Großes Interesse zog am vergangenen Samstag die Stiftung Nantesbuch in Bad Heilbrunn auf sich: Rund 1000 Gäste informierten sich über das neue Programm und wollten den neuen Geschäftsführer Börries von Notz kennenlernen.
Bad Heilbrunn – Besseres Wetter hätte es für den Saison-Auftakt am Samstag auf Gut Nantesbuch nicht geben können. Im hellen Sonnenschein toben Kinder über die Wiesen, während es sich die Erwachsenen im Gras oder auf den überall verteilten Stühlen und Holzbänkchen bequem machen.
Gut 1000 kleine und große Besucher haben den Weg hinauf zum Langen Haus gefunden, schätzt Anke Michaelis, die Pressesprecherin der Stiftung. Und diesen wird ein buntes Programm für die ganze Familie geboten, welches das kreative Nantesbucher Team wieder auf die Beine gestellt hat.
Im Mittelpunkt steht die Biene, die als von allen geliebte Vertreterin der bedrohten Insektenschar bestens geeignet ist, Interesse und Verständnis für den Ernst der Lage zu wecken. Da durfte natürlich Waldemar Bonsels’ Biene Maja, die Kinder und Erwachsene seit über 100 Jahren verzaubert, nicht fehlen. Und auf Nantesbuch versteht es sich von selbst, dass nicht die Verfilmung zu sehen ist, sondern man das Original erleben kann. Schauspieler Thomas Peters liest im gut besuchten Kaminzimmer aus dem Buch-Klassiker, haucht den Charakteren Leben ein und lässt die Zuhörer mitfiebern, als die kleine Biene die wunderbare, aber eben auch lebensgefährliche Welt außerhalb des Bienenstocks erkundet. Auf einem Seerosenblatt die Sonne zu genießen, hat ebenso seine Tücken wie unbedacht drauf los zu fliegen: Der Frosch erspäht sein Opfer von unten, die Spinne Thekla hat ihr hauchfeines Netz gewoben, in dem die kleine Maja nun zappelt. Doch durch ihre freundliche, mitfühlende Art gewinnt sie immer wieder Freunde, die als Helfer in der Not erscheinen. Wer den Text Bonsels länger nicht (oder noch nie) gelesen hat, dürfte verblüfft sein über dessen brennende Aktualität. Ein besserer Anwalt für die Interessen der Insekten lässt sich nicht denken, denn der Autor schafft Empathie – die Grundvoraussetzung für die Bereitschaft zu helfen.
Lesen Sie auch: Börries von Notz ist neuer Geschäftsführer der Stiftung Nantesbuch
Wer sich der Biene literarisch angenähert hat, kann sich von Imker Johannes Rothkirch anschließend das lebendige Wuseln im Bienenstock erklären lassen. Er hat einen mitgebracht. Ein ganzes Volk, das zirka 10 000 Tiere umfasst. Die Zahl verblüfft. Doch es seien vier Waben hintereinander, erklärt der Fachmann. Er hat den Stock am Abend, als alle Bienen daheim waren, in die Eingangshalle des Langen Hauses gebracht, wo sie nun von klein und groß umringt werden. Ist es keine Qual für die Insekten, hier den ganzen Tag eingesperrt zu sein? „Bei starkem Regen oder Wind bleiben sie ja auch drinnen“, erklärt Rothkirch. „Das ist kein Problem. Und heute Abend dürfen’s ja wieder naus.“
Dass das kulinarische Angebot heute Kürbissuppe mit Ingwer und Honig sowie Honiglimonade bereit hält, zeigt wieder einmal, wie hier alles sinnvoll ineinander greift. Und während es drinnen ums Zuhören und -schauen geht, ist draußen Mitmachen angesagt. An einem riesigen, dicht umlagerten Tisch werden kleine Holzklötze geschmirgelt, dann auf Linolplättchen Wildbienen gemalt, ausgeschnitten und ein Stempel gebastelt. Und aus den vielen Stempeln entsteht ein ganzer Wildbienenschwarm.
Gegenüber auf der Wiese steht ein großer Bottich mit Wasser, daneben Gefäße mit Erde und Lehm. Was auf den ersten Blick nach einer Riesenmatscherei ausschaut, hat einen tieferen Sinn: Die begeisterten Kinder formen Kugeln, bohren ein Loch, in das Wildblumensaat gegeben wird, und werfen diese „Saatbomben“ entweder hier auf die weiten Wiesen oder dürfen sie im Papiertütchen mit nach Hause nehmen, um die Saat im eigenen Garten aufgehen zu sehen. Ein Vater hat eine weitere Idee: „Perfekt für die Münchner Verkehrsinseln!“ Auch „philosophische Gespräche über die Biene und was wir von ihr lernen können“ sowie Führungen durch das Lange Haus mit Informationen zu Geschichte, Architektur und dem künstlerischen Konzept sind im Angebot.
Und was Joachim Strobel, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft, über die Renaturierung des Haselbachs erzählt, zeigt eine weitere Dimension auf: Mehr Pflanzenvielfalt am wieder mäandrierenden Bach lockt mehr Insekten an, die wiederum die Vögel ernähren. (Sabine Näher)

