Ja, so schnell kann es gehen. Die 16 Wiesntage von 2024 sind seit Sonntagabend, 23.30 Uhr, schon wieder Geschichte. In den Wiesn-Schlusslichtern verraten die beiden Kapellmeister der Dreder Musi und der Karolinenfelder, welche Musik am besten angekommen ist. Auch die Miss Herbstfest setzte dabei Trends.
Pack mas, ramma zsamm und gemma hoam – pfiad eich, schee is gwen und bis zum naxtn Jahr!
Aus is! Leider. Die letzten leeren Krüge sind gespült, die klebrigen Biertische sauber gewischt, am Korb von Rudi Balloni flattern keine Luftballone mehr und Oberbürgermeister Andreas März geht mit Ehefrau Andrea heim. Noch in der Nacht zum Montag wurde in den Bierburgen, Weinhütten, Proseccostadln, Fahrgeschäften und Ständen mit dem Abbau angefangen. Bis alles abgeschraubt, zerlegt und weggefahren ist, werden noch einige Wochen vergehen.
Feiern, singen, tanzen – auf dem Herbstfest ging es auch wieder musikalisch rund. Und wie schaut es mit den Wiesn-Hits von 2024 aus? Wer das wissen muss, das sind Karl Beinhofer und Roland Merk, die beiden Chefdirigenten und Kapellmeister der Karolinenfelder und Dreder Musi.
Den einen und absoluten Wiesn-Hit hat es 2024 aber nicht gegeben, verraten sie. Bei der Dreder Musi im Flötzinger-Festzelt ging es diesmal etwas rockiger als sonst zur Sache. Roland Merk nennt dabei die drei folgenden Favoriten: „Don´t stop believing“ der US-amerikanischen Rockband „Journey“, „Living on a prayer“ der US-Rocker „Bon Jovi“ sowie der Song „Major Tom“ von Peter Schilling. „Do san de Leid oiwei brutal midganga“, erzählte Merk dem Wiesnigel Ignaz.
In der Auerbräu-Festhalle gab es bei den Karolinenfeldern ebenfalls einen bunten, aber eher poppigen Mix. Laut „Musi-Moasta“ Karl Beinhofer hat sich der Wiesn-Hit von 2023 – „Sarà perché ti amo“ von „Ricchi e Poveri“ – als Besucher-Liebling in die Wiesn 2024 hinübergerettet. Danach kommen gleich zwei deutsche Klassiker aus den 80ern: „99 Luftballons“ von Nena und – auch im Auer – der völlig losgelöste „Major Tom“ von Peter Schilling.
Dazu ist aus einem anfänglichen Geheimtipp ein weiterer Wiesn-Hit geworden: Das Bewerbungslied von Maria Berger bei ihrer Kür zur Miss Herbstfest hat „voll reingehauen“. „Hallo, kleine Maus“ von „Sašo Avsenik und seinen Oberkrainern“ war ein Lied, das so manche Besucher spontan zum Tanzen vor den Bühnen bewegte, so wie dieses Duo im „Johann Auer auf der Wiesn“. Manchmal sang die Miss Herbstfest die „kleine Maus“ sogar persönlich.
Beste Aussichten: Erste Wiesn-Woche war ein großes Sommerfest
Spät- bis hochsommerliche Temperaturen, dazu ein herrlich blauer Himmel: Die erste Wiesnwoche war „wettermassig“ eine Schau. Da hätte Miss Herbstfest Maria Berger am liebsten die ganze Welt umarmt. Weil das fotografisch nicht zu schaffen ist, trägt sie dafür halt das Riesenrad auf Händen. Auch so manch anderer Höhenflug entpuppte sich als das reinste Gipfelglück, so wie die Fahrt mit der „Wilden Maus“ auf beigefügtem kunstvollen Bild.
Und plötzlich kam der Herbst: Zwiebel-Look und Schirm gegen Kälte und Regen
Nach traumhafter ersten Wiesnwoche waren zum Ende hin plötzlich Zwiebellook und Regenschirm angesagt. Es kühlte gewaltig ab, zeitweise goss es stundenlang. Tamara und Danie, warm eingepackt, ließen sich das Festmärzen im Auer-Biergarten trotzdem schmecken. Immerhin: Bei sieben Grad mussten sie nicht fürchten, dass ihnen das Bier warm wird. Warm eingeheizt wurde indessen im Tatzlwurm und viele ließen sich die gute Stimmung vom Regen nicht verderben.
Ein farbenfroher Höhepunkt wie immer – das war das Wiesn-Feuerwerk, auf unseren Bildern vom Rosenheimer Süden aus betrachtet, von der Brücke über die Bahn auf der Miesbacher Straße. Ganz rechts erkennbar: St. Nikolauskirche und Hangover-Turm.
E-Mobilität ist auch bei der Polizei ein Thema. Testeten die Beamten auf der Wiesn schon die neuen Einsatzwagen? Jedenfalls hat der Wiesnigel Ignaz zwei Polizisten beim Testfahren erwischt.
Eine Million Bilder? Oder noch viel mehr? Auch 2024 war es eine Selfie-Wiesn. Über das Ausmaß der Bilderflut kann man nur spekulieren.
So geht Zeltoffice
Neuer Trend? Die Antwort auf die Technikflut? Martin Brunner aus dem Büro des Rosenheimer Landrats zeigte beim Bürgermeistertreffen auf der Wiesn, dass ein Zelt-Office auch ganz ohne digitalen Schnickschnack blendend funktioniert. Ein Stift und eine Hendl-Serviette tun es schon. Was Landrat Otto Lederer für merkwürdig hielt, notierte Brunner – wie anno dazumal – auf einem Fetzen Papier.
Nach der Wiesn ist vor der Wiesn! Wie die Mass Bier und das Brathendl möglichst schnell und frisch auf den Tisch kommen, das erfuhren acht Azubis der Flötzinger-Brauerei beim Zeltrundgang. Personalleiterin Angelika Wildgruber und Markertingleiter Thorsten Diederich erläuterten Ablaufprozesse und Logistik in Europas größtem Festzelt in Holzbauweise, in dem bis zu 350 Personen (Flötzinger Bräu und Bedienungen) beschäftigt waren.
Hinzu kamen laut Klemens Kanzler von der Festzeltküche weitere 110 Kräfte im Küchenbetrieb, um bis zu 9500 Besucher satt zu machen. „Das Festmärzen hat eine Stammwürze von 13,5 Prozent und einem Alkoholgehalt von 5,6 Prozent“, erläuterte Braumeister Franz Amberger. 45 000 Liter davon lagerten in mehreren Tanks vor Ort – natürlich auch jede Menge alkoholfreier Getränke wie der beliebte Spezi.