskosten mit etwa 193 Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche bei den kleineren Haustypen und rund 238 Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche bei den größeren Haustypen angegeben. Damit steigen die Quadratmeterpreise für die Baugrundstücke auf 679 beziehungsweise 724 Euro. Das liegt zwar immer noch deutlich unter dem vollen Grundstückswert, den die Stadt im Exposé mit 1080 Euro pro Quadratmeter angegeben hatte. Es ist aber auch deutlich mehr als ursprünglich gedacht.

Vor dem Hintergrund hatte Verena Röhrig-Wöllner aus den Reihen der potenziellen Bauherren in der Bürgerversammlung auch den Antrag gestellt, die festgelegte Bindungsfrist von 25 Jahren rechtlich überprüfen zu lassen, innerhalb der die Grundstücke nicht weiterverkauft werden dürfen. Der dieser Regelung zugrunde liegende Preisvorteil beim Grundstückskauf sei schließlich viel kleiner als angenommen, argumentierte sie. Der Antrag wurde von der Versammlung mehrheitlich angenommen – ebenso der Antrag von Simon Lorbacher, auf eine Neuverlosung von 23 Grundstücken zu verzichten. Diese Neuverlosung wird von der Stadtverwaltung favorisiert, um den folgenschweren Fehler bei der Grundstücksvergabe zu heilen (wir berichteten).

Die Erschließungskosten sind der nächste Tiefschlag für die Bauherren. Einer von ihnen, der namentlich nicht genannt werden will, sagt schon: „Etliche Familien haben bereits geäußert, dass damit ihre Finanzierung geplatzt ist.“

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