Golfen trotz Verbot

Clubs im Landkreis verurteilen Hingerls Alleingang

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Trotz Verbots öffnete am Montag der Golfplatz Bergkramerhof: Viele Golfer nutzten die Gelegenheit und spielten auf der Anlage des Höhenrainers Dr. Josef Hingerl. Die Verantwortlichen der Golfclubs im Landkreis Starnberg sehen dieses Vorgehen äußerst kritisch.
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Die Aktion sorgte bundesweit für Aufsehen. Am Montag öffnete Dr. Josef Hingerl seinen Golfplatz in Wolfratshausen wieder – trotz Verbots wegen der Corona-Beschränkungen. Der Platz Gut Bergkramerhof war praktisch den ganzen Tag über ausgebucht. Die Verantwortlichen der fünf Golfclubs im Landkreis Starnberg halten Hingerls Alleingang für inakzeptabel.

Landkreis – Dr. Werner Proebstl, Präsident des Golfclubs Starnberg und Vizepräsident des Bayerischen Golfverbandes, konnte sich nicht zurückhalten. In einem Brief an Dr. Josef Hingerl, der in Höhenrain wohnt, kritisierte er am Montag das Vorgehen des Betreibers des Golfplatzes Gut Bergkramerhof in Wolfratshausen scharf. Hingerl hatte sich den derzeit wegen der Corona-Pandemie geltenden Bestimmungen widersetzt und seinen Golfplatz für Mitglieder und Gäste geöffnet. „Mit Ihrer angekündigten Öffnung setzen Sie ein Zeichen, das vor allem zweierlei ist, zum einen unsolidarisch gegenüber den anderen Golfclubs, die sich an die bestehenden Regeln und Verordnungen halten, zum anderen gefährlich kontraproduktiv, da Ihr Verhalten allen Golfclubs zugerechnet werden kann“, schreibt Proebstl. Zwar teile er die Ansicht, dass die derzeit bestehende Regelung, die den Betrieb von Golfanlagen untersagt, durchaus in Frage gestellt werden könne, aber Fakt sei nun mal der gesetzliche Rahmen. Proebstl befürchtet, dass Hingerls Alleingang viel Porzellan zerschlagen könnte. „Sollte die angedachte Öffnung am 11. Mai nicht kommen, stehen Sie mit in der Verantwortung dafür“, ermahnt er Hingerl.

Auch der Bayerische Golfverband distanziert sich von Hingerls Vorgehen. „Die Aktion von Herrn Hingerl ist unsportlich und schadet der Gemeinschaft der Golfer“, heißt es in einer Stellungnahme des BGV. Und weiter: „Leider geht es Herrn Hingerl auch nicht um Golf, sondern eben darum, Aufmerksamkeit zu erheischen.“

„Sollte die angedachte Öffnung am 11. Mai nicht kommen, stehen Sie mit in der Verantwortung dafür“, schreibt Dr. Werner Proebstl, Präsident des GC Starnberg, in seinem Brief an Josef Hingerl.

Dr. Werner Proebstls Argumentation schließen sich alle vier weiteren Golfclubs im Landkreis Starnberg an. „Wir haben Angst, dass der Schuss nach hinten losgeht“, sagt Angela Ortner. Die Geschäftsführerin des GC Gut Rieden hätte sich gewünscht, dass Hingerl „noch eine Woche lang die Füße still gehalten hätte“. Sie befürchtet, dass die Politik nun sagen könnte: „Jetzt erst recht.“ Ohnehin hätten Golfer in der Gesellschaft nach wie vor „kein gutes Standing“. Viele sähen Golf fälschlicherweise noch immer als Sport für die Großkopferten, Reichen und Schönen an. Auch deswegen „sollte man sich jetzt solidarisch zeigen“, meint Ortner.

Lesen Sie hier die Vorgeschichte: Der Golfplatz Berkramerhof hat wieder geöffnet - trotz Corona-Verbot. Der Besitzer muss nun heftige Kritik seiner Kollegen einstecken - und auch das Landratsamt mischt sich ein.

Das sehen allerdings nicht alle der rund 4000 Mitglieder, die einem Golfclub im Landkreis angehören, so. „Ich habe bereits einige böse E-Mails erhalten, in denen es heißt, wir sollten uns ein Beispiel an Hingerl nehmen und unseren Golfplatz ebenfalls öffnen“, erzählt Ortner. Vor allem Mitglieder, die allein aufgrund ihres Alters zur gefährdeten Risikogruppe zählen, riefen vermehrt an und forderten, dass die Anlage endlich freigegeben wird.

Unabhängig davon sehnt Ortner den Tag herbei, an dem endlich wieder Golf gespielt werden kann. „Wir erfüllen sämtliche Hygienemaßnahmen.“ Und wenn dann auf Gut Rieden wieder Leben einkehrt, würde sich auch ein ganz anderes Problem von alleine erledigen: „Es sind zurzeit unglaublich viele Spaziergänger auf unserem Platz unterwegs, die Leute machen schon Picknick auf unseren Fairways und auf der Driving Range“, sagt Ortner.

„Wahnsinnig mutig, aber ein mutiger Wahnsinn.“ So beurteilt ein hochrangiger Verantworlicher des GC Tutzing Josef Hingerls Aktion. Verständnis für das strikte Sportverbot habe man zwar auch beim Golfclub Tutzing nur wenig, aber man halte sich natürlich an die gesetzlichen Vorgaben. Die Vorstandschaft fordert seine Mitglieder auf der Vereinshomepage weiterhin dazu auf, sich an die gesetzlichen Regeln zu halten: „Leisten Sie durch konsequente Einhaltung der Verordnung und durch Ihr persönliches, achtsames und verantwortungsvolles Verhalten Ihren persönlichen Beitrag, um die Infektionsketten mindestens einzugrenzen und bestenfalls zu unterbrechen“.

Als „total unkollegial“ empfindet Stephanie Eger den Vorstoß von Josef Hingerl. Die Assistentin der Geschäftsführung im Golfclub Feldafing bezeichnet den Alleingang des Wolfratshauser Golfplatzbetreibers als „verheerend. Er wird damit nur verbrannte Erde hinterlassen. Es würde mich nicht wundern, wenn alle Clubs darunter leiden müssen“. Auch sie habe bereits E-Mails von Gästen und Mitgliedern erhalten, die eine sofortige Öffnung des Feldafinger Platzes verlangten. Eger befürchtet einen großen Imageschaden für die gesamte Golfgemeinschaft. „Das ist Selbstjustiz, und davon distanzieren wir uns entschieden“, sagt Eger.

Nicht anders sieht man das beim Golfclub Wörthsee. „Das ist ein absolutes No-Go, darauf kann man nur mit Kopfschütteln reagieren“, sagt Marco Boser. Der Geschäftsführer des mit 1200 Mitgliedern größten Clubs im Landkreis findet, dass „die Verbände bislang sehr gute Arbeit leisten“, und da sei „es nicht gut, wenn man mit Alleingängen nach vorne prescht“. Hingerls Verhalten sei „total imageschädigend. Die Golfer haben doch sowieso schon einen schweren Stand“. Natürlich wollten Golfspieler wie alle anderen Sportler auch endlich wieder ihrer Freizeitbeschäftigung nachgehen, aber „die Gesundheit steht natürlich an erster Stelle“, so Boser. Sein Club stehe allerdings in den Startlöchern. „Wir hoffen nun, dass nach dem Gespräch zwischen der Kanzlerin und den Ministerpräsidenten am Mittwoch ab 11. Mai wieder Golf gespielt werden darf“, sagt der Geschäftsführer. „Wir sind vorbereitet.“ Die vom Verband erarbeiteten Hygiene-Leitlinien seien im GC Wörthsee umgesetzt. Boser ist überzeugt: „Golfen funktioniert, wenn alle diszipliniert sind.“

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