VonTobias Gehreschließen
Landwirte kämpfen seit Langem mit hohen Kosten und schwankenden Erlösen. Jetzt droht den Bauern neues Ungemach.
Fürstenfeldbruck – Der Bundesrechnungshof und Finanzminister Christian Lindner tragen sich mit Gedanken, den Landwirten Steuerprivilegien zu streichen. Auf den Höfen kommt das gar nicht gut an.
Grünes Kennzeichen
Die meisten Traktoren sind mit grünen Kennzeichen unterwegs. Der kleine Farbunterschied hat große Auswirkungen. Fahrzeuge mit grünen Kennzeichen sind von der Kfz-Steuer befreit. Geht es nach dem Bundesrechnungshof, soll es mit diesem Privileg bald zu Ende sein. Es passe nicht mehr zu einer nachhaltigen, klimafreundlichen Entwicklung des Steuerrechts. Deshalb fordert die Bundesbehörde, diese Steuererleichterungen zu streichen.
Und auch Finanzminister Christian Lindner von der FDP trägt sich mit Gedanken, den Landwirten Steuervorteile künftig nicht mehr zu gewähren. Konkret geht es um den sogenannten Agrardiesel. Dieselkraftstoff unterliegt in Deutschland der Energiesteuer mit 470,40 Euro je 1000 Liter. Land- und Forstwirte bekommen davon 214,80 Euro je 1000 Liter im Rahmen der sogenannten Agrardieselvergütung zurück.
Hohe Kosten
Die Pläne stoßen bei den Bauern im Landkreis auf breite Ablehnung. Landwirte hätten ohnehin schon mit hohen Kosten, vielen Auflagen und schwer zu kalkulierenden Erlösen zu kämpfen, meint der stellvertretende Bauernobmann Ferdinand Wenig aus Moorenweis. Er bewirtschaftet nach eigenen Angaben rund 300 Hektar Land. Falle der Agrardiesel weg, rechnet er mit etwa 35 Euro höheren Ausgaben pro Hektar – insgesamt also rund 10 000 Euro.
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Kerosin?
„Ich verstehe nicht, warum man da jetzt ansetzt, während Kerosin noch immer steuerfrei ist“, sagt Wenig. Das Argument, der Wegfall des Steuerprivilegs sei ein Ansporn zum Spritsparen, lässt der 29-Jährige nicht gelten. Denn die Landwirte hätten dabei schon alle Potenziale ausgereizt – natürlich auch, um Kosten zu sparen.
Die steigenden Aufwendungen weiterzugeben, sei schwierig bis unmöglich. „Wir sind abhängig vom Markt. Und den interessieren steigende Kosten für uns überhaupt nicht.“ Die Bauern würden also darauf sitzen bleiben.
Das wäre auch im Falle einer Abschaffung der grünen Kennzeichen so. Einer, der besonders viele Maschinen mit diesen Nummernschildern betreibt, ist Georg Schmid-Maier aus Biburg. Der Lohnunternehmer fährt die Ernte für Landwirte ein, bringt Gülle aus oder walzt den Mais im Silo. Je nach Fahrzeug rechnet Schmid-Maier mit jährlichen Steuern von bis zu 1000 Euro. Bei mehr als zehn Schleppern, Mähdreschern und Häckslern käme auch er auf Mehrkosten in Höhe von über 10 000 Euro.
Sollten die grünen Kennzeichen gestrichen werden, müsse das für alle Nutznießer der Steuerbefreiung gelten. Also auch etwa für Schausteller.
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