Streuobstwiese mit alten Apfelsorten

Knackig, rund und schön

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Sie engagieren sich für die Streuobstwiese in Häusern (v. li.): Wolfgang Demmel, Winfried Schmitt und Altbürgermeister Josef Schmid aus Bichl sowie Hermann Merten, Bürgermeister Hans Kiefersauer und Rainer Kellner aus Benediktbeuern. Nicht im Bild ist Bernhard Schmid.
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Auf einer Streuobstwiese in Häusern sollen die Bürger aus Benediktbeuern und Bichl künftig alte Apfelsorten wiederentdecken können. Engagierte Bürger kümmern sich um den Unterhalt.

Benediktbeuern/Bichl –    Durch die zunehmende Bebauung verschwinden in Dörfern immer mehr Grünflächen, teilweise auch mit schönen alten Obstbäumen. Von vielen Menschen wird das bedauert, aber gleichzeitig ist der Siedlungsdruck auf dem Land enorm. Die Gemeinde Benediktbeuern hatte nun die Chance, vom Kloster eine große Wiese mit alten Obstbäumen zu pachten – und nutzte die Gelegenheit.

Stilvolle Abgrenzung: Der Holzzaun neben der Streuobstwiese in Benediktbeuern ist nach einem historischen Vorbild im Freilichtmuseum Glentleiten gebaut.

Das rund 8500 Quadratmeter große Areal liegt gegenüber vom Gasthof Friedenseiche im Benediktbeurer Ortsteil Häusern. Dort stehen seit Jahrzehnten 21 Obstbäume, vor allem Apfelbäume. „Der Altbestand ist 60 bis 80 Jahre alt“, sagt Rainer Kellner. Er gehört einer Gruppe von sechs engagierten Bürgern aus Benediktbeuern und Bichl an, die sich in Zusammenarbeit mit der Gemeinde um diese Wiese kümmert. „Das Kloster kann das Areal nicht mehr selbst bewirtschaften“, sagte Bürgermeister Hans Kiefersauer, als sich die Gruppe zur erstmaligen Präsentation der Streuobstwiese nun öffentlich vorstellte.

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Die Arbeiten sind schon länger in Gang, bereits 2016 gab es die ersten Neupflanzungen. Zu den 21 alten Bäumen sind 20 weitere hinzugekommen, unter ihnen auch Birnen und Zwetschgen. Zudem gibt es Strauchrosen und andere kleine Gehölze. „In den kommenden Jahren sollen sich hier die Bürger oder Interessierte von auswärts über vieles informieren und austauschen können, etwa über verschiedene Sorten und den richtigen Baumschnitt“, sagte Kiefersauer. Dazu gehöre auch der Bau von Zäunen. Jener an der Wiese wurde jüngst fertig, als Vorbild diente ein Zaun im Freilichtmuseum Glentleiten.

Unfassbar: Bäume gestohlen

Ein Aushängeschild für den Garten ist die Apfelsorte „Benediktbeurer Wachsrenette“, die der Großvater von Rainer Kellner anno 1942 in Weihenstephan anmeldete. Kellner ist ein „Urgestein“ des örtlichen Gartenbauvereins und wird auch auf der Streuobstwiese sein Wissen einbringen. Zwei Wachsrenetten wurden schon neu gepflanzt, bedauerlicherweise wurde – kaum zu glauben, aber wahr – einer dieser Bäume schon gestohlen. Weitere „neue“ alte Apfelsorten sind zum Beispiel „Rheinischer Winterrambur“, „Kaiser Wilhelm“ und „Geheimrat Dr. Oldenburg“, als Zwetschge kann man unter anderem die „Gute Luise“ oder „Cacaks Schöne“ kennenlernen.

Neben Kellner engagieren sich noch Wolfgang Demmel, Winfried Schmitt und Sepp Schmid aus Bichl sowie Hermann Merten und Bernhard Schmid aus Benediktbeuern in dem Garten. Jeden zweiten Samstag im Monat ist jemand von 10 bis 12 Uhr vor Ort, sodass sich Bürger informieren können, auch bei Regen. Sie können Obstsorten testen, Fragen stellen und sich mit Gleichgesinnten austauschen. „Wir wollen den Leuten einen Querschnitt zeigen, was es alles für alte Sorten gibt, und wie man sie auch daheim haben kann“, sagt Bichls Altbürgermeister Sepp Schmid, selbst passionierter Gartler.

Saft für Schule und Kindergärten

Und was passiert mit dem ganzen Obst? Auch hier sind noch Überlegungen in Gang. „Die diesjährige Apfelernte wird in der Obstpresse verarbeitet, den Saft bekommen die Kindergärten und die Schule“, sagt der Bürgermeister. Ob man in späteren Jahren auch mal eine Stiege Äpfel, Birnen oder Zwetschgen kaufen könne, muss noch geklärt werden.

Einen Termin kann man sich schon mal vormerken: Am Dienstag, 11. September, ist ein Apfelkundler (Pomologe) vor Ort, der sowohl im Kloster als auch auf der Streuobstwiese für Fragen rund um Äpfel zur Verfügung steht, etwa, wenn es um Sortenbestimmung oder Schädlingsbefall geht. Die genaue Uhrzeit wird noch bekannt gegeben. Im Herbst soll die Streuobstwiese dann offiziell eingeweiht werden.

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