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Nahezu Stillstand herrsche beim Wohnungsbau im Landkreis. Der Wolfratshauser Immobilienexperte Peter Schneider spricht von einem „Teufelskreis“.
Wolfratshausen – Exorbitante Energiepreise, explodierende Baukosten und rasant steigende Darlehenszinsen. Eine Folge: Der Immobilienmarkt in Bayern ist eingebrochen. Diesen Satz will Peter Schneider, Vorstand der Schneider & Prell Immobilientreuhand AG in Wolfratshausen und Mitglied des Gutachterausschusses des Landkreises, so nicht stehen lassen. Ja, die Immobilienumsätze seien zurückgegangen, „doch im Landkreis keinesfalls in dramatischem Umfang“.
„Stillstand beim Wohnungsbau“ im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Experte warnt vor „Teufelskreis“
Zwischen 2009 und 2021 stiegen die Immobilienumsätze im Freistaat von Jahr zu Jahr um insgesamt 176 Prozent auf immer neue Rekordwerte – zuletzt waren es 72 Milliarden Euro. In diesem Jahr rechnet Prof. Stephan Kippes vom Immobilienverband (IVD) Süd mit weniger als 70 Milliarden Euro. Er geht jedoch nicht davon aus, dass der Abwärtstrend lange anhalten wird. Die Umsatzberechnung des IVD-Instituts basiert auf den Einnahmen der bayerischen Finanzämter aus der Grunderwerbsteuer.
Ukrainekrieg und Inflation haben Immobiliennachfrage „gebremst“
„Der Ukrainekrieg beziehungsweise die daraus resultierende Energiekrise, eine hohe Inflation sowie rapide anwachsende Finanzierungskosten haben die Nachfrage nach Immobilien ab Mitte 2022 gebremst“, bestätigt Schneider. Selbst Gutverdiener könnten sich den Traum von der eigenen Immobilie kaum noch leisten. Für den, der ein Haus oder eine Wohnung verkaufen will, heiße das: „Er muss mit Preisverhandlungen rechnen.“ Bei der Begutachtung von Bestandsimmobilien schaue der Interessent noch viel genauer hin als in der Vergangenheit. Er „hinterfrage“ seine Investition zunehmend kritischer. Hat die Immobilie Mängel oder ist sie stark renovierungsbedürftig, rechne der potenzielle Käufer mit einem Preisnachlass.
Ein Schnäppchen werde das Haus oder die Wohnung im Süden Münchens jedoch auf keinen Fall, relativiert Schneider. Er prognostiziert, dass die Immobilienpreise wenn überhaupt nur marginal sinken. „Gab’s bislang 20, gibt’s im Moment vier, fünf Interessenten für eine Bestandsimmobilie“, erklärt Schneider.
Immobilienforum am 17. November
Zum mittlerweile 26. Mal lädt die Schneider & Prell Immobilientreuhand AG, unterstützt vom Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur, zum Immobilienforum ein. Der Termin: Donnerstag, 17. November, um 19 Uhr im Foyer der Loisachhalle in Wolfratshausen. Einlass um 18.30 Uhr.
Zu Beginn informiert Helmut Lischewski (Geschäftsführung Schneider & Prell) über die aktuellen Immobilienpreise im Landkreis. Zur „Zins- und Zeitenwende in der Immobilienbranche“ referiert im Anschluss Kurth Neuwirth, Geschäftsführer der Neuwirth Finance GmbH in Starnberg. Er gilt in Fachkreisen als „der Zinspapst“.
„Auf was müssen sich Käufer, Bauherrn und Immobilieneigentümer in den nächsten Monaten einstellen?“: Dieses Thema erörtern ab 19.45 Uhr Neuwirth, Korbinian Krämmel (Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Krämmel), Norbert Junius (Geschäftsführer der Hausverwaltung Junius in Geretsried) und Peter Schneider (Vorstand der Schneider & Prell Immobilientreuhand AG in Wolfratshausen). Moderiert wird die Podiumsdiskussion von Carl-Christian Eick, Redaktionsleiter des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur.
Bei einem „Get-together“ stehen die Experten anschließend für persönliche Gespräche zur Verfügung. Der Eintritt zum 26. Immobilienforum ist frei. cce
Der 49-Jährige spricht von einem Teufelskreis: Private Bauherren, Projektentwickler und Investoren „kämpfen mit markant steigenden Baukosten und Materialengpässen“, dazu komme ein akuter Fachkräftemangel. „Die Planungssicherheit ist dahin“, gibt der Immobilienexperte zu bedenken. „Viele Projekte werden abgesagt oder verschoben“, Bauträger könnten die Grundstückspreise, die sich jüngst erneut verteuert hätten, nicht mehr bezahlen. „Es herrscht nahezu Stillstand“, bilanziert Schneider. Das heißt: Es entsteht weniger neuer Wohnraum „bei anhaltend sehr hoher Nachfrage“ – voraussichtlich steigen so wieder die Preise. „Wie gesagt, es ist ein Teufelskreis.“
Makler räumt ein: Immobilienbranche gerät unter Druck
Stichwort Bauträger: Banken wie die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen halten sich inzwischen bei der Vergabe von Krediten zurück. Schneider gibt ein Beispiel: Ein Bauträger, der ein zehn Millionen Euro teures Vorhaben verwirklichen will, muss mindestens zwei Millionen Euro auf der hohen Kante haben. Andernfalls winken viele Kreditberater sofort ab. „In diesem Zusammenhang müssen Sie auch bedenken, dass die Politik die Förderung von Neubauten an strengere Klimavorschriften gekoppelt hat – was Bauprojekte weiter verteuert“, so Schneider gegenüber unserer Zeitung.
Die Immobilienbranche gerate unter Druck, stellt der 49-Jährige fest. Doch von Preissenkungen, davon ist er überzeugt, werde die Landeshauptstadt München und der sogenannte Speckgürtel im Süden am wenigsten betroffen. „Das Angebot wird in den meisten Segmenten nach wie vor von der Nachfrage absorbiert.“
Die Mieten bleiben weiter unter Druck und könnten sogar noch steigen.
Von der Entwicklung profitieren könnte der Mietwohnungsmarkt. Der, der die eigenen vier Wände finanziell nicht mehr darstellen kann, entscheide sich vielleicht für eine neue, größere Wohnung. Im Landkreis sei allerdings das Angebot sehr knapp – und die Mieten „auf hohem Niveau“. Kurz gesprochen: „Die Mieten bleiben weiter unter Druck und könnten sogar noch steigen.“
Einen Blick in die Zukunft wirft Schneider beim Immobilienforum am 17. November im Foyer der Loisachhalle. Vorab nur so viel: „Die Immobilie ist trotz derzeitiger Verwerfungen, ob privat oder als Kapitalanlage, eine begehrte Anlageform.“ (cce)
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