Ausschuss stellt Brandschutzkleidung zurück

Neuer Disput um Feuerwehrkleidung droht

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Feuerwehrjacken hängen in einem Schrank.
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Der Haupt- und Finanzausschuss des Starnberger Stadtrats hat die Beschaffung neuer Brandschutzkleidung zurückgestellt - sehr zum Missfallen von Kommandant Markus Grasl.

Starnberg – Es war Anfang des Jahres, als es in den Stadtratsgremien zu einer Auseinandersetzung um die Beschaffung von Dienstkleidung für die Feuerwehr kam. Die Stadträte kürzten die beantragten 600 000 Euro für Brandschutzkleidung und Tagdienstkleidung zunächst um fast die Hälfte zusammen – sehr zum Unmut des federführenden Kommandanten Markus Grasl. Erst auf Intervention von Bürgermeister Patrick Janik gaben sie eine halbe Million Euro frei. Nun droht eine Wiederholung des Disputs.

Verwaltung empfiehlt die Beschaffung „dringend“

Denn am Montagabend stand das Thema Dienstkleidung erneut auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses. Diesmal ging es um die konkrete Umsetzung des Beschlusses vom Januar: 100 000 Euro für Tagdienstkleidung, 400 000 Euro für Brandschutzkleidung. Die Stadtverwaltung empfahl in ihrer Sitzungsvorlage „dringend“ die Beschaffung der Brandschutzkleidung, also der Kleidung, die die Feuerwehrleute bei Bränden und ähnlichen Einsätzen tragen. Aber: In der jüngsten Besprechung der Fraktionsvorsitzenden habe es noch Klärungsbedarf gegeben, sagte Janik und strich den Beschlussvorschlag der Verwaltung kurzerhand zusammen.

Die 274 Garnituren Tagdienstkleidung gehen durch

Einstimmig genehmigte der Ausschuss so lediglich 100 000 Euro für die Tagdienstkleidung. Dabei handelt es sich nach Angaben von Ordnungsamtsleiterin Kathrin Spielbauer um insgesamt 274 Garnituren – Arbeitshose, Polohemd, Pullover und Schuhe – für 70 ehrenamtliche Feuerwehrleute aus Starnberg, 164 freiwillige Einsatzkräfte aus den Ortsteilen, zwei hauptamtliche Feuerwehrmänner und den seit September eingeführten Bereitschaftsdienst von freitagabends bis montagmorgens, dessen Besetzung zum Teil aus anderen Feuerwehren im Landkreis oder sogar außerhalb des Landkreises kommt. Diese einheitliche Kleidung gebe es in Starnberg bislang nicht, sagte Spielbauer. Da zeitnah eine Sammelausschreibung mit anderen Feuerwehren geplant ist, gab der Ausschuss das Geld frei. „Das ist wirtschaftlich sinnvoll“, betonte Janik. Diese zeitliche Nähe gebe es bei der Brandschutzkleidung noch nicht.

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Diese muss deutlich höhere Sicherheitsstandards erfüllen als die Tagdienstkleidung, damit die Einsatzkräfte bestmöglich geschützt sind. Die aktuelle Schutzkleidung ist etwa 20 Jahre alt. Ob sie überhaupt noch alle Standards erfüllt, ist nach Angaben von Kommandant Grasl mehr als fraglich. Die Kleidung verliere nach 25-maligem Waschen ihre Schutzfunktion – wie oft einzelne Teile schon gewaschen sind, lasse sich aufgrund fehlender Zyklen nicht zweifelsfrei sagen, erklärte er auf Anfrage des Starnberger Merkur.

Bereits Anfang des Jahres hatte Grasl unter Verweis auf den Feuerwehrbedarfsplan davon gesprochen, dass alle etwa 220 Feuerwehrleute mit neuer Schutzkleidung ausgerüstet werden müssten, Atemschutzgeräteträger – also die Einsatzkräfte, die in brennende Häuser rennen – aus nachvollziehbaren Gründen sogar mit drei Sätzen. Hintergrund ist, dass die Brandschutzkleidung bei Einsätzen durch austretende Gase und Dämpfe mit zum Teil stark krebserregenden Stoffen kontaminiert werden und in der Folge desinfiziert und mit einem speziellen chemischen Verfahren gereinigt werden müssen. Um die Feuerwehrleute bestmöglich zu schützen, wäre deswegen auch eine Schwarz-Weiß-Trennung erforderlich – die es de facto aber in keinem einzigen Starnberger Feuerwehrhaus gibt. Inhaltlich diskutierten die Ausschussmitglieder am Montag darüber nicht. Marc Fiedler (FDP) forderte aber, dass „beim nächsten Mal“ genau heruntergebrochen werde, welche Einsatzkräfte wie viele Garnituren benötigen.

Dass Teile des Stadtrats nach der Diskussion Ende Januar nun erneut Klärungsbedarf sehen, kann Kommandant Grasl nicht mehr nachvollziehen. Es seien alle Informationen bekannt, im Rathaus seien seriöse Berechnungen aufgrund der Faktenlage und mit Sachverstand angestellt worden, sagte er gegenüber dem Starnberger Merkur. „Unsere Brandschutzkleidung ist nicht mehr zulässig.“ Näher wollte sich Grasl dazu nicht äußern.

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