Unterwasser-Archäologie

Denkmalschutz mit Taucheranzug

+
Bei den Tauchgängen im Silbertsgraben wurde in sieben Metern Tiefe ein 50 bis 100 Jahre altes Boot aus Kiefernholz unter die Lupe genommen.
  • schließen

Zwölf Sporttaucher sind nun am Walchensee zum Thema Unterwasserarchäologie fortgebildet worden. Sie haben ein Wrack im Silbertsgraben untersucht. Für Forschungstaucher, sagt Kursleiter Florian Huber, hat der 190 Meter tiefe See viel zu bieten.

Walchensee/Lenggries – „Der Walchensee ist spannend“, sagt Florian Huber. Der aus Lenggries stammende Unterwasserarchäologe, Forschungstaucher und Dozent ist weltweit unterwegs und kennt viele Gewässer. In diesen Tagen bildet er Sporttaucher, unter ihnen auch Forscher, im Fachgebiet Unterwasserarchäologie weiter. Am vergangenen Wochenende waren es zwölf Teilnehmer, am kommenden Wochenende werden es zehn Frauen und Männer sein. Sie kommen aus Deutschland und Österreich. Die weiteste Anreise hatte eine Deutsche, die in Kairo lebt und als Ägyptologin forscht.

Die Teilnehmer der Fortbildung fertigten unter anderem ein 3D-Modell des Boots an, auf das sie im Silbertsgraben gestoßen waren.

Die Teilnehmer der Fortbildung fertigten ein 3D-Modell des Boots an, auf das sie im Silbertsgraben gestoßen waren.

Hubers Ziel ist es, die Teilnehmer fürs Thema Denkmalschutz unter Wasser zu sensibilisieren. „Oft weiß man als Taucher nicht, wie man sich verhalten soll, wenn man etwas Besonderes unter Wasser findet“, sagt der 41-Jährige. So ging es in der Theorie um Gesetzeslage und Arbeitstechniken, in der Praxis um die Dokumentation eines Holzboots unter Wasser im Silbertsgraben. Bei fünf Tauchgängen mussten die Teilnehmer in sieben Metern Tiefe Holzproben nehmen, das Boot zeichnen und vermessen. Aus vielen Fotos wurde schließlich ein 3D-Modell erstellt.

Das Boot, zwischen 50 und 100 Jahre alt, wurde aus Kiefernholz gefertigt. Huber hatte es vorher ausgesucht. „Im Walchensee gibt es noch viel zu entdecken“, sagt der 42-Jährige, der unter anderem 2015 im Vorfeld der technischen Überprüfung durch den Kesselbergstollen tauchte (wir berichteten). Vor Kurzem hatte ihm Florian Pallentin, ein Mitglied der Wasserwacht, von einem Holzwrack in 45 Metern Tiefe berichtet. Was man als Taucher so unter Wasser finde, sagt Huber, erzähle viel vom Leben am und im See, insbesondere von Fischern und ihren Techniken. Huber hat darüber auch mit Elisabeth Hinterstocker gesprochen, der Leiterin des Tölzer Stadtmuseums. „Es muss mal einen sehr alten Einbaum gegeben haben, aber er ist leider nicht mehr existent.“

Aber es müssen nicht nur Boote sein, die Taucher entdecken: Huber, der unter anderem Skandinavistik und Frühgeschichte studierte hat, berichtet von einem Elch-Skelett, das man im Walchensee gefunden hat. Es datiere um 9250 vor Christus. „Es ist damit der älteste Nachweis des eurasischen Elchs in Bayern“, sagt der Lenggrieser, der großes Interesse für Funde wie diesen hat. Die Knochen liegen heute in einen Münchner Museumsdepot.

Florian Huber hatte in den vergangenen Tagen auch noch einen besonderen Gast: Der bekannte Kindermoderator Tobias Krell (KIKA) hat am Walchensee seinen Tauchschein bestanden. Ein Kamerateam war dabei, um gleich eine neue Folge für die Reihe „Checker Tobi“ übers Tauchen zu drehen. Zudem wird Huber den Fernsehmoderator im Dezember nach Tasmanien begleiten, um dort mit ihm einen Kinofilm übers Tauchen zu produzieren. Hubers Team von der Firma „Submaris“ wird die Dreharbeiten unter Wasser übernehmen. Bis dahin hat Huber aber noch andere Aufträge: Er begleitet ein Kreuzfahrtschiff in die Region um Madagaskar, um als Dozent über Unterwasserarchäologie zu sprechen. 2018 will der Lenggrieser wieder Interessierte am Walchensee fortbilden.

Kommentare