VonDieter Dorbyschließen
Die Stadt Miesbach hat Anfang 2016 ihre Kinderbetreuungsstudie aktualisieren lassen. Das Ergebnis fällt positiv aus, doch es gibt noch einiges zu tun: Es herrscht Handlungsbedarf bei Krippen- und Hortplätzen.
Über Schulnoten lässt sich bekanntlich streiten. Das stellte auch Miesbachs Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) in der jüngsten Sitzung des Miesbacher Stadtrats fest: „Der Bewertete sieht sich immer etwas besser als der, der bewertet.“ Während Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) die Kinderbetreuungssituation in der Kreisstadt als sehr gut einstufte, ordneten die beiden Experten Robert Hobelsberger und Stephan Mahlert von der Beratungsfirma Muc-Consulting aus Planegg das Angebot zwischen gut und befriedigend ein. Deren Fazit: Aktuell sei der Bedarf zwar gedeckt, doch bis 2018 gibt es Lücken.
Wie berichtet, hatte sich Miesbach im Jahr 2009 als eine von 100 bayerischen Kommunen bei Eon Bayern um eine kostenlose Studie beworben, die die Betreuungssituation vor Ort analysierte. Die Kreisstadt erhielt den Zuschlag und richtete anhand der ermittelten Ergebnisse 2010 ihre Kita-Planung aus. Mit Erfolg: Aktuell ist der Bedarf abgedeckt. Deshalb war Ende 2014 die Bereitschaft groß, diese Studie fortzuschreiben – auch wenn das diesmal 11 900 Euro kostete. Die Ergebnisse stellten Hobelsberger und Mahlert nun im Stadtrat vor.
Aktuell gibt es in Miesbach 60 Krippen-, 325 Kindergarten- und 25 Hortplätze. Legt man die gesetzlichen Vorgaben zugrunde, werden bereits im Jahr 2018 wieder Plätze fehlen: zehn in der Krippe, 30 im Hort. Das ist der Bedarf, der sich aus der aktuellen Bevölkerung ergibt.
Demografisch gibt es keine großen Bewegungen. Wie die Berater feststellten, liegt das Bevölkerungswachstum derzeit bei 0,2 Prozent und stagniert damit. Zuzug würde etwas verändern, doch dafür fehlt es an Wohnraum. Offen ist aktuell lediglich, wie viele Asylberechtigte mit wie vielen Kindern zu berücksichtigen sind. Dennoch ist das Angebot, das die Stadt gesetzlich verpflichtet vorhalten muss, relativ gut planbar.
Trotz der gegenwärtigen Bedarfsabdeckung stellten die Experten fest, dass im Grunde alle Einrichtungen belegt und voll ausgelastet sind. Zudem wird die Planung durch den Belegungsschlüssel, den das Bayerische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz vorgibt, kompliziert: So belegen Kinder unter drei Jahren zwei Plätze, ab drei Jahren aber nur einen. Für Migrantenkinder werden sogar 4,5 Plätze angesetzt.
Mit dem Ausbau der Krippe hat die Stadt zudem einen Grundstock geschaffen, der sich wie eine Bugwelle auf die weiteren Einrichtungen Kindergarten und Hort auswirken wird. Doch gerade beim Hort ist das Platzangebot aktuell noch gering. 25 Plätze gibt es derzeit, doch bis 2018 werden voraussichtlich 30 fehlen, prognostizieren die Experten.
Dass die Schule mit ihrem ganztägigen Betreuungsangebot viel auffangen wird, wollte Hobelsberger nicht bestätigen: „Die Schule hat keine Abend- und Ferienbetreuung.“ Doch gerade die sei für immer mehr Berufstätige wichtig. Dabei warnte Mahlert: „Hortplätze werden gerne unterschätzt.“ Erfahrungsgemäß würden 20 Prozent der Schulkinder den Hort annehmen.
Um den Weg von Schule zum Hort möglichst kurz, sicher und zentral zu gestalten, sprach sich Mahlert zudem für ein möglichst nahgelegenes Kinderhaus aus. Krippe, Kindergarten und Hort unter einem Dach würden auch mehr Flexibilität beim Personal bedeuten. Zudem könnten Multifunktionsbauten bei sinkenden Kinderzahlen verstärkt in der Seniorenbetreuung genutzt werden.
Als Standort käme dafür das neben der Grund- und Mittelschule gelegene Klostergelände infrage. Während Markus Seemüller (FW) in diese Überlegungen die alte Klosterschule miteinbeziehen wollte, widersprach Bürgermeisterin Pongratz: „Unser Grundsatzbeschluss sieht dort das Museum vor.“
Eine andere Nutzung sei erst ein Thema, wenn die Machbarkeitsstudie zum Museum negativ ausfalle. Stattdessen befürwortete es die Rathaus- Chefin, dort anstelle der alten Hütten und Schuppen einen Neubau zu errichten. Eine weitere Anregung der Experten dürfte Eltern nicht gefallen: die Erhöhung der Gebühren. Laut Hobelsberger sind die Tarife der Stadt im Vergleich mit der Region zu niedrig. Während ein Platz in Miesbach pro Jahr 670 Euro kostet, zahle man beispielsweise in Planegg (Kreis München) 1200 Euro. München sei noch teurer.
Hauptargument ist die finanzielle Belastung der Stadt. Denn von den Kosten einer Fachstelle trage der Staat nur 25 Prozent, der Anteil der Eltern liege bei rund 20 Prozent. Den Rest übernehmen die Kommunen – und das ist ein ziemlicher Brocken, gerade mit Blick auf die angespannte Haushaltslage der Kreisstadt. Deshalb riet Hobelsberger, die Gebühren moderat anzuheben.
Vom Ansinnen des Zweiten Bürgermeisters Paul Fertl (SPD), sozialschwachen Familien einkommenssteuerbasierte Ermäßigungen zu gewähren, riet Mahlert ab: „In der Praxis ist das unheimlich viel Aufwand. Ungerechtigkeiten wird man auch damit nicht vermeiden können.“ So würden Steuerbescheide nicht die Ist-Situation widerspiegeln, und Selbstständige könnten mehr Belastungen geltend machen, ergänzte Hobelsberger. Zumal die Gebühren auch weiterhin niedrig sein werden.
Wie die Stadt auf die Ergebnisse der Studie reagieren will, soll eine Sondersitzung zeigen. Dann stehen auch die Gebühren für die Betreuungseinrichtungen auf dem Prüfstand.
ddy
