Jetzt steht fest: Das alte Feuerwehrhaus in Tegernsee wird durch einen Neubau ersetzt. Wie dieser aussieht, damit wird sich der Stadtrat bei einer Klausur befassen.
Tegernsee – Der Neubau des Feuerwehrhauses wird mit über sechs Millionen Euro das kostspieligste Vorhaben seit Langem, das sich die Stadt leisten wird. Seit 2015 arbeitet Städteplanerin und Architektin Claudia Schreiber an einer Machbarkeitsstudie für das Feuerwehrhaus. Bei einer Sondersitzung des Stadtrats im November waren zwar drei Varianten in die engere Wahl gekommen, doch Schreiber sollte erneut untersuchen, ob auch die Hochfeldstraße in die Planungen mit einbezogen werden könnte, und, ob es nicht doch eine Möglichkeit zum Erhalt des alten Feuerwehrhauses geben könnte. Schreiber saß am Dienstagabend mit neuen Vorschlägen wieder einmal am Ratstisch. Ihr Fazit: Die beste Lösung wäre ein kompakter Neubau mit zehn Garagen, 47 Metern Länge und 21 Metern Tiefe (Variante K).
Viele Tegernseer können sich nur schwer vorstellen, dass das 1927 errichtete, schmucke Haus abgerissen werden soll, zumal sich in dem Haus auch sechs Mietwohnungen befinden. Bei einer Ortsbesichtigung vor wenigen Tagen konnte sich der Stadtrat erneut ein Bild von der unzumutbaren Enge und den Missständen in dem Haus machen. Norbert Schußmann (CSU) zog für sich ein klares Resümee: „Das Feuerwehrhaus ist kein Heimatmuseum. Es ist vorbei, die Zeit ist abgelaufen. Man sollte das Haus abreißen, so wie man eine Kuh einschläfert, wenn’s sein muss.“ Im Gegensatz zu anderen Kollegen sah er sich sehrwohl in der Lage, eine Entscheidung zu treffen und weitere Planungsschritte zu tun.
Wie viele Garagen sind tatsächlich nötig?
Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste) war da anderer Meinung: Sie hätte gerne einen weiteren Architekten zu Rate gezogen und wollte zudem wissen, ob die Feuerwehr für ihre sieben Fahrzeuge tatsächlich zehn Garagen brauche. „Wir sollten einen Experten anhören, der die Vorschriften für die Feuerwehr macht“, fand Niggl-Fisser und schlug eine Klausur zum Thema Feuerwehrhaus vor. Auch für Peter Hollerauer (FWG), und weitere Stadträte waren noch Fragen zum tatsächlichen Platzbedarf und zu künftigen Mietwohnungen im Feuerwehrhaus offen. Ob und in welcher Anzahl sie in einem Neubau möglich sind, ist noch ungeklärt. „Wir haben doch alle im Wahlprogramm stehen, dass wir Wohnraum schaffen wollen. Jetzt welchen zu vernichten, da bin ich dagegen“, sagte Hollerauer.
Schnell handeln oder noch noch überlegen?
Schnell über Varianten entscheiden, um der Feuerwehr möglichst bald aus der Misere zu helfen, oder sich Zeit lassen – auch darüber gingen die Meinungen auseinander. Während sich FWG-Sprecher Andreas Obermüller durch die Vorschläge der Städteplanerin ausreichend gut beraten fühlte, hielt es Florian Kohler (Bürgerliste) für angebracht, noch einmal intensiv nachzudenken. „Das Feuerwehrhaus ist ortsprägend. Und in Tegernsee verschwinden immer mehr Gebäude.“ Kohler brachte erneut den Schulhof zur Sprache, der seiner Meinung nach in die Planung mit einbezogen werden sollte. Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) hielt davon nichts: „Das wäre doch eine Rolle rückwärts. Das haben wir genug diskutiert.“
Angesichts des Investitionsvolumens von über sechs Millionen Euro warnte Vize-Bürgermeister Heino von Hammerstein (Bürgerliste) vor einer Vorgehensweise nach dem Motto „Augen zu und durch“. Peter Friedrich Sieben (FWG) gestand, noch nicht „dieses gute Gefühl“ zu haben für eine Entscheidung, die für die nächsten hundert Jahre bedeutend sei.
Knappe Mehrheit für Klausursitzung
Zwei Entscheidungen brachten das Thema am Ende dann doch voran: Gegen die Stimmen von Florian Kohler und Heino von Hammerstein wurde beschlossen, das alte Feuerwehrhaus abzureißen. Mit 9:7 Stimmen entschied sich der Stadtrat dann für eine nicht-öffentliche Klausursitzung, an der auch die Feuerwehr-Spitze und andere Experten teilnehmen sollen. Eine öffentliche Sondersitzung schien der Mehrheit nicht das richtige Mittel zu sein, um weitere Entscheidungen zu diskutieren.
gr
