VonPatricia Huberschließen
Bei der Suche nach dem passenden Stromanbieter hat man als Verbraucher die Qual der Wahl. Wo es in Rosenheim den günstigsten Strom gibt und worauf man bei der Wahl des Anbieters achten sollte.
Rosenheim – 599,43 Euro pro Megawattstunde. Diesen Spitzenwert erreichte der Strompreis im Sieben-Tage-Durchschnitt an der Strombörse Epex am 28. August 2022. Inzwischen hat sich die Lage wieder beruhigt. Am 2. Januar 2024 lag der Durchschnitt bei nur 28,15 Euro. Das dürfte die Verbraucher freuen, müsste man meinen. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Strompreise bleiben laut Bundesnetzagentur-Chef hoch
„Das Preisniveau ist höher als vor dem russischen Angriffskrieg. Daran wird sich so schnell nichts ändern“, sagte Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller der Rheinischen Post. Schuld daran ist auch der Anstieg der Netzentgelte, welcher durch den Wegfall der Subventionen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds in Höhe von 5,5 Milliarden Euro entsteht. Eigentlich hätten die Gelder aus diesem Fonds die Steigerung der Netzentgelte abfedern sollen – nun landet die Last auf den Schultern der Verbraucher.
Hinzu kommt noch der Anstieg der CO₂-Steuer, sowie das Auslaufen der Strompreisbremse. In vielen Fällen lohnt es sich daher, den derzeitigen Stromvertrag noch einmal zu überprüfen. Denn war zwar die Grundversorgung in Zeiten hoher Strompreise lange eine günstige Option, so gibt es inzwischen auch wieder deutlich billigere Angebote. Besonders bei einem Wechsel können Verbraucher jetzt sparen, erklärt Gebäudeenergieberater Alexander Beer von der Verbraucherzentrale Bayern.
„Grundsätzlich haben Sie in dem neuen Tarif eine Mindestlaufzeit. Wenn der Preis im Rahmen der vertraglichen Vereinbarung innerhalb der Laufzeit erhöht werden sollte, haben Sie immer ein Sonderkündigungsrecht“, sagt Beer gegenüber dem OVB.
Strompreis-Vergleich in Rosenheim: Wo man derzeit den günstigsten Strom bekommt
Die Zahlen aus Rosenheim zeigen, dass auch hier die Stadtwerke als Grundversorger noch deutlich teurer sind, als andere Anbieter.
Boni-Strom-Angebote: Preise regelmäßig vergleichen
Bei den Stadtwerken Rosenheim (SWRO) kostet die Kilowattstunde in der Grund- und Ersatzversorgung seit Januar 2024 34,22 Cent. Zum Vergleich: Beim derzeit günstigsten Anbieter LichtBlick kostet die Kilowattstunde nur 28,67 Cent. Allerdings muss auch beachtet werden, dass der monatliche Grundpreis bei den Stadtwerken mit 10,97 Euro recht niedrig liegt. Beim Anbieter Lichtblick zahlt man hier 3,99 Euro pro Monat mehr.
Wichtig ist allerdings auch zu erwähnen, dass die Stadtwerke im Notfall auch Kunden anderer Versorger aufnehmen müssen, da sie in Rosenheim der Grundversorger sind. Gerade als die Preise an den Strombörsen rasant gestiegen sind, haben besonders günstige Stromanbieter mit Problemen zu kämpfen gehabt. Das lag daran, dass diese Anbieter den Strom häufig nur kurzfristig einkaufen. So sichern sie sich zwar oftmals günstigere Preise, doch bei einem längerfristigen Preisanstieg kann dies zum Problem werden. Die Grundversorger hingegen setzen in der Regel auf eine andere Beschaffungsstrategie mit langfristigen Lieferverträgen.
Auffällig ist, dass die günstigsten Anbieter besonders durch Boni im ersten Jahr bestechen, die schließlich den Preis drücken. „Bei einem Tarif mit Bonus sollte man sich darauf einstellen, nach einem Jahr erneut zu wechseln“, erklärt Beer. Das zweite Vertragsjahr sei in den Bonus-Tarifen in der Regel teurer. „Die ausgewiesene Ersparnis im ersten Jahr geht oft ausschließlich auf den Bonus zurück.“
Die Stadtwerke Rosenheim äußern sich auf Anfrage zum Preisvergleich folgendermaßen: „Die Beschaffungsstrategie der Stadtwerke Rosenheim ist langfristig und garantiert die sichere Versorgung. Die SWRO können so ihren Kunden jederzeit faire Konditionen anbieten.“
Sicherer Stromanbieter: Worauf Verbraucher achten sollten
Um an ein möglichst kundenfreundliches Angebot zu gelangen, rät Beer, die Bewertungen und Erfahrungen anderer Kunden zu Rate zu ziehen, beispielsweise in Vergleichsportalen. „Außerdem können Sie Veröffentlichungen von Urteilen und Abmahnungen der Verbraucherzentralen hinzuziehen.“
Ein weiterer wichtiger Indikator sei laut dem Energieexperten die Website des Stromanbieters: „Gewinnen Sie hier einen schlechten Eindruck, weil etwa keine klaren Produktbeschreibungen, Kontaktmöglichkeiten oder Hinweise zum Unternehmen zu finden sind, sollten Sie sich nicht auf einen Vertrag einlassen.“

