VonJosef Hornsteinerschließen
Gemeinderat will heute (10. August) entscheiden, wie es mit dem Schwimmbad Wellenberg in Oberammergau weitergeht. Personalmangel und explodierende Energiekosten machen einen normalen Betrieb nicht mehr möglich.
Oberammergau – Die Zukunft? Ungewiss. Die Schließung droht. Der Betrieb des Oberammergauer Schwimmbads, dem Wellenberg, steht auf Messers Schneide. Es fehlt an Personal, die Kommune kämpft mit explodierenden Energiekosten und der Planschtempel reißt mit jährlich bis zu einer Millionen Euro ein riesiges Loch in das Gemeindesäckel. Deshalb will der Gemeinderat heute Abend eine Entscheidung fällen: Schließt das Bad komplett? Oder öffnet es wieder? Und wenn, in welchem Umfang? Die Sitzung (10. August 2022, 19 Uhr im Ammergauer Haus) wird sicherlich eine emotionale.
Bekanntlich fehlt es dem Schwimmbad an Fachkräften. Am 1. Oktober verabschiedet sich der Betriebsleiter Ludwig Schön, der Ende 2017 seinen Dienst angetreten hatte. Im Februar kommenden Jahres geht ein weiterer Mitarbeiter in den Ruhestand. „Übrig bleiben nur noch zwei Bademeister und ein Techniker“, erklärt Bürgermeister Andreas Rödl (CSU). Ein Betrieb in vollem Umfang? „So nicht möglich“, attestiert der Rathaus-Chef. Die Verantwortung eines ganzen Schwimmbads auf nur zwei Bademeister abzuwälzen, könne in keiner Weise vereinbar sein.
Mahnend erinnert er an jenen verhängnisvollen 2. Juli im Jahr 2017, als ein zehnjähriges Kind nach einem Badeunfall im Krankenhaus gestorben war. Zwei Bademeister mussten sich vor Gericht verantworten. Das Verfahren wurde eingestellt. Nie mehr möchte Rödl ein Unglück und dessen Folgen in seiner Gemeinde haben.
Und natürlich spielen die Krisen seit über zwei Jahren eine große finanzielle Rolle. Rund 5,2 Millionen Kilowattstunden Gas für Strom- und Wärmeerzeugung benötigt das Schwimmbad bei regulärem Betrieb. „Das ist ökonomisch nicht vertretbar, besonders jetzt während des Russland-Ukraine-Konflikts“, sagt Rödl.
Bad soll nicht wahllos geschlossen werden - Gemeinderat sucht vorübergehend Kompromiss
Doch will er und seine Kommune das Bad nicht einfach wahllos schließen. Ein Kompromiss soll her. Der könnte lauten: Ab 1. Oktober dieses Jahres schließt der Wellenberg und soll fortan in den Wintermonaten – die kostenintensivste Zeit für ein Schwimmbad – geschlossen bleiben. Dann soll nur noch ein Sommerbetrieb folgen, aber in stark reduzierter Form: Nur mehr das Sportbecken im Außenbereich soll für Gäste offen bleiben, geheizt durch die Solaranlage.
Doch wird sich Gemeinderat Ludwig Utschneider (PWG) mit diesem Lösungsvorschlag auf Dauer nicht zufriedengeben. „Die Solaranlage ist desolat“, sagt er. Ohne Warmwasserduschen und einen komplett gesperrten Innen-Bereich sei das keine sinnvolle Lösung. „Ich bezweifle, dass dieser reduzierte Sommerbetrieb wirklich bei den Gästen ankommt.“ In einem öffentlichen Statement machen er und seine Parteigenossen noch einmal deutlich: „Wir stehen weiterhin zum Bad, auch wenn aufgrund der politischen Großwetterlage, der Energiekrise und der hohen Gaspreise das Bad diesen Winter geschlossen werden muss.“ Doch glauben die Freien Wähler, dass es irgendwann wieder zu einer „normalen Zeit“ kommt. „Dann brauchen wir unser Schwimmbad.“
Die Parteilosen stünden nach wie vor hinter einem Ganzjahresbetrieb. Doch wie der zu finanzieren und umzusetzen sei, darüber müsse man noch reden. „Heute Abend ist ein schlechter Zeitpunkt, sich über Alternativkonzepte zu beraten“, meint Utschneider im Hinblick auf die Sitzung. Viel mehr solle im Nachgang ausgearbeitet werden, wie ein „kleines aber feines kommunales Schwimmbad“ betrieben werden könnte.
Gemeinderat hofft noch immer auf Investoren-Lösung
Nach wie vor steht die Lösung mit Investoren im Raum. „Doch auch die haben mit der aktuellen Lage zu kämpfen“, sagt Rödl zu den aktuellen Verhandlungen. Es könnten noch Jahre vergehen, bist ein Betreiberkonzept umgesetzt werden kann. Doch wäre das die beste Lösung, wie auch Simon Fischer (CSU) meint: „Wir verfolgen diesen Weg weiter, denn es wäre sehr schade, das Bad schließen zu müssen.“ Zwar seien in den vergangenen zehn Jahren über zehn Millionen Euro in den Wellenberg investiert worden. Doch deckte die Summe letztlich nur das absolut Nötigste ab. So musste bekanntlich das Rutschenhaus schon vor Monaten geschlossen werden. Die finnische Sauna steht kurz vor der Schließung. Auch das Kassensystem macht Schwierigkeiten.
Aktuell würde die Minimallösung – also lediglich das Nötigste der Anlage zu sanieren – schon rund zehn Millionen Euro ausmachen, wie Architekt Hagen Pohl 2020 dem Gremium vorrechnete. Würde man „was g’scheides“ wollen, also eine komplette Erneuerung/Neubau, „liegen wir mittlerweile bei einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag“, mahnt Rödl.
