VonAndreas Daschnerschließen
Auch der Abwasserzweckverband (AZV) „Obere Amper“ ächzt unter den steigenden Energiepreisen. Die Strom-Kosten werden sich knapp vervierfachen.
Grafrath – Die Hiobsbotschaft kam unmittelbar vor den Haushaltsberatungen des AZV, in dem die Gemeinden Grafrath und Kottgeisering Mitglied sind und Türkenfeld vertraglich angeschlossen ist: Die Stadtwerke machen von einem Sonderkündigungsrecht für einen Neuvertrag mit ohnehin schon gestiegenen Strompreisen Gebrauch. Der Preis wird nochmal hoch gesetzt.
In Zahlen heißt dies: Im neuen Vertrag hätte der Strom den AZV 82 Cent pro Kilowattstunde gekostet. Nach der Sonderkündigung liegt der Preis nun bei 96,5 Cent. Bislang bezahlte der AZV lediglich 26 Cent.
Geschäftsleiter Josef Heldeisen bezeichnete die weitere Erhöhung als bitter. Während er dazu tendierte, den neuen Vertrag dennoch zu unterschreiben, wurden im AZV-Rat auch Stimmen laut, man solle lieber in die Grundversorgung gehen. Die Grundversorgung steht jedem zu, allerdings sind bei dieser die Preise nicht mehr festgeschrieben.
Wie Heldeisen ausführte, soll der neue Vertrag bis 2025 laufen und sieht in den folgenden Jahren eine Senkung des Strompreises auf 65 und dann 51 Cent vor. Der Tarif bei der Grundversorgung liege bei 98 Cent. Max Riepl-Bauer aus Grafrath glaubt derweil, dass die Strompreise schon bald sinken werden und stellt es infrage, dass ein langfristiger Vertrag derzeit sinnvoll ist.
„Gas- und Strompreis sollen entkoppelt werden“, sagte Riepl-Bauer mit Blick auf die derzeitigen politischen Debatten. Außerdem sei diesen Sommer viel zusammengekommen, was zu den hohen Preisen geführt hätte. „Frankreich musste Strom bei uns zukaufen, weil sie ihre Atomkraftwerke wegen der niedrigen Pegelstände in den Flüssen nicht mehr kühlen konnten“, so Riepl-Bauer weiter. Dieses Problem würde durch die Niederschläge nun geringer.
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Alles in allem glaubt Riepl Bauer, dass der Strompreis schon bald unter den im Vertrag festgeschriebenen Preis von 96,5 Cent sinken könnte. „Einen Preis von fast einem Euro festzuschreiben, ist ein Risiko“, sagte er. Auch Grafraths Bürgermeister Markus Kennerknecht folgte dieser Argumentation – „aus einem Bauchgefühl heraus“, wie er sagte.
Heldeisen sieht hingegen bei einem Gang in die Grundversorgung ein Risiko. „Dann ist nichts mehr festgeschrieben und wir bekommen ständig wechselnde Preise.“ In einem Jahr könne der Preis auch extrem hoch sein, während im vorgelegten Vertrag die Senkungen fix vereinbart seien. Und auch Hartwig Hagenguth aus Grafrath sprach sich dafür aus „lieber den Spatz in der Hand zu nehmen“.
Entlastung könnte die geplante Eigenversorgung des AZV durch ein Blockheizkraftwerk bringen. Doch das wird laut Heldeisen wohl frühestens Mitte oder Ende 2024 in Betrieb gehen.
Ein Beschluss über den Vertrag stand jetzt noch nicht auf der Tagesordnung. Gefragt nach einem unverbindlichen Meinungsbild sprachen sich die Räte mit 3:5-Stimmen aber gegen die Grundversorgung aus.
Wie sich die Entwicklungen auf den Abwasserpreis auswirken, wird offiziell noch nicht gesagt. Laut Heldeisen laufe die (nichtöffentliche) Vorkalkulation.
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